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Mikrourlaub auf dem Dach

Ein Dachumbau in der Innenstadt deutet den denkmalgeschützten Bestand poetisch um

Ein typisches Reihenhaus aus den 1950er-Jahren mit ungenutztem Spitzboden nicht weit von der... mehr

Ein typisches Reihenhaus aus den 1950er-Jahren mit ungenutztem Spitzboden nicht weit von der Kölner Innenstadt galt es umzubauen. Allerdings begrenzte der Denkmalschutz, der sowohl für das Haus als auch die umliegende Siedlung und ihre weitgehend noch typische Nachkriegsbebauung gilt, den Entwurfsspielraum: Nur kleinformatige Dachöffnungen waren erlaubt. Aber auch die relativ geringe Raumhöhe begrenzte die Ausbaumöglichkeiten. Die Situation hatte etwas von Jacques Tatis Film „Les vacances de Monsieur Hulot“: Der Protagonist, der am Ende des Tages in seinem Hotel an der Atlantikküste ankommt, bekommt nur noch ein Zimmer unter dem Dach – beengt, aber mit Ausblick!

Das beauftragte Architekturbüro kalhöfer korschildgen aus Köln entwickelte einen Umbau, der die räumlichen und rechtlichen Restriktionen kompensiert. Die vorhandenen Defizite sollten positiv gesehen werden, aus dem Mangel eine neue Qualität entstehen. Eine Sonderkon­struktion von um bis zu 90 Grad ausklappbaren, kleinformatigen Dachflächenfenstern ermöglicht einen unverstellten Blick in den Himmel. Die Bewegung zweier mobiler Elemente durch, aber auch aus dem Dachraum heraus in den Außenraum verwandelt den konkreten Ort in eine ungewöhnliche, alltagsferne Situation. Neben den Urlaubsattributen Liegestuhl und Sonnenschirm lassen sonnenartiger Motive, alten Häkeldecken der Bauherrenfamilie entnommen und digital überarbeitet, eine sinnliche Stimmung entstehen – für einen Mikrourlaub am Strand, an dem man (dank der temporär exponierten Lage auf dem Dach) auch die letzte Sonne des Tages genießen darf. Die beiden mobilen, geometrisch an die Dachform angepassten Elemente können entlang der Dachschrägen flexibel verschoben werden, sodass sie einen variablen Grundriss erzeugen. Je nach Arretierung und Zusammenspiel mit dem übrigen Mobiliar werden so ganz unterschiedliche Räume, Raumfolgen und Raumgrößen geschaffen. Der großzügige, sich über die gesamte Fläche erstreckende Maximalraum kann somit in kurzer Zeit zu einem zonierten Raum mit vielfältigen Bereichsunterteilungen umgewandelt werden. Der neue Dachraum erfährt eine über die Tageszeiten veränderbare, polyvalente Raumnutzung. Von einem Aufenthaltsraum mit Balkon über ein Badezimmer mit Himmelsblick bis hin zum Schlafzimmer mit Sternenhimmel – unter diesem Dach wird einfach vieles möglich.

www.kalhoefer-korschildgen.de

(Erschienen in CUBE Köln Bonn 01|20)

Architektur: kalhöfer korschildgen www.kalhoefer-korschildgen.de Mobile Elemente: Peter... mehr

Architektur:

kalhöfer korschildgen
www.kalhoefer-korschildgen.de

Mobile Elemente:

Peter Schomann Metallbau
Technikhof Kalk
Telefon: 0221 16 99 22 40

Dachdeckung:

Bedachungen Wolfgang Herr
Telefon: 02441 770770

Dachfenster:

van Broek
www.van-broek.de

Innenausbau:

Deforet möbeldesign
www.deforet.net

Tragwerksplanung:

Imagine Structure
www.imagine-structure.de

Lichtplanung:

Dinnebier Licht
www.dinnebier-licht.de

Fotos:

Jörg Hempel
www.joerg-hempel.com

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