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SCHLICHTHEIT UND PRÄZISION

Ein Architekten-Einfamilienhaus im Norden Düsseldorfs besticht durch sein skulpturales Konzept

Keine Mauer, kein Zaun, keine Hecke verbirgt die Sicht auf das weitläufige grüne Grundstück im... mehr
Keine Mauer, kein Zaun, keine Hecke verbirgt die Sicht auf das weitläufige grüne Grundstück im Düsseldorfer Norden. Der lang gestreckte Riegel des Neubaus ist zugleich die einzige Sichtbarriere: Mit 6,80 m Breite relativ schmal ausgeprägt, erstreckt er sich rund 15 m entlang der Straßenflucht. Die schlichte Fassade mit ihrer ebenholzfarben lasierten, sägerauen Fichtenholzschalung und den wenigen unregelmäßig eingeschnittenen Fenstern verleiht dem Einfamilienhaus etwas Introvertiertes, Zurückhaltendes, Verschlossenes. Spannungsvoll konterkariert wird das von dem neonfarben ausstrahlenden Eingangsbereich, der den Besucher geradezu ins Haus zu rufen scheint. Optisch wird der schmale Straßenraum bis zum Haus erweitert, nur das dunkele Pflaster materialisiert die Grenze zwischen öffentlichem und privatem Raum.

Mit seinen zwei Geschossen und einem steilen Satteldachaufbau greift das Einfamilienhaus, das Leona und Andreas Geitner für ihre vierköpfige Familie entworfen haben, die gewachsene Bebauung des umliegenden Wohnviertels auf. Harmonisch fügt es sich damit in den Kontext ein, und bleibt doch nicht sprachlos: Den Baukörper betonend, haftet dem Haus etwas Skulpturales an. In seiner dunklen Monochromie von Fassade und Dach und den bündig hineingeschnittenen, nach außen ausstellbaren Holz-Alu-Fenstern steht es da wie ein Monolith. Ohne Dachvorsprünge oder Fensterstürze – selbst die Regenrinne und Regenfallrohre ordnen sich noch dem Formwillen unter und verschwinden hinter der Fassadenschalung bzw. einem unscheinbaren Metallband. Durch diesen formalen Reduktionsprozess nimmt das Haus die Gestalt eines Haus-Archetypen an – eine „Urhütte“, je nach Lichteinfall zwischen dunklem Anthrazit und silbernem Grau changierend.

In minimalistischem Weiß gehalten, stehen die Innenräume im deutlichen Kontrast zur dunklen Außenhülle des Hauses. Als weiträumig und lichtdurchflutet offenbart sich das Erdgeschoss, das sich über eine breite Fensterfront zu Terrasse und Garten öffnet. Auf Innenwände wurde in dem 2,48 m hohen, loftartigen Raum nahezu völlig verzichtet. Lediglich die in den Raum hinein gestellte Treppenanlage fungiert als Raumtrenner, der die Küche optisch vom Ess- und Wohnbereich separiert. Der helle, glatte Zementspachtelboden und die weiße Mineralfarbe der Wände aus Gipskarton stehen dabei in einem harmonischen Kontrast zu den Akzenten der Innenausbauten. So wurden alle Einbaumöbel aus weiß gelaugtem Douglasienholz gefertigt. Auch bei den massiven Holzstufen der Treppe und den Fußböden im 1. Und 2. OG entschied man sich für das Nadelholz mit seiner charakteristischen, dezent ornamentalen Maserung. Bei der Einbauküche, die durch ein gelbes, hinterleuchtetes Farbfeld akzentuiert wird, setzten die Architekten dagegen auf gebürstetes, weiß lackiertes Nadelholz. Um die Skulpturalität des Hauses auch von innen erlebbar zu machen, wurde zwischen den beiden oberen Etagen ein Luftraum eingefügt, der Durchblicke zwischen den Geschossen erlaubt. Im 1. OG reihen sich das Schlafzimmer mit Ankleide und die beiden Kinderzimmer an einem Korridor aneinander, separiert durch ein geräumiges Badezimmer mit Dusche und Badewanne. Durch die niedrig gesetzten Fensterbrüstungen und die raumhohen Türen wirken die 2,41 m hohen Räume erstaunlich großzügig. Deutlich höher geht es unter dem 3,84 m hohen Spitzdach zu, das sich eine Bürozone und ein Bibliotheksbereich teilen. Eine breite, bodentief verglaste Dachgaube sorgt dabei nicht nur für Tageslicht, sondern offenbart auch einen wunderbaren Blick über die weite Parklandschaft der benachbarten Gärten. Und als wäre das nicht genug, versteckt sich hinter der deckenhohen Bücherwand der Bibliothek gleich noch ein Gästezimmer, komplett ausgestattet mit Duschbad und WC.

Mit 218 m2 Wohn- und 75 m2 Kellernutzfläche bietet das Haus erstaunlich viel Raum zu einem räsonablen Preis: Knapp 400.000 Euro mussten die Bauherren aufwenden, eigene Planungsleistungen exklusive. Auch wenn auf Hightech-Haustechnik verzichtet wurde, kann sich das Ergebnis auch hinsichtlich der Energiebilanz sehen lassen: Mit Wärmepumpe, Fußbodenheizung und Sonnenschutzverglasung sowie einer Fassadendämmung aus eingeblasenem Zellstoff erfüllt das Haus den Niedrigenergiestandard. Allerdings verlangte die vorgefertigte Holzrahmenbauweise auch allerhöchste Präzision. Während der achtmonatigen Ausführungsphase waren die Architekten fast täglich auf der Baustelle. Heraus gekommen ist ein handwerklich perfekt ausgeführtes Haus mit erlebbarem architektonischen Konzept: minimalistisch schlicht und ganz präzise.

www.geitner-architekten.de
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