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Schatzkiste!

Eine neue Kita und ein Gemeindezentrum erweitern die Evangelische Kirchengemeinde Meerbusch-Büderich

Die Gruppen der Kindertagesstätte der Evangelischen Gemeinde Büderich sollten nicht länger über... mehr
Die Gruppen der Kindertagesstätte der Evangelischen Gemeinde Büderich sollten nicht länger über den ganzen Ortsteil verteilt sein. Mit einem Neubau wollte man die geografisch verstreuten Gruppen unter ein gemeinsames Dach bringen und mit einem Gemeindezentrum enger verbinden. Auf dem Grundstück an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße, auf dem die Gemeinde ihren Standort hat, war noch Platz. Hecker Architekten aus Düsseldorf gingen als Gewinner aus einem begrenzten Wettbewerb hervor. Sie entwarfen einen U-förmigen, zweigeschossigen Gebäudekomplex, der in den Dialog mit den bestehenden Kirchturm und dem Kirchenbau aus den 1960er-Jahren eintritt. Es entstand ein neuer Stadtraum, ähnlich einer Piazza, der zum Marktplatz einer in doppelter Hinsicht barrierfreien Kommunikation wird.

Großer Wert wurde auf die Anbindung der Kita an die Gemeinde gelegt: Die Persönlichkeitsentwicklung des Kindes und die Begleitung der Erziehungsberechtigten spielen eine entscheidende Rolle und werden als Grundaufgabe der Gemeindearbeit verstanden, um religionspädagogische, ökologische, soziale und ethische Inhalte zu vermitteln. Eingeladen vom Gemeinde-Café betritt der Passant die Piazza, deren Charakter dennoch weniger öffentlich als der äußere Straßenraum ist. Der Fluss des Verkehrs und das hektische Treiben des Einkaufens und Parkens sind hier deutlich reduziert, die Atmosphäre durchaus kontemplativ. Die transparenten Fassaden öffnen sich und geben den Blick frei auf das vielfältige Geschehen im Inneren, auf die Verwaltungsbereiche der Diakonie und der Gemeinde, die Gruppenräume, das Gemeinde-Café und die vierzügige Kindertagesstätte.

Alle Gebäude werden jeweils von einem eigenen kleinen Foyer erschlossen. Das Foyer der Kita liegt zentral und erschließt auf kurzem Wege eine Reihe von alltagspraktischen Funktionsräumen: einen Raum, der nur dafür da ist, um die Kinderwagen abzustellen, eine „Turnbeutelschleuse“, die dem Bewegungsraum vorausgeht. Auch einen zentralen Gartenzugang mit Sauberlaufmatten und freundlichen Möbeln für die Außenkleidung gibt es - die sogenannte „Dreckschleuse“. Weiterhin werden die Küche mit Speiseaufzug ins 1. Obergeschoss, Anrichte und Stellplatz für Servicewagen sowie die großzügige Spieltreppe auf die obere Etage vom zentralen Foyer der Kita aus erreicht. Um die Offenheit und Nutzbarkeit des Foyers nicht durch Brandschutzauflagen einzuschränken, wurde ein separates Treppenhaus als zweiter Fluchtweg ausgewiesen. Alle Räume zeichnen sich durch viel natürliches Licht und großzügige Deckenhöhen aus. Unmittelbar vor den Gruppenräumen sind die Garderoben angeordnet, auch die Sanitäranlagen können von hier aus schnell erreicht werden.

Zur Raumoptimierung und zur besseren Betreuung wurden die Wickelbereiche jeweils in die Sanitärzonen integriert. Die zur Piazza gelegenen, komplett verglasten Gänge dienen als erweiterter Spiel- und Bewegungsbereich für die insgesamt 80 Kinder im Alter zwischen zwei und dem Jahr des Schuleintritts. Die Gemeinderäume können von der Kita zudem bei Bedarf flexibel mitgenutzt werden. Die Gestaltung und Farbgebung ordnet sich der städtebaulichen Gesamtidee unter. Sie wurden ruhig, sachlich und einfach gehalten, um genügend Interpretationsfreiheit und Spielraum zu lassen. Atmosphärische Wärme und Geborgenheit werden durch werk- und materialgerecht verwendete, ökologische, ressourcenschonende Baustoffe geschaffen: Sowohl für die Stützen und Wände als auch für die Balkendecken wurde Holz verwendet, unterstützt durch akustisch dämpfende Holzverkleidungen. Die Holzrahmenbauwände wurden z. T. mit Gipskarton verkleidet und mit mineralischen Silikatfarben beschichtet.

Auch hinsichtlich der CO2–Bilanz und Energieeffizienz zeigt die realisierte Holzrahmenbauweise gute Ergebnisse. Gedämmt wurden die Gebäude mit einer in das Rahmenwerk eingeblasenen Zellulosedämmung. Das Energiekonzept umfasst den Einsatz von Wärmepumpe und Geothermie in Verbindung mit einer flächendeckenden Fußbodenheizung. Besonders interessant ist, dass im Sommer das System zur Nachtauskühlung des Gebäudes genutzt wird. Die Wärmepumpen erzeugen dabei in 150 m Tiefe eine Wärmelinse, die dann im Winter die Effizienz der Wärmeerzeugung zusätzlich erhöht. Die Fassaden sind streng gegliedert, jedoch spielerisch im Detail. Sowohl die Lochfenster als auch die Pfostenriegelfassade wurden aus sichtbar belassenen Hölzern konstruiert. Im Zusammenspiel mit einem Eichenstäbchenparkett in den Innenräumen wird eine klare, monochrome Farbigkeit erzeugt. Als Bewohner und Nutzer an den neuen Gebäuden und Räumen partizipierend haben Gemeinde und Kinder die Abstraktheit und Offenheit der Konzeption als Angebot und Rahmen für die eigene Kreativität angenommen. Auch der Name der Einrichtung wurde aus Einsendungen der Gemeindemitglieder ausgewählt. Am Ende entschied man sich für „Schatzkiste“ - klar, dass das auch für und über die Architektur etwas aussagt!

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Marcus Schwier 
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