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Wasser marsch!

Das neue Feuerwehrgerätehaus in Evinghoven

Evinghoven liegt gut 20 km südwestlich von Düsseldorf zwischen Grevenbroich, Dormagen und... mehr
Evinghoven liegt gut 20 km südwestlich von Düsseldorf zwischen Grevenbroich, Dormagen und Rommerskirchen – ein typisch rheinisches Dorf mit einer kleinen, neugotischen Kirche, mehreren Höfen, einem Bürgerschützenverein und einem Sportschützenverein, einer aktiven Kirchengemeinde, dem Laientheaterverein „Gillbachbühne-Evinghoven“ und … einer freiwilligen Feuerwehr.

Seit Mitte der 1970er Jahre hat sich jedoch auch hier ein gravierender Wandel vollzogen: Ein Großteil der heute in Evinghoven wohnenden Menschen ist mittlerweile in Dienstleistungsberufen in den im Umkreis liegenden Großstädten beschäftigt, sodass die Landwirtschaft wie auch die Großindustrie kaum eine Rolle für die Arbeitsplätze vor Ort spielen. Das frühere Bauerndorf hat sich zum Pendlerort gewandelt – mit allen positiven wie negativen Erscheinungen. Natürlich ist der alte Dorfkern erhalten geblieben. In den letzten Jahren hat die Gemeinde Rommerskirchen – zu dessen Einzugsbereich Evinghoven nunmehr gehört – immer wieder versucht mit gezielten Maßnahmen wie der landschaftspflegerischen Umgestaltung der Kirchwiese im Ortsmittelpunkt einen Treffpunkt für die Evinghovener einzurichten. Doch auch hier gibt es außerhalb des Dorfkerns viele, wenig einprägsame Neubauten. Was bindet also den Einwohner an seinen Ort, hält ihn fest? Wodurch fühlt er sich genau hier wohl?
Das Sozial-kulturelle Zentrum Evinghoven stellt hier stadträumlich und funktional eine Besonderheit dar. Mit der zum Teil qualitätsvollen Bausubstanz öffnet sich in zentraler örtlicher Lage ein Raum, an dem die verschiedenen Vereine ihren ganz unterschiedlichen Freizeitbeschäftigungen nachgehen. Der Eingang des Zentrums an der Widdeshovener Straße wird durch das denkmalgeschützte alte Lehrerhaus markiert – ein vertikal gegliedertes Klinkerbauwerk. Von diesem Punkt aus entwickelte sich jedoch eine unvollständige, stadträumliche Situation, dem die Fassung an der Ostseite fehlte. Mit der Neuplanung des Feuerwehrgerätehauses durch das Düsseldorfer Architekturbüro thelenarchitekten ergab sich nun die Chance diesen Raum sinnvoll zu ergänzen und die funktionale Zuordnung in Teilen zu verbessern. Das bislang von der freiwilligen Feuerwehr genutzte Gebäude an gleicher Stelle entsprach weder in der Funktionalität noch in seinem baulichen Zustand den Anforderungen an einen modernen Brandschutz. Darüber hinaus sollte die besondere atmosphärische Qualität des Ortes gesteigert werden.
Das neue Feuerwehrgerätehaus besteht aus zwei Baukörpern, dem massiven Sozialgebäude und der luftig daherkommenden Wagenhalle, und vervollständigt so die bisher unbefriedigend gelöste stadträumliche Situation. Das Sozial-kulturelle Zentrum erhält damit einen dreiseitig geschützten Innenhof. Das linear konzipierte Sozialgebäude erfüllt hier zwei wichtige stadträumliche Funktionen. Es gibt einerseits dem neuen Innenhof auf der Ostseite seine notwendige räumliche Fassung und trennt andererseits die Alarmausfahrt der Fahrzeughalle, die auf der Westseite von der Widdeshovener Straße angeordnet ist, von den öffentlichen Nutzungen.

Die neuen Baukörper sind in Materialwahl und Formgebung zurückhaltend und zugleich selbstbewusst gewählt. Anthrazitfarbene Putzflächen setzen sich deutlich vom weiß verputzten Gebäudebestand ab. Die rot eingefärbten, transparenten Fassaden der Fahrzeughalle deuten auf die besondere Nutzung durch die Feuerwehr hin. Durch seine Eingeschossigkeit bildet das neue Feuerwehrgerätehaus einen bewussten Kontrapunkt zum denkmalgeschützten, mehrgeschossigen Klinkerbauwerk des alten Lehrerhauses im Westen. Es passt sich aber gleichzeitig der vorhandenen, ebenfalls eingeschossigen Bausubstanz im Süden an. So entsteht eine architektonische Einheit aus der Vielfalt der einzelnen Gebäude.Der Neubau nimmt in vielerlei Hinsicht Bezug auf das Charakteristische des Ortes und setzt einen selbstbewussten zeitgemäßen Akzent. Wenn das keine guten Zukunftsaussichten für Evinghoven und seine Bewohner sind …

Das Gebäude erhielt 2010 vom BDA eine Anerkennung in der Rubrik "Auszeichnung guter Bauten"

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