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Offenheit, Nähe und Klarheit

Der Landtag von Rheinland-Pfalz wurde saniert, barrierefrei ausgebaut und um Gebäude ergänzt

Die Mauern des Deutschhauses haben schon einiges erlebt: Schließlich sind sie fast 300 Jahre alt... mehr

Die Mauern des Deutschhauses haben schon einiges erlebt: Schließlich sind sie fast 300 Jahre alt und der Landtag von Rheinland-Pfalz hat hier bereits seit über 60 Jahren seinen Sitz. Das Ludwigshafener Architekturbüro a|sh sander.hofrichter architekten hat nach dem gewonnenen Wettbewerb den geschichtsträchtigen Bau, der auch für das Ringen um die Demokratie steht, vollständig entkernt, saniert und mit modernster Technik ausgestattet. Denn nicht nur das Gebäude war in die Jahre gekommen, auch die Technik war erneuerungsbedürftig und Besuchergruppen sowie Abgeordnete brauchten mehr Platz. Im Zuge der Arbeiten wurde auch die denkmalgeschützte Fassade des Deutschhauses so saniert, dass ihre historische Gestaltung erhalten blieb und ein weiteres Gebäude sowie eine Eingangsplattform, die einen barrierefreien Zugang ermöglicht, angebaut. Innerhalb von sechs Jahren entstand im Zuge der Neugestaltung des Mainzer Landtags ein bürgernaher Bau, der den historischen Bestand einerseits würdigt und andererseits Offenheit, Nähe und Klarheit ausstrahlt. Attribute, die bedeutsam sind, wenn es um Bauen für die Demokratie geht und sich Werte wie Offenheit und Transparenz als wesentliche Merkmale einer Demokratie auch in Entwurf und Gebäude widerspiegeln sollen.

Um ein stimmiges Gesamtbild des gesamten Ensembles zu erzeugen, haben sich die Architekten bei den Neubauten farblich sowie hinsichtlich des Materials vom ortsüblichen roten Sandstein des denkmalgeschützten Barockgebäudes inspirieren lassen und nicht nur im Inneren auf den Einsatz von Glas gesetzt. Da sich auch Werte wie Zeitlosigkeit und Beständigkeit in den Maßnahmen widerspiegeln sollten, verwendeten die Architekten klassische und hochwertige Materialien und setzten Prinzipien nachhaltiger Bauweise um.

Auf der einen Seite des Barockbaus liegt die Staatskanzlei, auf der anderen das neu errichtete Landtagsrestaurant: ein gelungener städtebaulicher Abschluss des Ensembles. Die Fassade des quaderförmigen Ergänzungsbaus orientiert sich dabei am denkmalgeschützten Bestand und hebt sich doch von ihm ab. Denn es wurde klassischer roter Sandstein gewählt, der sich in Farbe und Struktur deutlich von der historischen Fassade unterscheidet. Auch nimmt sich der kubische Anbau mit seiner reduzierten Formensprache und Höhe gegenüber dem Deutschhaus zurück. Neue Zwischenbauten aus Glas verbinden diese drei Gebäudeteile.

Herzstück des Landtags ist natürlich der neue Plenarsaal, der sich in Ausrichtung und Form an seinem Vorgänger orientiert. Um mehr Großzügigkeit und weitgehende Barrierefreiheit zu schaffen, wurde allerdings der Boden abgesenkt. Die Plätze der 101 Abgeordneten verteilen sich auf vier Ringe und die neue im zweiten Obergeschoss gelegene, hufeisenförmige Tribüne erlaubt auch Besuchern einen guten Blick in den Saal. Bei der Innenausstattung fiel die Wahl ebenfalls auf hochwertige Materialien wie Holz, Naturstein und Glasflächen – die moderne technische Gebäudeausrüstung verschwindet in den Einbauten.

www.a-sh.de

Fotos:

Werner Huthmacher
www.werner-huthmacher.de

(Erschienen in CUBE Frankfurt 02|22)