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Poetisch und praktisch

Eine Treppe als Raumskulptur

Zwei getrennte, aber identische und übereinanderliegende Wohnungen eines Gründerzeithauses im... mehr
Zwei getrennte, aber identische und übereinanderliegende Wohnungen eines Gründerzeithauses im Hamburger Stadtteil Hoheluft-Ost werden von einer Familie mit zwei Kindern sowie deren Großmutter bewohnt. Die obere 3-Zimmer-Wohnung der Familie war für deren Bedürfnisse eigentlich zu klein, es fehlte ein Zimmer. Dagegen wurde die untere 3-Zimmer-Wohnung von der Großmutter als zu groß empfunden. Was lag also näher, als ein Zimmer der unteren Wohnung der oberen zuzuschlagen und dieses mit einer internen Treppe zu erschließen? Mit der hier gezeigten Lösung schuf der Architekt Gerd Streng bereits zum vierten Mal ein individuelles und maßgeschneidertes „Stair Case Study House“, das über die rein funktionalen Aspekte des Verbindens und Verstauens weit hinaus geht und aus der Raumnot eine Tugend macht. Mit Leichtigkeit werden die Funktionen symbiotisch materialisiert und dabei auch auf engstem Raum neue poetische Blick- und Raumbezüge hergestellt.

Die neue Maisonette-Treppe verbindet nun das eine Zimmer der unteren Wohnung als neues Elternschlafzimmer mit eigenem Bad mit der oberen Familienwohnung, ohne die Abgetrenntheit und Funktionsfähigkeit der unteren Wohnungzu beeinträchtigen. Lediglich eine Doppeltür gewährleistet die notwendige Fluchtmöglichkeit aus dem Elternschlafzimmer durch den Flur der unteren Wohnung zum Haupttreppenhaus.

Der Raum für die neue Treppe wurde aus dem Kinderzimmer der oberen Wohnung ausgespart und direkt an den Flur angebunden. Um den Raumverlust des Kinderzimmers zu minimieren, beschränkt sich das Treppenhaus auf eine Breite von 80 cm und bietet der Tochter einen zusätzlichen kleinen Sitzplatz mit großer Verglasung zur Treppe. Auf diese Weise wird die Treppe natürlich belichtet, ohne Einblicke in das Kinderzimmer zu ermöglichen. Mit einem Klappladen lässt sich das Fenster zur Treppe verdunkeln. Am unteren Treppenabsatz öffnet sich die Tür zum Schlafzimmer, das man über drei als Schubladen ausgebildete Stufen erreicht. Der komplette Treppenraum ist weiß lackiert bzw. verputzt, wobei die beweglichen Teile der Tür und des Klappladens, die Ablagewandfläche am oberen Treppenabsatz sowie die Untersicht des Sitzplatzes mit spiegelndem Kupfer verkleidet wurden, das Tages- und Kunstlicht in einem angenehm warmen Ton reflektiert. Das Innere des Treppenhauses wird dadurch zu einem eigenen atmosphärischen Raum, der ungeachtet des Maßstabes eine fast mystische Wirkung ausübt. Der Raum unter der Treppe wird durch ein Schrankmöbel genutzt, das mit dem Volumen der Treppe zu einer homogenen Raumskulptur verschmilzt.

www.gerdstreng.de
Innenarchitekt Gerd Streng www.gerdstreng.de Fotos Uwe Scholz  mehr

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Gerd Strengwww.gerdstreng.de

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Uwe Scholz