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Ein Haus für Kinder im Kirchenschiff

Lebendige Zukunft für ein Baudenkmal

Die 1958/59 von dem Architekten Joachim Matthaei erbaute Bethlehemkirche gehört zu den auch im... mehr
Die 1958/59 von dem Architekten Joachim Matthaei erbaute Bethlehemkirche gehört zu den auch im überregionalen Vergleich herausragenden Sakralbauten der Nachkriegszeit in Hamburg. Dieser wegweisende Kirchenbau mit dem hohen, langgestreckten Kirchengebäude und dem davon abgerückten Turm setzt auch heute noch einen wichtigen Akzent im Stadtbild. Den früheren Gottesdienstraum bestimmen gefaltete Wände aus Lochziegeln. Sichtbar bleiben die konstruktiven Binder in der Decke und das hochliegende Fensterband aus seriellen Betonfertigteilen. Die Chorwand nimmt durch verschiedenfarbige Ziegelschichten das Motiv des Lebensbaumes auf. Durch die Kombination von formaler Strenge mit moderner Formgebung und Materialverwendung erhält die Bethlehemkirche ihre unverwechselbare Gestalt und besticht durch ihre protestantisch-lutherische Schlichtheit.
Die Planung eines „Hauses im Haus für Kinder“ durch die Architekten Nicole Stölken und Matthias Schmidt wurde gemeinsam mit einem Investor, der Gemeinde und dem Denkmalschutzamt entwickelt. Auch nach dem Umbau bleibt die Bethlehemkirche was sie war: Ein beispielhaftes Gebäude des Nachkriegskirchenbaus, das mit hoher Detailqualität und räumlicher Ausgewogenheit seinesgleichen sucht. Der klare Formenkanon ist bis heute erhalten.

Für die Kinder eröffnet sich mit dem Haus-im-Haus ein Reigen vielfältiger räumlicher Angebote, die von der Lernlandschaft des Spielbereiches über die Nutzung der erhaltenen Empore bis hin zur Einrichtung einer religionspädagogischen Fläche im Chorbereich reicht. Der Altar wie auch das Kruzifix des Bildhauers Fritz Fleer bleiben am angestammten Platz. Als noch wesentlicher müssen jedoch die beiläufig nutzbaren Qualitäten der ehemaligen Kirche bewertet werden. Mit dem Umzug in die Kirche ist die inhaltliche Nähe für die Kita zu einer räumlichen Verbindung geworden. Der Kirchenraum wird als Spielort Teil des Alltags, wobei die Sakralität des Chorbereiches und die Empore mit ihrer besonderen Lage bei Festen und Veranstaltungen im Kirchenjahr zu Feierorten werden.

Dies ist das Ergebnis einer intensiven planerischen Auseinandersetzung. Mit diesem Konzept wird die Kirche nicht zum Kindergarten, sondern zur geräumigen Wetterhülle, in die der Kindergarten mit seinem neuen Gebäude einzieht.
Die Kita nimmt als frei eingestellter Baukörper das rechte Bankfeld ein. Die Funktionen werden kompakt zusammengefasst, so dass im Kirchenschiff Raum für eine große Indoor-Spielfläche bleibt. Der Neubau ordnet sich mit seiner geringen Gebäudehöhe deutlich dem Volumen der Kirche unter, hält Abstand zu der markanten Faltung der Außenwände, so dass der von Matthaei gewollte Gesamteindruck erhalten bleibt. An der Westseite durchdringt der Neubau die Kirchenhülle und wird somit auch städtebaulich erlebbar. Im Innenraum werden ergänzende Nutzungen in das Foyer und die ehemalige Orgelnische integriert. Die Gestaltungsidee für den Neubau ist ein von der Materialität des Bestandsgebäudes unterschiedener „Lampion“, der mit einer schlichten Gebäudehülle versehen, von innen heraus leuchtet und damit die Atmosphäre im bestehenden Volumen prägt. Unterstützt wird dies durch dezente Farb­unterschiede der Gruppenräumen. Energetisch vorbildhaft ist das Konzept durch die geschützte Lage innerhalb des Kirchenschiffs.

Die bisher fast einjährige Nutzung der Kita hat gezeigt, dass nicht nur für die Kinder ein wertvoller neuer Ort entstanden ist, sondern auch die älteren Gemeindemitglieder ihre Kirche wiederentdecken. Der erste Chor wurde gegründet und es sind sogar wieder mehrere Gottesdienste im Jahr geplant.

www.stoelkenschmidt.de
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Stölken Schmidt Architekten
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Fotos

Jochen Stüber
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