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Moderne Ikone mit Zukunft

Der Mies van der Rohe Business Park entwickelt sich zum innovativen Büro-Campus weiter

Puristisch erstrahlen die weißen Putzfassaden, reduziert auf das Wesentliche mit klaren... mehr

Puristisch erstrahlen die weißen Putzfassaden, reduziert auf das Wesentliche mit klaren Gliederungen und filigranen Stahlfensterfronten – so als wäre es nie anders gewesen. Tatsächlich wurden in den letzten sechs Jahren keine Anstrengungen gescheut, aus dem Standort der Verseidag in Krefeld wieder die Struktur herauszuschälen, die unter ihrem Geburtsarchitekten Mies van der Rohe einmal geplant wurde – mit allen damit verbundenen umfänglichen Abriss-, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten. Das über drei Hektar große Betriebsgelände des Seidenproduzenten war 2010 endgültig stillgelegt und vom Unternehmer Wolf Reinhard Leendertz erworben worden. Von der einzigartigen Bausubstanz überwältigt, von der internationalen Strahlkraft überzeugt, transformiert der Eigentümer – selbst Sohn einer Krefelder Seidenindustriefamilie – den einstigen Industriepark nach und nach in einen innovativen Business-Campus.

Die Geschichte des Produktionsstandortes der Vereinigten Seidenwerke im Nordwesten der einstigen Samt- und Seidenstadt führt zurück in die frühen 1930er-Jahre: Aus der Idee, die Vielzahl der Einzelproduzenten zu einem schlagkräftigeren Produzentenverbund zu machen, entstand 1930 das Projekt eines gemeinsamen, effizienten Produktionsstandortes. Die Verseidag-Geschäftsführer Lange und Esters, die sich einige Jahre vorher ihre Krefelder Villen von Mies van der Rohe konzipieren ließen, setzten auch bei der Fabrik auf den radikal-modernen Berliner Avantgarde-Architekten: Auf einem bestehenden Fabrikgelände wurde zunächst ein Ensemble aus einem langgestreckten Lagergebäude und der zickzackartig mit Shed-Dächern überwölbten Färbereihalle entworfen – dazwischen schaltete Mies geschickt einen vermittelnden Baukörper mit der Warenannahme. Alle Gebäude waren konsequent als moderner Stahlskelettbau errichtet – mit sichtbaren oder im Mauerwerk verborgenen Doppel-T-Trägern. Die Produktion überholte jedoch schnell die Planung – und so wurden nach den Plänen des Architekten schon 1935 zwei Geschosse auf das Lagergebäude aufgesattelt – mit vollkommen stützenlosen und damit auch äußerst flexibel nutzbaren Räumen. Auch die Färberei wuchs von vier auf elf Shed-Achsen an. Unter dem Leiter der Bauabteilung Erich Holthoff, ein Bauhaus-Absolvent und Mitarbeiter im Büros Mies van der Rohes, entstanden zeitgleich weitere ergänzende Bauten wie die Flachbauten des Pförtnerhauses und der Schlichterei, die als Solitäre in Ansätzen schon Mies späteres Masterpiece des MIT-Campus in Chicago erahnen lassen. Holthoff war es auch, der die Bauten nach den Bombenschäden des 2. Weltkrieges wieder herstellen ließ – nicht immer in der Originalstruktur, aber doch im gleichen Stil.

Die Bauten Mies van der Rohes zeichnen sich durch ihre hohe Adaptionsfähigkeit und Flexibilität der Nutzung aus. Das macht sie auch für heutige Büronutzungen außerordentlich interessant. Mehr als das, geht es im Mies van der Rohe Business Park aber auch darum, die zeitlose Modernität der Räumlichkeiten authentisch zu erleben: Ob es nun die original wiederaufgearbeiteten Treppenhäuser sind, die legendären Fenestra-Crittall-Fensterprofile oder die von keinerlei Außendämmung beeinträchtigten Putzfassaden – die Bauten und Räume sind auch ein Vorzeigebeispiel dafür, wie sich die reduzierte Original-Ästhetik bis in Details mit den heutigen energetischen und technischen Anforderungen an Büroflächen verbinden lassen.

Um ein echtes innovatives Campus-Feeling mit viel Freiräumen und kommunikativen Orten entstehen zu lassen, zieht im nächsten Jahr die Gastronomie auf den Campus: In einer benachbarten Halle der umgebauten Flores-Fabrik wird es alles geben vom gehobenen Italiener über Burger-Restaurant und Brauhaus bis hin zu Barista-Café und Gin-Bar. Auch eine Fitnesshalle, ein Parkhaus und ein Nonstop-Shuttle nach Düsseldorf sind im Gespräch. Und fällt das Votum der Stadtpolitiker im Dezember positiv aus (siehe Kasten auf der Folgeseite), dann könnte das ehemalige Kraftwerk, dessen Baukörperkomposition maßgeblich auf Mies van der Rohe zurückgeht, zu Krefelds erster Event-Adresse werden.

www.mies-van-der-rohe.com

Fotos:

Makis Foteinopoulos
www.makis-photography.de
Stadtarchiv Krefeld

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