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Mehr Aktivität für Urbanität!

Ein Gespräch mit Axel Ziegler, Generaldirektor des Düsseldorf Hyatt Regency, über Perspektiven für den Medienhafen

CUBE: Herr Ziegler, die Kais im Medienhafen wirken nach 20 Uhr meistens ziemlich ausgestorben,... mehr

CUBE: Herr Ziegler, die Kais im Medienhafen wirken nach 20 Uhr meistens ziemlich ausgestorben, im Winter natürlich mehr als im Sommer. Was läuft da falsch?
Ziegler: Tatsache ist, dass wir gerade im Sommer dem Medienhafen tatsächlich noch zu mehr Leben verhelfen könnten. Was die Leute hier schätzen, ist die Nähe zum Wasser - und zugleich wird das Wasser doch hier immer etwas auf Abstand gehalten. Wir brauchen mehr Aktivitäten auf den Hafenbecken, wie etwa die jährliche Drachenboot-Ralley. Warum über das Jahr nicht noch andere sportliche Wettkämpfe hier veranstalten? Außerdem könnten kulturelle Events wie Konzerte auf dem Wasser stattfinden – die umliegenden Kais bilden eine perfekte Zuschauerkulisse dafür. Neue Impulse verspreche ich mir auch von der Personenschifffahrt: Die im letzten Jahr vom Hyatt mitbegründete Standortinitiative MedienHafen e.V. ist in Verhandlung mit der Weißen Flotte, den Anleger wieder zurück in den Hafen zu verlegen. Wenn es klappt, könnte es einen Betrieb von der Fußgängerbrücke direkt bis in die Altstadt und noch weiter bis zur Messe geben. Aber auch im kleinen Maßstab kann die Bootsfahrt das Viertel beleben, beispielsweise über einen Bootsverleih an der Marina des Medienhafens.

CUBE: Was trägt das Hyatt Regency konkret dazu bei, das Viertel zu beleben?
Ziegler: Mit 100.000 Übernachtungen im Jahr und vielen Restaurant- und Veranstaltungsgästen sind wir derzeit sicher einer der wichtigsten Motoren für Aktivität im Viertel. Und längst nicht nur für Leute, die von außen kommen: Allein 80 % unserer Restaurantgäste kommen aus der Stadt. Mit unserer Afterwork-Lounge, die im Sommer jeden Dienstag auf der Außenterrasse des „Pebbles“ stattfindet – übrigens ganz öffentlich und ohne Bestellzwang – lassen viele Mitarbeiter der umliegenden Büros ihren Feierabend ausklingen. Bei gutem Wetter gibt es eine wunderbare Aussicht über die Hafenspitze auf die Düsseldorfer Stadtsilhouette inklusive.

CUBE: Einige Gastronomen, vor allem aber die mittlerweile ja doch arg dezimierte Clubszene, meint, dass immer weniger lokale Bevölkerung in das Quartier strömt und sich dadurch die urbane Lebendigkeit des Viertels verabschiedet hätte. Teilen Sie diese Einschätzung?
Ziegler: Ganz und gar nicht. Die Frage ist doch: Ist die Anzahl der Clubs wirklich ein ultimativer Gradmesser von Urbanität? Clubs – egal wo sie auch entstehen – sind ein temporäres Übergangsphänomen. Sie sind für eine gewisse Zeit angesagt, da strömen die Leute herbei; irgendwann sind sie aber auch wieder out, schließen oder ziehen weiter. Urbanität entsteht durch die richtige Mischung von verschiedenen Funktionen und Aktivitäten. Der in diesem Jahr anvisierte Bau der „Königskinder“ auf der westlichen Speditionstraße wird da wichtige Impulse setzen. Wenn erst einmal das Wohnen in den Hafen einzieht, wird sich auch der Einzelhandel im Hafen ansiedeln, was für alle sicher sehr zu begrüßen wäre.

CUBE: Die Speditionstraße soll sich beidseitig dem Wohnen öffnen. Kessel- und Weizenmühlenstraße dürfen dagegen nach dem neuen, vom Rat verabschiedeten Aufstellungsbeschluss nur noch Gewerbegebiete werden. Was sollten Ihrer Ansicht nach diese neuen Teile des Hafens zum Ganzen des Viertels beitragen?
Ziegler: Ich könnte mir gut vorstellen, dass Shopping ein Thema für diese Erweiterungsgebiete sein könnte. In Düsseldorf haben wir nur wenige Shopping Malls, die gut zu erreichen sind. Ganz anders als etwa in Berlin – denken Sie nur an den Potsdamer Platz, der mit seinen Arkaden eine urbane Strahlkraft auf die umliegende Umgebung ausübt, weil er Geschäfte hat, die wirklich für jedes Klientel etwas bieten. Genau so etwas würde ich mir auch hier für den Hafen wünschen. Und die Voraussetzungen dafür sind doch eigentlich ideal: Wir befinden uns in der Nähe von einem Autobahnzubringer, es gibt eine S-Bahn-Linie, wenn auch die Station noch etwas näher am Geschehen sein könnte. Auch das Umland aus Neuss und dem Düsseldorfer Süden könnte also hierher kommen und würde das Viertel deutlich beleben.

CUBE: Beim Bieterverfahren um die Hafenspitze im Jahr 2000 gab es auch Vorschläge einzelner Investoren, kulturelle Attraktionspunkte zu setzen - etwa dort, wo heute das Hyatt steht, ein Aquarium anzusiedeln. Fehlen solche Nutzungen nicht nach wie vor im Medienhafen?
Ziegler: In der Tat könnte Kultur mehr Menschen in den Hafen bringen. Der Aquazoo lässt sich nach dem gerade in Angriff genommenen Umbau sicherlich nicht mehr hierher verlegen, aber wie wäre es zum Beispiel, wenn man das Binnenschifffahrtsmuseum, das heute im alten Schlossturm auf dem Burgplatz untergebracht ist, an seinen authentischen Schauplatz zurückbringen würde? Das hätte auch den Charme, das man in den Kaibecken Schiffsoriginale zeigen könnte. Oder warum nicht eine Kunstsammlung in den Hafen bringen, wie man es in Duisburg mit dem Museum Küppersmühle getan hat? Ideen gibt es mit Sicherheit reichlich.

CUBE: Aber es geht ja auch um den öffentlichen Raum: Betrachtet man nur einmal die versteinerte Speditionstraße oder den Platz der Medien, der ohne jegliches Grün auskommt: Müsste das Areal seitens der Stadt nicht noch bewusster gestaltet und gepflegt werden?
Ziegler: Ich weiß nicht, ob ein Mehr an Grün die Devise sein muss – der industrielle Charakter des Hafen hat ja auch seinen Reiz. Aber was die Aufenthaltsqualität angeht, könnte manche Straße und auch mancher Platz sicher attraktiver gestaltet sein. Eine Frage, die uns als Hotel auf der Hafenspitze bewegt: Warum werden eigentlich die Gehry-Bauten nur von der Hammer Straße aus, aber nicht vom Wasser aus angestrahlt? Wünschenswert wäre es, dass der Medienhafen die gleiche Beachtung bekommt, wie sie der Kö-Bogen in den letzten Monaten und Jahren erfahren hat.

CUBE: Schlussfrage: Wider aller Unkenrufe hat sich der Medienhafen in den letzten 15 Jahren stärker entwickelt als ursprünglich angenommen. Was glauben Sie, wie wird Düsseldorfs Vorzeigeviertel in 15 Jahren aussehen?
Ziegler: Ich sehe das optimistisch: Seinen richtigen Hype wird der Medienhafen mit den Erweiterungen noch erleben. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass man tatsächlich versucht, ihn über neue Nutzungen und Aktivitäten nachhaltig zu beleben.

Das Interview führte Paul Andreas.


Axel Ziegler
geboren 1971 in Heidelberg. Hotelfachmann/Hotelbetriebswirt. Axel Ziegler blickt bereits auf eine über 15-jährige Erfahrung im Unternehmen Hyatt zurück. Nach verschiedenen Positionen und Stationen im Hyatt Regency Köln, Grand Hyatt Berlin und Hyatt Vladivostok leitet er als Generaldirektor seit Juni 2013 das Hyatt Regency Düsseldorf im Medienhafen.