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Böhm Chapel

Ein gelungenes Beispiel der Umnutzung ehemaliger Kirchen

Die ehemalige Pfarrkirche St. Ursula in Hürth-Kalscheuren wurde 1954 bis 1956 vom Kölner... mehr
Die ehemalige Pfarrkirche St. Ursula in Hürth-Kalscheuren wurde 1954 bis 1956 vom Kölner Architekten Gottfried Böhm entworfen, einem der renommiertesten Kirchenbauer der Nachkriegszeit und dem bisher einzigen deutschen Pritzker-Preisträger. Der Entwurf erregte bereits damals großes Aufsehen, da die runde Bauform mit einem Zentralraum die Ergebnisse des zweiten Vatikanischen Konzils vorwegnahm und die pastorale und ökumenische Erneuerung baulich symbolisierte. 1993 wurde St. Ursula wegen ihrer „künstlerischen, architekturgeschichtlichen wie auch städtebaulichen Akzente“ unter Denkmalschutz gestellt. Das Kirchengebäude wird von Denkmalpflegern und Architekturhistorikern heute noch als eines der schönsten in Deutschland bezeichnet.

Der Zentralraum weist sechs gleich große Konchen auf; das Kuppeldach wird von schlanken, außen stehenden Pfeilern getragen und scheint dank des außergewöhnlichen Lichteinfalls der raumhohen Fenster sowie der horizontalen Lichtbänder zu schweben. In der Auswahl des Materials wurde vornehme Zurückhaltung geübt: Stahlbeton, Terrazzoboden, eine Decke aus Zedernholz und Glas unterstreichen die außergewöhnliche Eleganz des Raumes.

In Folge einer 2002 erfolgten Zusammenfassung mehrerer Kirchengemeinden wurde St. Ursula 2006 nach 50-jähriger sakraler Nutzung im Zuge eines kirchlichen Sparkonzeptes profaniert und zunächst an einen Immobilien- und Projektentwickler verkauft, der eine Mischnutzung als Loftimmobilie für Wohnen und Arbeiten vorsah. Die Konsequenzen aus der Profanierung für die außergewöhnliche kirchliche, architektonische und kulturgeschichtliche Bedeutung von St. Ursula wurden nun intensiv öffentlich und juristisch diskutiert, allerdings ohne greifbares Ergebnis.
Mit dem Erwerb des ehemaligen Kirchengebäudes durch den Kölner Galeristen Rafael Jablonka nahm die Entwicklung dann eine versöhnliche Wendung. Im Sinne des Denkmalschutzes und in Zusammenarbeit mit Gottfried Böhm versetzte man das Gebäude mit großer Sensibilität nahezu in den Ursprungszustand, befreite den Zentralraum von nachträglichen Einbauten, den 24 m hohen und frei stehenden Campanile von Verkleidungen, entfernte auch liturgische Ausstattung. Seit Herbst 2010 wird das außergewöhnliche Gebäude als exklusiver Ausstellungsraum der Galerie Jablonka für moderne Kunst genutzt. Bewusst wird dabei auf Ausstellungssysteme, Zwischenwände und Einbauten verzichtet; die sorgsam ausgewählten Exponate hängen ausschließlich in den fünf verfügbaren Konchen oder stehen frei im Raum und entfalten ihre Wirkung auf den Betrachter. Bisher konnten in dem nun „Böhm Chapel“ genannten Gebäude Ausstellungen mit Werken der zeitgenössischen Künstler Terry Winters, Sherrie Levine, Eric Fischl gezeigt werden; noch bis zum 15.04.2012 ist die Ausstellung zu Philip Taaffe zu sehen. Die Ausstellungen werden bewusst in längeren Zyklen von mehreren Monaten gezeigt. Die Galerie ist am Wochenende geöffnet.

www.jablonkagalerie.com