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Das Wilhelmsburger Wasserwerk

Gastronomischer Glanzpunkt der Internationalen Gartenschau Hamburg

Die kulturelle Nachnutzung von Industriedenkmälern erfreut sich großer Beliebtheit. Authentizität... mehr
Die kulturelle Nachnutzung von Industriedenkmälern erfreut sich großer Beliebtheit. Authentizität verbunden mit einer gewissen Ruppigkeit und ein dem ehemaligen Produktionsprozess geschuldeten Maßstabssprung geben diesen Orten eine atmosphärische Prägung, die sie unvergleichlich macht.

Dies erkannten die Planer und Vordenker der Internationalen Gartenschau Hamburg 2013 und bezogen das Werksgelände des ehemaligen Wasserwerks Wilhelmsburg in den Hauptwege-Parcours der Internationalen Gartenschau ein. Das abgeschieden gelegene Grundstück wurde mit einer Platzanlage städtebaulich zu einem Ensemble zusammengefasst, eine terrassierte Warft, die Einbettung in den Park und eine neu geschaffene Anlegestelle am Ufer der Rathauswettern schufen die landschaftsplanerischen Voraussetzungen im Außenbereich.

Die Architekten Nicole Stölken und Matthias Schmidt vom Büro Stölken Schmidt Architekten BDA wurden beauftragt für die beiden unter Denkmalschutz stehenden Gebäude des Wasserwerks unter Berücksichtigung der aktuellen und künftigen Entwicklung des Quartiers eine Planung zu entwickeln, die sowohl den Gartenschauanforderungen gerecht wird als auch eine gute Vor- und Nachnutzung für die Wilhelmsburger Bürger ermöglicht. Im Inneren der beiden Gebäude galt es, ein verträgliches Maß zwischen dem Werksrückbau und der künftigen Nutzung als zentrales Gartenschaurestaurant und angrenzendem Ausstellungs- und Veranstaltungsort zu finden. Oberste Prämisse der beiden Architekten war es, die Großvolumen des weiß verputzten Maschinengebäudes und des rot verklinkerten Verdüsungsgebäudes zu erhalten und erlebbar zu machen.

Das Maschinengebäude wurde als große Halle mit über 10 m Deckenhöhe und 4 m hohen Sprossenfenstern 1911 als Teil der Hamburger Wasserkunst erbaut und förderte über ein Geflecht von Brunnen Grundwasser aus einer Tiefe von 300 m, das dann durch Filtration mechanisch gereinigt wurde. 1952 entstand das ergänzende Verdüsungsgebäude, in dem das Grundwasser zusätzlich als Vorbereitung für die Filtration mit Sauerstoff angereichert wurde. Durch den Kontakt mit Eisen- und Manganhaltigem Wasser entstand so eine Patina auf den Wänden der Verdüsungskammern, die dem Raum heute eine besondere Prägung verleiht. Das Wilhelmsburger Wasserwerk pumpte bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2008 rund vier Millionen Liter Trinkwasser täglich in die Hamburger Haushalte.

Durch den Einbau der Galerie im Maschinengebäude und die Wiederherstellung des zu Zeiten des Wasserwerksbetriebes verschlossenen Galerieumgangs, wurde für den flanierenden Besucher eine Art Logenplatz mit Blick über das Treiben auf der Erdgeschossebene geschaffen. Die Gebäudehüllen wurden denkmalpflegerisch aufgearbeitet und unverändert belassen. Die funktionalen Anforderungen der Restaurant- und Veranstaltungsnutzungen wurden ausschließlich in möbelhaften Einbauten angeordnet. Diese sind reduziert auf einen Materialkanon aus heller Eiche, schwarz durchgefärbten MDF-Holzwerkstofftafeln und roten Farbflächen. Die Tischlermöbel bilden in ihrer Präzision und handwerklichen Detailqualität einen Kontrast zu den grobmaßstäblichen Ausführungen des Gebäudes. Mit ablesbarer Klarheit begegnen sich auf diese Weise das alte Werk und das heutige Restaurant. Dieser Dialog wird zum Spannungsfeld, wo sich beide Ebenen nahe kommen. Solche atmosphärischen Orte im Raum zu schaffen ist das besondere Anliegen der Architekten Nicole Stölken und Matthias Schmidt, die überwiegend mit kulturellen Bauaufgaben, häufig im denkmalgeschützten Umfeld befasst sind.

Das Maschinengebäude mit seinen ungewöhnlich hohen allseitigen Fenstern ist ein außerordentlich lichter Raum, der sich zum parkartigen Landschaftsraum orientiert, während das Verdüsungsgebäude sich gemäß dem Haus-im-Haus Prinzip nach innen orientiert. Die ehemaligen Verdüsungskammern sind zugänglich gemacht worden und für vielfältige Veranstaltungen nutzbar.

Die konsequente Umsetzung der beiden unterschiedlichen Konzeptionen für die Gebäude wurde erst durch die Unterbringung aller Nebenräume und technischen Einrichtungen im Untergeschoss möglich. Vor allem in Bezug auf das Maschinengebäude, welches durch das Vorhandensein alter Maschinenfundamente nur über ein labyrinthartig eingeschränktes Kellergeschoss verfügt, war dies nur durch das außerordentliche Engagement der Haustechnikingenieure Pinck aus Hamburg und Transsolar aus Stuttgart möglich.

Mit dieser von den Architekten geschaffenen, ganz besonderen Atmosphäre wird das Wilhelmsburger Wasserwerk zum verlockenden Bestandteil der Wasserwelten der Internationalen Gartenschau 2013. Bereits jetzt ist das Industriedenkmal am Kurdamm ein wunderbarer Ort zum Verweilen in Wilhelmsburg.

www.stoelkenschmidt.de
Architektur: Stölken Schmidt Architekten www.stoelkenschmidt.de Fotos: Jochen Stüber... mehr

Architektur:

Stölken Schmidt Architekten
www.stoelkenschmidt.de

Fotos:

Jochen Stüber Objektfotografie
www.objektfotografie-stueber.de