Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Zeitlose Melange

Farben, Materialien und Formen verschmelzen zu einem individuellen Zuhause

Patrick Treutlein streicht im Entree sanft über das tadellos samtig anmutende Leder an der Wand... mehr

Patrick Treutlein streicht im Entree sanft über das tadellos samtig anmutende Leder an der Wand auf Höhe seiner Knie. Er schaut etwas kritisch und befindet, die Stelle müsse noch ein wenig gereinigt werden, bevor die Wohnung dem Kunden übergeben würde. Abwegig, eine harmlose Kleinigkeit? Beobachtet man ihn, stellt man fest, dass dieser kleine Zwischenfall viel über seine Arbeitsweise und seinen Anspruch an exklusive Ausführungen aussagt sowie seine Freude am Detail widerspiegelt. Je länger er durch sein gerade fertiggestelltes Projekt – eine Penthouse-Etage mit 350 m2 Wohnfläche – führt, je mehr wird deutlich, dass er sein besonderes Gespür auch hier wieder durch alle Räume durchhält – der eigentliche Kunstgriff.

Das Penthouse ist ganz nach den Vorstellungen und nach dem Stil des Kunden entstanden. Die Maxime lautete: Eine maskuline Ästhetik – mit einem reduzierten Material- und Farbkonzept in Perfektion inszeniert. Mit einem Hermès-Dekorationsstoff fing alles an: Die darin enthaltenen Farben Grau, Beige, Blau, Weiß und Schwarz wollte der Kunde in seinem neuen Zuhause wissen. Soweit der Auftrag. Patrick Treutlein verstand es gemeinsam mit seinem Team, diese reduzierte Farbauswahl immer wieder auftauchen zu lassen, harmonisch ineinander greifend, sie mit anderen Materialen zu verbinden, um sie in den besagten maskulinen Stil zu verwandeln. Dass er die Wohnung gewissermaßen schon im Rohbau übernommen hat, ist Teil seiner Beauftragung. Dass er aber nicht in den teilweise konventionellen Räumen denkt und verweilt, ist eine Überraschung. Durch kluge Eingriffe in bestehende Wandabwicklungen ist die Wohnung vollends auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden angepasst und fügt Räume geschmeidig aneinander.

Bereits im Entree lässt sich eine Affinität zu den 1930er-Jahren erkennen: In der starken Gliederung der erlesenen Materialien in Bronze, Schwarz und Schlammfarben, die sich durch ihre zurückhaltende Farbgebung perfekt aufeinander abstimmen. Die Wände sind mit naturbelassenem Leder bezogen und mit stabilen, bronzefarbenen Metallleisten unterteilt, so eingepasst, dass die Linien auf Türen- und Bodenfugen führen. Der weiche, mit Naturfasern gewebte Teppich, eingefasst von markanten Natursteinplatten, gehört zu den Merkmalen, die sich durch die gesamte Wohnung ziehen. Durch die Doppeltür öffnet sich das große Wohn- und Esszimmer – ein Arrangement aus edlen Möbelstücken, kunstvollen Einzelanfertigungen und feinsten Materialien. Prägnante Raumbegrenzungen bilden die Regale, Maßanfertigungen mit in Bronze gegossenen Kreuz-Regalstützen und lederbezogenen Regalböden mit lackierten, halbrunden Holz-Einfassungen. Indes bespielen die Möbelstücke wie Sofa und Sessel in einer hochwertigen Leder-Stoff Kombination als eigenständige Werke den Raum. So auch der massive Esstisch, in Makassarholz gefertigt. Es gehört zu den wertvollsten Ebenholzgewächsen und zeichnet sich durch seine tiefschwarze Farbe mit längsverlaufenden Maserungen aus. Dieser Eindruck wird verstärkt durch die weißgestrichenen Wände mit dem Effekt, dass sie, passend zum Esstisch, in vertikaler Streichtechnik veredelt wurden.

Exquisite Oberflächen und Maßgenauigkeit machen auch vor der Küche nicht halt. Der Küchenblock wurde in „Taj Mahal“-Marmor als monolithische Form ausgeführt, die Kanten konsequent auf Gehrung geschnitten. Die Türen der Schränke wurden mit einer Front des bereits im Esszimmer verwendeten Makassar-Holz versehen, nun aber mit der Besonderheit, dass die Oberflächen horizontal „gesandstrahlt“ wurden: robustes Resultat, faszinierender Anblick. Wie selbstverständlich sind die weißgestrichenen Wände in dieser Umgebung in horizontaler Streichtechnik gestaltet. Eine weitere Finesse ist die raffinierte Stauraumlösung. Da die Küche keinen Platz für die Größe geläufiger Einbaugeräte bot, kreierte Patrick Treutlein ein raumhohes Möbelstück zwischen Küche und Wohnzimmer, in dem Kühlschrank, Küchengeräte und Stauraum, aber auch Kamin und Sideboards adäquat platziert sind.

In den persönlichen Bereichen mit begehbarer Ankleide, Schlafzimmer und Ensuite-Bad begegnet uns die reduzierte Farbauswahl wieder. Für das Schlafzimmer wählte Patrick Treutlein lediglich dunkel gebeiztes Sucupira-Holz für die Wände und Schränke, ein tiefes Blau für den Teppich und Grautöne für Bett und Sessel. Dort findet sich auch der alles entscheidende Dekorationsstoff in Form der Vorhänge wieder. Wenngleich sich auch das Ensuite-Bad farblich an die anderen Räume anlehnt, so wird doch ein eigener Charakter im Stile des Art déco sichtbar. Der hochglänzend polierte, schwarze und weiße Marmor, dessen Linien perfekt in Boden und Türen weiter geführt werden, verleihen dem Raum eine so typisch für diese Zeit grafische Erscheinung.

Hinter eingelassenen Schiebetüren, abgetrennt vom Essbereich, befindet sich schließlich noch das Büro des Hausherren – ein Ort in maskuliner Erscheinung, der sich weniger männlicher Klischees bedient als vielmehr einer markigen Ästhetik: der Teppich in „plain-gun-metal“-Optik, die Tapete mit grafischem Motiv, als optisches Gegenstück das tiefschwarz lackierte Regal mit einer Rückwand aus orangefarbenen Leder und zurückgesetzten Lichtvouten.

Hier würde er auch selber einziehen, verrät Patrick Treutlein nach seinem Rundgang. Die Art und Weise seiner Herangehensweise und seinen persönlichen Stil habe er perfektionieren können und blickt nochmals durch die Räume, in denen Farben, Materialien und Formen zu einem individuellen Zuhause miteinander verschmelzen.

www.patrick-treutlein.de

Innenarchitekten: Patrick Treutlein www.patrick-treutlein.de Fotos: Echtzeit, Michael... mehr

Innenarchitekten:

Patrick Treutlein
www.patrick-treutlein.de

Fotos:

Echtzeit, Michael Lessmann