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An Morgen gedacht

Ein Neubau, in dem es sich auch im Alter gut wohnen lässt

Ist der Nachwuchs aus dem Haus, wird das Eigenheim meist zu groß. Das haben auch die Bauherren... mehr

Ist der Nachwuchs aus dem Haus, wird das Eigenheim meist zu groß. Das haben auch die Bauherren dieses Projekts erfahren, die zuvor in einer Altbauvilla aus dem Jahre 1915 gelebt haben. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, fühlte sich das Ehepaar in ihrer Wohnung nicht mehr wohl. Zumal ständig etwas ausgebessert werden musste und die Unterhalts- und Heizkosten immer mehr anstiegen. Also entschied man sich für eine neue Bleibe und engagierte einen Architekten.

Bei der Planung und Konzeption kam es den Bauherren vor allem darauf an, dass das neue Haus später einmal auf einer Ebene bewohnbar ist. Ebenso wichtig war eine – im Vergleich zur alten Villa – bessere natürliche Belichtung. Und auch technisch sollte das Haus zukunftsweisend sein, so dass es für die kommenden Jahre nicht wieder umgebaut oder aufgerüstet werden muss. Aus diesen Bedingungen ergab sich die Schwierigkeit, das für das Erdgeschoss geforderte Raumprogramm auf der begrenzten Grundfläche zu realisieren und das Obergeschoss so zu gestalten, dass später einmal eine eigenständige Einliegerwohnung zum Beispiel für eine Pflegerin abgetrennt werden kann. Um dies zu erreichen, wurde der Treppenraum zentral angeordnet. Dadurch konnte eine sehr effiziente Erschießung mit einem Minimum an Fluren realisiert werden. Um den Wunsch nach einer natürlichen ausreichenden Belichtung zu erfüllen, schlug der Architekt vor, den Treppenraum von oben zu belichten, so dass natürliches Licht sehr weit ins Innere des Gebäudes hineingelangen kann. Eine Lösung, von der sich vor allem die Bauherrin nach der Fertigstellung des Neubaus begeistert zeigt: „Besonders freue ich mich über das viele Licht, dass alle Räume so wunderbar durchflutet“.

Dem Entwurf liegt der Leitgedanke eines offenen Grundrisses mit fließenden Räumen zu Grund, die dennoch Rückzugsmöglichkeiten für die Bewohner bieten. Diese Offenheit lässt sich auch in der Fassade wieder finden. Die weißen Putzflächen mit den großen Fensteröffnungen erlauben Einblicke in die offenen Wohnräume, während die privaten Räume wie Bäder, WC und Schlafzimmer durch die „steinerne“ Verblendfassade mit kleinen Fensteröffnungen geschützt werden. Durch die verschiedenen Materialien der Fassade und die kubistische Formensprache entsteht eine verspielte Leichtigkeit, wobei die Auskragungen des Obergeschosses zugleich als konstruktiver Sonnenschutz dienen. Eine besondere Großzügigkeit erhält das Haus zudem durch den zweigeschossigen zentralen Treppenraum.
Der Erdgeschossbereich, in dem sich die Nebenräume befinden, wurde mit einem dunklen Riegelformatklinker verblendet. Dieser absorbiert am Tag die Sonnenstrahlung und gibt diese am Abend als Wärmestrahlung zur westlich gelegenen Terrasse wieder ab. Die Putzfassade ist aus Holzfaserplatten und Zellulosedämmung realisiert. Der Vorteil dabei: Dank der höheren Wärmespeicherfähigkeit im Vergleich zu mineralischen Dämmstoffen wird nachhaltig eine Veralgung der Fassade verhindert und zugleich der sommerliche Wärmeschutz verbessert.

Im Inneren des Gebäudes findet sich weißer Lehmputz wieder, der zusätzlich zur Be- und Entlüftungsanlage für ein ausgewogenes Raumklima sorgt. Als Bodenbelag wurden in fast allen Räumen massive Eichendielen in changierenden Breiten verlegt – bis auf die Bäder, in denen Schiefer vorzufinden ist. Doch ganz gleich, welche Materialien zum Einsatz gekommen sind: Neben einer ausgezeichneten Recyclebarkeit weisen alle eine sehr niedrige Primärenergiegehalte auf.

In dem gesamten Neubau wurden zukunftsweisende technische Komponenten wie Erdwärmepumpe, Be- und Entlüftungsanlage, Solarkollektoren mit Heizungsunterstützung und ein zentrales Bussystem zur Steuerung der gesamten Gebäudetechnik verbaut. Dank dieser Maßnahmen unterschreitet das Niedrigenergiehaus die gesetzlichen Vorgaben zum Wärmeschutz um ein Vielfaches. Ein Punkt, von dem vor allem der Bauherr sehr angetan ist. „Ich gehe regelmäßig in den Keller, um zu sehen, wie viel Sonnenenergie wir wieder in unseren Speicher gesammelt haben“, so der Besitzer des Neubaus.

Der kubistische, verschachtelte Baukörper deutet schon formal eine Architektur an, die sich aus der Funktion der inneren Räume heraus entwickelt. Es ist gelungen, ein Haus zu konzipieren, dass sich bewusst von der eher biederen Architektur der Umgebung abhebt und sich den Bedürfnissen der Bewohner über einen längeren Zeitraum hinweg anpassen kann.

www.architekt-walther.com

Architekten: Johannes Walther Architekt www.architekt-walther.com Fotos: Wolfgang Zlodej... mehr

Architekten:

Johannes Walther Architekt
www.architekt-walther.com

Fotos:

Wolfgang Zlodej
www.wolfgangzlodej.com