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Am Anfang war das Wort

Gerhard Wittfeld – Beruf: Vermittler

Das Büro Kadawittfeldarchitektur aus Aachen ist das älteste junge Büro hierzulande: Das Büro... mehr

Das Büro Kadawittfeldarchitektur aus Aachen ist das älteste junge Büro hierzulande: Das Büro gibt es bereits seit 1999, aber die Mitarbeiter sind im Durchschnitt 33 Jahre alt. Wir sprachen mit Gerhard Wittfeld, einem der Geschäftsführer, dem gerade der diesjährige DAI Preis für besondere Verdienste um die Baukultur in Deutschland zugesprochen wurde, wo sich der Schlüssel zum Erfolg seines Büros verbirgt.

CUBE: Herr Wittfeld, sind Sie der „Frontman“ bei Kadawittfeldarchitektur?
GERHARD WITTFELD: Ja – ich bin sozusagen einer der Köpfe des Büros. Wir sind ein Team und arbeiten arbeitsteilig, und ich bin einer derjenigen, der die Dinge, die entstehen, nach außen vertritt.

CUBE: Ihr Gründungspartner Professor Kada hält sich eher im Hintergrund?
G. WITTFELD: Klaus Kada ist 74, und er ist noch dabei, aber er bezieht sich nicht mehr auf die Dinge des Tagesgeschäfts, sondern hält Vorträge und ist in Jurys tätig. Sein Sohn, Kilian Kada, der ja mittlerweile auch Partner ist, tritt nun immer stärker mit nach außen und unterstützt mich da.

CUBE: Sie sind für Ihr Alter ein „Überflieger“ – Ihre Karriere verlief sehr rasch. Woran lag das?
G. WITTFELD: Ich glaube, dass ich insofern sehr viel Glück gehabt habe, als dass ich relativ jung das Büro mit Professor Kada aufmachen konnte. Ich habe da eine Starthilfe gehabt, die mir vielleicht ein paar Jahre Vorsprung gebracht hat. Es ist ja eine relativ ungewöhnliche Konstellation, dass die Büropartner so unterschiedlich alt sind. Und diese Zeit, sich nach und nach entwickeln zu können und nicht sofort mit einem Paukenschlag auftreten zu müssen, das hat mir als Person schon sehr geholfen.

CUBE: Und nun auch noch der DAI-Preis, der Sie in den Olymp der ganz großen katapultiert – neben Chipperfield, Foster, Marg, Speer, Ungers – alle deutlich älter als Sie. Wie ist Ihrer Meinung nach die Wahl der Jury auf Sie gefallen – wo sehen Sie Ihre Verdienste um den Erhalt der Baukultur?
G. WITTFELD: Also, ich habe mich natürlich erst einmal sehr gefreut. Es kann sein, dass die Jury auch davon beeindruckt war, dass wir uns im Büro dafür engagieren, junge Leute immer mehr an die Architektur heranzuführen. Wir unterstützen Programme an Schulen und beschäftigen viele Berufspraktikanten. Bei Vorträgen erläutere ich unser Modell des dialogischen Arbeitens. Ich denke schon, dass wir da eine herausragende Position besitzen und beim Thema Architekturvermittlung vorne mit dabei sind.

CUBE: Was machen Sie nun mit dem Zweieinhalb-Kilo-Koloss – gibt es schon ein Regal für die Preise in Ihrem Büro?
G. WITTFELD: Ich glaube, das ist so eine Art Wanderpokal geworden. Der ist derzeit bei meinen Eltern, weil sie so begeistert davon waren. Ansonsten haben wir eine kleine Galerie bei uns im Büro.

CUBE: Sie legen großen Wert auf den Dialog mit den Bauherren. Ist das Zusammenarbeiten zum Beispiel mit Laien tatsächlich hilfreich oder verzögert es die Prozesse eher?
G. WITTFELD: Das verzögert mit Sicherheit den Prozess am Anfang, aber es beschleunigt die Abläufe beim eigentlichen Bauen. Wir haben schon oft die Erfahrung gemacht, dass wir vorne ein paar Monate länger brauchen als unsere Mitbewerber, am Ende aber zur gleichen Zeit fertig sind. Wir befragen Leute nach einem, nach zwei, nach fünf Jahren und die Akzeptanz der Nutzer ist eben ungleich höher, wenn sie vorne mitreden durften. Vorweg kann man Probleme gut lösen, im Nachhinen kann man oft nur noch ausbessern. Gerade Bauten mit öffentlicher Wirkung – und das sind bei uns fast ein Drittel aller Projekte – kann man gar nicht mehr an einer kritischen Öffentlichkeit vorbei entwickeln.

CUBE: Das finde ich sehr sympathisch, das entthront auch ein bisschen diese Unangreifbarkeit der Experten.
G. WITTFELD: Ich bin der Meinung, auch Experten dürfen sich ruhig den Fragen stellen. Wir haben vor kurzem den Salzburger Hauptbahnhof eingeweiht, den wir umgebaut haben. Von Anfang an haben wir auf Information der Bevölkerung gesetzt und es waren auch Experten dabei, die sich mit Dingen beschäftigen, von denen wir überhaupt keine Ahnung haben. Wir haben vier Jahre geplant, bevor es überhaupt losging. Das hat sich unglaublich gelohnt, wie sich zeigt. Die Leute sind sehr zufrieden mit dem Bahnhof, und wir haben Zeitplan und Kosten einhalten können. Das gibt es heute selten. Andere Großprojekte werden zur Katastrophe. Ich glaube, das liegt daran, dass dieser dialogische Prozess fehlt.

CUBE: Bei der Vielzahl von Projekten, die Sie gemeinsam im Team entwickelt haben, ist es wahrscheinlich müßig zu fragen, welches Ihr Favorit ist?
G. WITTFELD: Derzeit ist es die Archäologische Vitrine im Elisengarten in Aachen. Die ist ganz klein, vielleicht hundert Quadratmeter. Das ist mein Lieblingsobjekt, weil es erstmal nur über ein bürgerliches Engagement zustande gekommen ist. Ein Aachener Unternehmer hat die Teilfinanzierung der Stadt übernommen, weil die Stadt gesagt hat, sie könne das Projekt bei der damaligen Haushaltslage nicht stemmen. Und das zweite ist, dass dort mit Minimalaufwand auf 80 x 100 Metern die Stadtgeschichte gezeigt wird – eine Lupe, die in die Geschichte der Stadt weisen soll. Das Projekt hat eine unglaubliche Präsenz, weil die Vitrine nur 200 Meter vom Dom entfernt steht.

CUBE: Auf einen Nenner gebracht – was macht den Erfolgt Ihres Büros aus?
G. WITTFELD: Unser Credo lautet, immer neugierig, immer unvoreingenommen zu sein, immer Lust auf Neues zu haben. Das ist eigentlich die Philosophie – und die Nutzer ernst zu nehmen.

CUBE: Zerfetzen Sie sich zwischen all den Anforderungen in Ihrem riesigen Büro? Wie managen Sie Ihren eigenen Energiehaushalt?
G. WITTFELD: Ich versuche einfach, Arbeit zu teilen und mich auf die Sachen zu konzentrieren, die ich gut kann: zu kommunizieren. Natürlich auch mit meinen Leuten. Klar ist es teilweise ein bisschen viel, aber durch diese arbeitsteilige Idee funktioniert das gut.

CUBE: Und wohin geht die Branche? Der Architekturberuf wird mit immer mehr Umweltverantwortung belastet – zu Recht.
G. WITTFELD: Ich glaube, es ist eine gute Zeit für Architekten, weil der Architekt mit einer hohen Intensität Sachen in die Öffentlichkeit transportieren kann. Die große Herausforderung ist, dass man sich mit der Umwelt beschäftigen muss, das heißt, die Verantwortung zu übernehmen, nicht mehr zu verbrauchen als man hat. Diese Enden zusammenzuführen, das können eigentlich nur die Architekten. Ich glaube, dass der Architektenstand diese beiden Chancen hat, sich zu entwickeln.

Herr Wittfeld, herzlichen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Christina Haberlik.




Gerhard Wittfeld

45, ist geschäftsführender Gesellschafter von kadawittfeldarchitektur. 1968 geboren in Moers, Deutschland. 1988 Abitur am Gymnasium Rhein Kamp in Moers. 1989-1995 RWTH - Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen

– 1992-1995 Mitarbeit in den Büros Ingenhoven Architekten, Düsseldorf; JSWD Architekten, Köln; Schuster Architekten, Düsseldorf
– 1995 Diplom in Architektur RWTH Aachen
Auszeichnung Springorum Denkmünze - Theater Rostock, Auszeichnung Hünnebeck-Thyssen-Stiftung - Theater Rostock
– 1997-2004 Lehrauftrag an der RWTH Aachen, Architektur und Bautypologie
– 1999 Partner Büro Kada + Wittfeld, Gründung des Büros
kadawittfeldarchitektur
– 2000 Mitglied BDA (Bund Deutscher Architekten), erw. Vorstand
– 2001-2006 Wettbewerbsberater der Architektenkammer NRW
– 2004-2007 Vertretungsprofessur an der Architekturfakultät der FH Bochum, Lehrstuhl für Gebäudelehre und Entwerfen
– seit 2005 Mitglied des AKJAA (Arbeitskreis junger Architekten/-innen)
– seit 2006 Gestaltungsbeirat der Stadt Gummersbach
– 2006-2012 Architektenbeirat Stadt Aachen
– seit 2009 Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB)
– seit 2010 Gründungsmitglied „aachen fenster – Raum für Bauen und Kultur“
– Großer DAI Preis des Dachverband der Architekten- und Ingenieurvereine in Deutschland für Baukultur 2014