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Liebe auf den zweiten Blick

Ein Gespräch mit dem Düsseldorfer Unternehmer Patrick Schwarz-Schütte über die Revitalisierung des Düsseldorfer Dreischeibenhauses und die Herausforderungen des benachbarten Kö-Bogen-II-Projektes

CUBE: Herr Schwarz-Schütte, fast sechzig Jahre nach dem Bau ist das Dreischeibenhaus heute... mehr

CUBE: Herr Schwarz-Schütte, fast sechzig Jahre nach dem Bau ist das Dreischeibenhaus heute wieder in aller Munde – im März haben Sie sogar auf der Mipim den wichtigsten Award der Immobilienbranche weltweit für die Sanierung verliehen bekommen. Haben Sie diese Aufmerksamkeit in der Branche geahnt, als Sie das Objekt 2011 von der Deutschen Bank erwarben?
Patrick Schwarz-Schütte: Das war keineswegs abzusehen. Das Haus war auch offen gesagt „Liebe auf den zweiten Blick“. Ich bin ja in Düsseldorf aufgewachsen und oft genug daran vorbei gefahren. Für mich war es immer ein besonders schönes Objekt, aber natürlich auch fremd und abweisend – man bekam es ja auch nie von Innen zu sehen. Als es dann länger leer stand, wurde es an mich herangetragen – sogar zweimal. Beim ersten Mal war ich nach der Besichtigung nicht sonderlich begeistert – damals war noch der vorhandene, auf den Büroetagen ziemlich verbaute Ausbauzustand zu sehen. Erst ein Jahr später habe ich mich dann mit meinem Partner Herrn Momeni in das Haus verliebt und wir haben uns überlegt, wie wir die Immobilie entwickeln können.

Warum plötzlich beim zweiten Mal?
Zwischenzeitlich hatte ich mich intensiver gedanklich mit dem Haus beschäftigt. Außerdem fanden wir beide, dass das Dreischeibenhaus erhebliches Potenzial bietet. 

Es heißt, Sie hätten rund 100 Mio Euro in den Komplettumbau investiert – warum war Ihnen das Hochhaus ein so hohes Investment wert?
Wir hatten wie immer ein Reservebudget gebildet, um der Komplexität des Refurbishments Rechnung zu tragen – das haben wir auch gebraucht. Umbauen und Renovieren im Bestand im Kontext der geltenden Brandschutzvorschriften ist gerade für ein Hochhaus schon etwas Besonderes. Wir haben das Haus ja wirklich bis auf den nackten Beton gestrippt: Jede Leitung, jedes Kabel flog raus und wurde ersetzt – allein von der genauen Taktung der Gewerke ist das schon ein sehr komplexes Unternehmen! Im Nachhinein denke ich mir, es wäre vielleicht sogar besser gewesen, die ganze Fassade abzunehmen. Das schied allerdings wiederum aus verschiedenen baurechtlichen Erwägungen aus. Denn dann hätten wir keinen Bestand mehr gehabt.

Hätte Ihnen der Denkmalschutz dann auch den Garaus gemacht?
Die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz war sehr konstruktiv.  Die Behörde hat eigentlich nur die Teile für schützenswert erklärt, die es auch aus meiner Perspektive waren – also etwa das Foyer und natürlich das äußere Erscheinungsbild. Auch wenn die Fassade ein etwas verändertes Gesicht bekommen hat, ist sie natürlich energetisch jetzt deutlich effizienter – wir sind ja mit LEED Gold zertifiziert worden. Aber selbst bei dieser Maßnahme war die Denkmalbehörde sehr konstruktiv und durchaus aufgeschlossen für Neues. 
Auch wenn es „nur“ Liebe auf den zweiten Blick war, war Ihnen klar, dass Sie da eine sehr besondere Architekturikone in den Händen halten, mit der man eher einfühlsam umgehen muss?
Spätestens bei der Baustellenparty zur Eröffnung der Baustelle wurde mir klar, welchen Wert das Haus besitzt. Da bekam ich ein Kinderquartett geschenkt aus dem Jahre 1960 mit 32 Karten. Der Titel war „So schön ist Deutschland“ – und neben dem Kölner Dom und dem Hamburger Michel war auch das Düsseldorfer Dreischeibenhaus darunter. Es ist eine Ikone, und sie wird mit jedem Tag schöner: Gerade haben wir eine gigantische Skulptur von Tony Cragg in der Lobby aufstellen lassen. 

Die obersten drei Etagen, die früher die Haustechnik beherbergten, sind für Ihr eigenes Unternehmen reserviert. War das von Anfang an so geplant, oder sind Ihnen Haus und Aussicht im Laufe des Umbauprozesses besonders ans Herz gewachsen?
Es war mir relativ schnell klar, dass ich das Dreischeibenhaus behalten und nicht verkaufen möchte. Außerdem war der Aufwand – nicht nur an Geld, sondern auch an persönlich eingesetzter Zeit – so hoch, dass ich entschieden habe, da einzuziehen. Nur so kann ich auch wirklich dafür sorgen, dass es in dem Zustand bleibt, in dem wir es uns wünschen. Man geht da, wenn man selbst dort seinen Standort hat, noch einmal ganz anders durch das Haus.

Von wem werden Sie Ihre Räumlichkeiten, zu denen ja auch ein über eine Doppeletage führender Konferenzsaal zählt, gestalten lassen?
Den Ausbau habe ich der Berliner Innenarchitektin Irina Kromayer übertragen, die ja auch das bekannte Berliner Restaurant Grill Royal gestaltet hat. Transparenz ist die Leitidee, zumal wir ja für unsere Büros auch nur die Mittelscheibe zur Verfügung haben. Sowohl in meinem Bürobereich als auch dem zweigeschossigen Konferenzsaal sind die Etagen über Innentreppen miteinander verbunden. Glastrennwände werden die Einheiten voneinander trennen, Parkettboden wird dem Ganzen eine warme Note geben – insgesamt wird der Ausbau sicher etwas aufwendiger sein als bei den Normalmietern. Das Highlight sind aber schon jetzt die Dachterrassen, die ja nach Westen und Osten weisen: An einem Frühlingswochenende habe ich dort abends mit einigen Freunden gesessen – in Düsseldorf ist das schon ein besonders phänomenaler Ausblick!

Speziell aus Ihrer Warte des Nachbarn: Wie beurteilen Sie das Projekt Kö-Bogen-II von Christoph Ingenhoven?
Ich glaube, man hat eine gute Lösung gefunden, die am Ende sogar besser aussehen könnte als der eigentliche Kö-Bogen. Christoph Ingenhovens Idee, den Platz nicht aktiv zu bespielen, ihn zu verkleinern, dann aber auch einmal als Platz in Ruhe zu lassen, finde ich gut. Auch gegenüber dem ersten Bebauungsplan hat das Projekt deutlich an Qualität gewonnen. Dieser hätte ja die Stadträume des Kö-Bogens und des Platzes vor dem Dreischeibenhaus vollständig voneinander isoliert. Es war gut, dass die Stadt das Verfahren noch einmal nach dem Fall des Tausendfüßlers neu aufgerollt hat.

Und wie ist das mit der geplanten Markthalle – gefährdet sie nicht bei aller Transparenz die Sicht auf das Dreischeibenhaus?
Dass die Markthalle mit dem schrägen und betretbaren Gründach dem Dreischeibenhaus in die Sichtachse tritt, ist hinnehmbar. Das geschieht ja nur auf 10 m Höhe. Ich habe vor einigen Wochen in Amsterdam so etwas Ähnliches vor dem Stedelijk Museum gesehen – architektonisch durchaus überzeugend. Zweifel habe ich eher, ob sich die Markthalle angesichts der hohen Investitionskosten und der zu erwartenden Mieten im Lebensmittelbereich wirklich realisieren lässt. Das kann ich mir noch nicht so richtig vorstellen. Was ich nicht angemessen finde, ist der geplante Kassen-Pavillon, wie er jetzt im Bebauungsplan steht. Mit nur 15 m Abstand ist das zu nah am Dreischeibenhaus. Es gibt für mich keinen nachvollziehbaren Grund, warum die Parktickets für die neue Tiefgarage direkt vor unserer Tür verkauft werden müssen.

Wie wichtig ist Ihnen persönlich bei den Bauprojekten, in die Sie investieren, die architektonische Qualität?
Bei den Projekten, in die wir investieren und im Bestand halten wollen, legen wir großen Wert auf architektonische Qualität. Da wir eigentlich nur die guten Lagen behalten wollen, muss das Gebäude auch in der Architektur überzeugen. Dieser Anspruch gilt aber durchaus auch für Entwicklungsprojekte, die wir nach Baufertigstellung veräußern, da der Markt zunehmend gute Architekturqualität fordert.

Mit dem Oeconomicum haben Sie der Düsseldorfer Universität vor einigen Jahren ein wichtiges Gebäude gestiftet – in den letzten Jahren haben Sie sich mit großer Verve dem Dreischeibenhaus angenommen. Würden Sie sagen, dass sich hinter Ihrem Engagement auch ein spezifisches Standortbekenntnis zur Rheinmetropole verbirgt?
Es soll ja nicht pathetisch klingen, aber als Kind einer Familie, die im Rheinland seit Generationen lebt, fühle ich mich hier äußerst wohl. Gerade kulturell hat Düsseldorf enorm viel zu bieten. Wie jeder Rheinländer wünsche ich mir natürlich vorne die Kö und hinten die Alpen, aber selbst wenn man sich diese Kulisse dazu denken muss, ist die Stadt doch sehr lebenswert und charmant!

Herr Schwarz-Schütte, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Das Interview führte Paul Andreas.

Patrick Schwarz-Schütte Patrick Schwarz-Schütte (geb. 1956) ist Managing Director der Black... mehr

Patrick Schwarz-Schütte


Patrick Schwarz-Schütte (geb. 1956) ist Managing Director der Black Horse Investments GmbH in Düsseldorf sowie Geschäftsführer der Schwarz-Schütte Förderstiftung.

Nach Abschluss seiner kaufmännischen Ausbildung in der Pharma-Industrie und seines Militärdienstes studierte Schwarz-Schütte Betriebswirtschaftslehre an der Universität Hamburg. Von 1982 bis 1984 arbeitete er als Unternehmensberater bei Booz Allen & Hamilton. 1984 wurde er Assistent, 1988 Mitglied des Vorstandes der Schwarz Pharma AG, einem Unternehmen, das Arzneimittel entwickelt und vermarktet. Von 1992 bis zum Verkauf der Schwarz Pharma AG an die UCB S.A. in Belgien im Jahr 2006 war Patrick Schwarz-Schütte Vorsitzender des Vorstandes.