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Tag der Architektur in NRW 2013

Interview mit Hartmut Miksch, ehem. Präsident der Architektenkammer NRW

CUBE: Herr Miksch, der Tag der Architektur in NRW hat sich als jährlichen Architektur-Event fest... mehr

CUBE: Herr Miksch, der Tag der Architektur in NRW hat sich als jährlichen Architektur-Event fest etabliert – die Veranstaltung findet zum 18. Mal statt. Worin besteht der besondere Reiz?

H. MIKSCH: Der Tag der Architektur ist ein großes Fest der Baukultur, mit mehr als 40.000 Besuchern allein in Nordrhein-Westfalen. Der Erfolg dieser Veranstaltung liegt meines Erachtens zum einen in dem unmittelbaren Architekturerlebnis begründet; hier kann man neue Architektur hautnah spüren. Zum anderen reizt viele Besucherinnen und Besucher das Gespräch mit den Architekten und Bauherren, die ja an jedem geöffneten Objekt vor Ort präsent sind, um Fragen der Gäste zu beantworten. So locker kommen Architekten und Architekturfreunde ansonsten selten ins Gespräch.

CUBE: Gibt es bestimmte Bauaufgaben, die in den letzten Jahren beim Tag der Architektur im besonderen Fokus stehen?

H. MIKSCH: Die großen Herausforderungen im Bereich Architektur, Wohnen und Stadtplanung sind gegenwärtig sicher das klimafreundliche Planen und Bauen sowie der demografische Wandel. Beides lässt sich auch am Tag der Architektur ablesen: Das energetisch optimierte Bauen hat vor einigen Jahren mit Niedrigenergie- und Passivhäusern begonnen. In diesem Jahr wird es unter anderem mit Modernisierungsmaßnahmen von Einfamilienhäusern und Wohnsiedlungen sowie mit der ersten Klimaschutzsiedlung in Essen präsent sein. Das Stichwort „Demografie“ spiegelt sich in zunehmenden Mehr-Generationen-Häusern, gemeinschaftsorientierten Wohnprojekten und vielen Beispielen für barrierearmes Planen und Bauen wider. Ein Spezialthema ist in diesem Jahr übrigens der Bau von Kindergärten und Kindertagesstätten. Bedingt durch den Rechtsanspruch von Eltern auf einen Kita-Platz haben die Kommunen hier stark investieren müssen – weshalb wir am 29. und 30. Juni eine Vielzahl von neuen Kitas und Kindergärten vorstellen können.

CUBE: Gibt es Kriterien, nach denen die an diesem Wochenende zugänglichen Objekte ausgewählt werden oder gilt das Motto „Anything Goes“?

H. MIKSCH: Der Tag der Architektur soll in erster Linie überall im Lande ein unmittelbares Architekturerlebnis und ein Gesprächsangebot für Architekturfans und potenzielle Bauherren sein. Wir führen die Veranstaltung in NRW deshalb ganz bewusst nicht als Auszeichnungsverfahren durch, sondern als Einladung an alle Architektinnen und Architekten, Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner, sich mit ihren Werken einer kritisch-interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Berufsstand stellt sich dar – und stellt sich der Kritik.

CUBE: Inwieweit trägt der Tag der Architektur zu einer Verbesserung der Baukultur in NRW bei?

H. MIKSCH: Man sieht nur, was man weiß! Das gilt ganz besonders für Architektur und Stadtplanung. Wir arbeiten ständig daran, Bürgerinnen und Bürger für ihre gebaute Umwelt zu sensibilisieren und ein Bewusstsein zu schaffen für stadträumliche Qualitäten. Ich halte es deshalb für wichtig, dass am Tag der Architektur einmal nicht alleine Fachjurys, sondern ein breites Publikum aus Architekten und Stadtplanern, Auftraggebern und Bauherren, Architekturfans und kulturkritischem Publikum im Dialog über Architekturkonzepte und konkrete Bauten urteilt. Nur so kommt der Architekturdiskurs aus dem Elfenbeinturm der Expertenkreise heraus und kann in die Breite der Gesellschaft vordringen. Das ist ein großer Beitrag zur Baukultur in unserem Land.

CUBE: Wie wichtig ist der Tag der Architektur für Architekten und Stadtplaner? Werden darüber Aufträge generiert oder ist das eher als eine allgemeine Imageveranstaltung zu verbuchen?

H. MIKSCH: Eindeutig letzteres! Natürlich möchten wir mit dem Tag der Architektur für die Arbeit der Architektinnen und Architekten, der Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner werben. Es geht dabei aber eher um grundlegende Imagearbeit, um das Vorstellen von Leistungsbildern und Kompetenzen, um die Begeisterung, die wir alle für diesen schönen Beruf und für diese auch gesellschaftlich wichtige Aufgabe mitbringen. Wenn sich dabei für einzelne Teilnehmer konkrete Folgeaufträge ergeben, ist das ein schöner Nebeneffekt. Viele Besucher freuen sich über Anregungen und Inspiration; viele suchen auch das Gespräch, um über eigene Planungsvorhaben zu diskutieren - einen Auftrag braucht man dazu aber nicht in der Tasche zu haben!

CUBE: Haben Sie selbst schon entschieden, welche der 437 Objekte Sie sich am letzten Juniwochenende anschauen werden?

H. MIKSCH: Wir führen in NRW ganz bewusst keine offizielle Eröffnung des Tags der Architektur durch. Das bedeutet, dass auch der Präsident wie ein ganz normaler Besucher losziehen und schauen kann, was in der Nähe interessant ist. Das geht in diesem Jahr noch besser als sonst, weil wir neben unserer Datenbank im Internet und dem gedruckten Katalog auch eine App für Smartphones anbieten. Als Architekt, der viel im Wohnungsbau arbeitet, interessieren mich persönlich immer neue Wohnformen für die Stadt und die Arbeiten der Kollegen der anderen Fachrichtungen, also der Innenarchitekten, Landschaftsarchitekten und Stadtplaner.

Herr Miksch, wir danken Ihnen für das Gespräch.

www.aknw.de

Hinweis: Die App kann im Apple Store (iTunes) oder bei Google Play herunter geladen werden. Alle 437 Bauwerke aus NRW sind über diese App jederzeit und vor Ort abrufbar. Ein Katalog kann kostenlos direkt bei der Architektenkammer NRW bestellt werden.

Fotos Michael Henkel Werner Huthmacher www.werner-huthmacher.de Marcus Schwier... mehr

Fotos

Michael Henkel Werner Huthmacher
www.werner-huthmacher.de Marcus Schwier
www.marcus-schiwer.de Julia Reschucha Dieter Klein
www.dieterklein.de