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So behutsam wie radikal

Die Umgestaltung der Heilandkirche ist zeitgemäß und bewahrt die Entwurfsidee von 1955

Die 1955 erbaute Heilandkirche an der Domhofstraße in Bonn-Mehlem gehört zum Spätwerk von Otto... mehr

Die 1955 erbaute Heilandkirche an der Domhofstraße in Bonn-Mehlem gehört zum Spätwerk von Otto Bartning (1883-1959). Er gehörte schon in der Weimarer Republik zu den wichtigsten Kirchenarchitekten und gilt als bedeutendster Impulsgeber für den evangelischen Kirchenbau. Durch sein Mitwirken am Wiederaufbau Helgolands und seine städtebauliche Konzeption für die Internationale Bauausstellung 1957 im Berliner Hansaviertel nahm er aber auch maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der westdeutschen Nachkriegsarchitektur.

Das schlichte aber präzise Raumkonzept der Heilandkirche war im Zuge von Um- und Einbauten im Laufe der Zeit verwässert worden. Lorber Paul Architekten aus Köln waren aus dem Wettbewerb zur Sanierung und Neugestaltung des Innenraums als Sieger hervorgegangen und haben die Einrichtung in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde entwickelt und realisiert. Mit dem aktuellen Umbau durch Lorber Paul Architekten wird die Entwurfsidee Bartnings wiederbelebt und mit Blick auf die Anforderungen einer heutigen Kirchennutzung weiterentwickelt. Mit dem Rückbau des Altarbereichs um zwei Stufen auf die ursprüngliche Höhe, der Neugestaltung der Prinzipalstücke – Altar, Kanzel und Taufbecken – und der Erweiterung in den Kirchenraum wird dieser neu definiert und verbindet sich fließend mit dem Seitenschiff. Der Rückbau der nicht mehr benötigten Empore schafft Platz für die geplante, zentral im Kirchenschiff angeordnete Orgel. Eine neue Lichtfuge zwischen Wand und Decke lässt die Rundung der Außenwand erstmals richtig sichtbar werden und betont die Textur des vorhandenen Mauerwerks. Der Raum wirkt insgesamt größer, heller und klarer strukturiert. Unterstützt wird dieser Eindruck durch die Erweiterung des Durchgangs zwischen Foyer und Kirchenschiff.

Die Schlichtheit und Bescheidenheit des Hauses mit einer Tragkonstruktion aus Betonfertigteilen, geschlämmten Ziegeln und Schieferboden findet seine entsprechende Fortsetzung im hellgrauen Sandstein Pietra Serena im Altarbereich und dem weiß-pigmentierten Eichenholz für Prinzipalstücke, Bestuhlung und Einbauten. Der Entwurf für den Umbau sieht sich dem Erbe von Otto Bartning verpflichtet und stellt einen so behutsamen wie radikalen Ansatz für eine zeitgemäße Adaptierung einer Kirche dar, ohne den Geist des Ursprungsgedankens zu negieren.
Diesen sensiblen Umgang der Architekten mit dem historischen Bau würdigte die BDA Gruppe Bonn-Rhein-Sieg mit einer Anerkennung bei der Auszeichnung guter Bauten 2017.

www.lorberpaul.de

Architekten: Lorber Paul Architekten www.lorberpaul.de Fotos: Stefan Schilling... mehr

Architekten:

Lorber Paul Architekten
www.lorberpaul.de

Fotos:

Stefan Schilling
www.stefan-schilling.de