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Grüne Zwillinge

Der Fotograf Ulrich Mattner dokumentiert für CUBE die Frankfurter Hochhausarchitektur

Sie gehören zu den bekanntesten Bauwerken Deutschlands: die vom Volksmund „Soll“ und „Haben“... mehr
Sie gehören zu den bekanntesten Bauwerken Deutschlands: die vom Volksmund „Soll“ und „Haben“ getauften Zwillingstürme der Deutschen Bank in Frankfurt. Die beiden je 155 m hohen Spiegeltürme sind seit 30 Jahren Synonym für den Banken- und Börsenplatz. In dieser Zeit waren sie öfter in den Fernsehnachrichten als alle anderen Wolkenkratzer Frankfurts zusammen. Für Schlagzeilen sorgte insbesondere die Vorstandsetage. Der jüngste Medienrummel galt einer Großrazzia, als mehr als hundert teils bewaffnete Beamte wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung Büros bis hinauf zu Bankchef Jürgen Fitschen durchsuchten. Fitschens Vorgänger Josef Ackermann bleibt mit einem unglücklichen Victory-Zeichen im Gedächtnis. Dessen Vorgänger Rolf Breuer kostete dem Bankhaus eine Milliarden-Strafe wegen einer unbedachten Äußerung über den Kirch-Konzern. Breuers Vorgänger Hilmar Kopper hatte mit dem Satz, Verluste von 25 Millionen Euro seien nur „Peanuts“, für helle Aufregung gesorgt.

Seit dem Jahr 2011 setzen die Türme ein Zeichen, wie die Deutsche Bank ihr Image als seelenloses, nur auf Rendite getrimmtes Geldhaus verbessern will. Während einer drei Jahre dauernden Kernsanierung verwandelte sie die Twin Towers in „Green Towers“. 200 Millionen Euro kostete der aufgrund strengerer Brandschutzauflagen notwendige Umbau. Der Preis für Abriss und Neubau wäre doppelt so hoch gewesen. Die Deutsche Bank senkte den Energieverbrauch um die Hälfte, drosselte den Wasserverbrauch um mehr als 70 Prozent und minimierte die Kohlendioxid-Emissionen um fast 90 Prozent. Die Fahrstühle liefern auf ihrem Weg nach unten Energie ins Netz. Die Toilettenspülung wird aus Regenwassertanks gespeist. Auf die Anbringung eines Windrads zwischen den Türmen verzichtete die Bank. Statisch hätten die Voraussetzungen dafür bestanden. Ausschlaggebend für das Veto des Vorstandes war, dass die Doppeltürme aufgrund ihres Markenzeichens außen nicht verändert werden durften.

Während des von 2007 bis 2010 dauernden Umbaus zogen die 2.000 Mitarbeiter in das IBC-Hochhaus an der Messe. Heute arbeiten dank optimierter Raumnutzung etwa 3.000 Banker in den renovierten Doppeltürmen. Die Gebäude bestehen aus Stahlbetonkonstruktionen mit vorgesetzten verspiegelten Glasfassaden. 4.000 Glasfenster verkleiden die Außenwände. Für die zeitlose Bauweise in den Jahren 1979 bis 1984 der Architekten Walter Hanig, Heinz Scheid und Johannes Schmidt spricht, dass sich der Komplex für den heutigen Geschmack ebenso schlank und schön präsentiert wie schon zur Eröffnung vor 30 Jahren. Deutlich repräsentativer als zuvor stellt sich der Empfang dar. Blickfang ist die 33 Tonnen schwere, kugelförmige Stahlskulptur „Sphäre“ des Mailänder Architekten Mario Bellini. Im Eingangsbereich führt eine Treppe zum „Brandspace“. Dort inszeniert die Bank für Besuchergruppen ihre Marke mit vielerlei Showeffekten.
Ursprünglich waren die Zwillingstürme als Hotelbau für die Hyatt-Gruppe konzipiert worden. Die Deutsche Bank hatte sie während des Baus gekauft. Heute gehören die Glastürme Privatanlegern, die in einen geschlossenen Immobilienfonds der Deutsche Bank-Tochter DWS mit einem Volumen von 600 Millionen Euro investiert haben.

www.umattner.de

Deutsche Bank-Türme
Gesamthöhe: 155 Meter
Etagen: 38 und 40
Arbeitsplätze: 3.000
Architekten: Walter Hanig,
Heinz Scheid,
Johannes Schmidt

Der Journalist und Fotograf Ulrich Mattner dokumentiert urbane Lebenswelten in Frankfurt am Main, die er in Bildvorträgen, Ausstellungen und TV-Reportagen präsentiert.
Fotos Ulrich Mattner www.umattner.de mehr