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Kö-Bogen II: Die offiziellen Aspiranten

Eine Präsentation für die Bürger zeigt die Planalternativen auf

Mit Spannung war er erwartet worden: Der große Präsentationsabend der weiteren Planungen für das... mehr
Mit Spannung war er erwartet worden: Der große Präsentationsabend der weiteren Planungen für das Kö-Bogen II-Areal zwischen Schauspielhaus und dem neuen Jan-Wellem-Platz. Zu einem „Happening“, wie der amtierende OB die Veranstaltung in einem Interview vor Wochen noch bezeichnete, entwickelte sich der Abend nicht – dafür war die Reihenfolge der Redner zu eindeutig, die propagandistische Patenschaft, die die Rheinische Post schon im Vorfeld für einen der drei Alternativentwürfe übernommen hatte, zu tendenziös. Snøhetta – Molestina/Fenner – Ingenhoven? Bei allen Unterschieden in der Ausgestaltung, eint die Vorschläge der Gedanke, dem zukünftigen Gustav-Gründgens-Platz wieder klare Kanten zu schenken, ohne ihm dabei vollkommen die Ein- und Aussichten zu stehlen. Auch wenn die Markthallen-Fraktion an diesem Abend nicht mehr vorsprach, scheint doch ihre Nutzungsidee in allen drei Entwürfen angekommen zu sein: Alle drei Aspiranten können sich in einem separaten Gebäude, das auf dem die Debatte auslösenden, umstrittenen Baufeld 4 vor dem Dreischeibenhaus errichtet werden soll, buntes gastronomisches Markttreiben zur Platzbelebung vorstellen. Auffällig ist auch, dass keiner der Entwürfe den von HPP in die Debatte geworfenen Vorschlag aufnimmt, den Platz vor der Tuchtinsel (den neuen Jan-Wellem-Platz) zu überbauen – die Vorgaben seitens der Stadtverwaltung waren in der Konzentration auf die vier Baufelder da doch offenkundig sehr eindeutig.

Die Unterschiede der drei Entwürfe sind aufgrund der Vorgaben nicht immens – sie zeigen sich graduell vor allem in der Volumetrie und der Verbindung von Platz und Gebäude: Snøhetta liefern eine holzschnittartige, nur in sehr groben Zügen ausfabulierte Vision. Die skulpturalen Solitäre von Dreischeiben- und Schauspielhaus werden so zwar respektiert, und doch wirkt diese Geste kleinlaut und um die rechte Form verlegen – für viele überraschend, waren es doch gerade Snøhetta, die den grandiosen, Gebäude und Platz miteinander verschmelzenden Entwurf für das Osloer Opernhaus vor einigen Jahren lieferten. Molestina/Fenner hatten ihren im ersten Verfahrensdurchgang gewonnenen städtebaulichen Entwurf zu verteidigen – ihr überarbeiteter Entwurf bebaut das Baufeld 4 ganz, wenn auch in nur moderater Höhe und mit einem Dach-Aussichtsgarten als i-Pünktchen. Ob die Volltransparenz der Fassade die verstellte Sichtbeziehung zwischen Schauspielhaus und Libeskind-Bau ersetzen kann, ist allerdings eher mit einem Fragezeichen zu versehen. Bleibt der Entwurf von Christoph Ingenhoven.

Der Architektenstar aus Düsseldorf, der schon 2005 den aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht realisierten Initialentwurf zum Kö-Bogen I lieferte, macht zumindest optisch seinem Konzept des „Supergreen“ alle Ehre: Die skulptural geformten, an- und abgeschrägt modellierten Baukörper sind nach außen durch ihre Begrünung definiert. Das verlängert einerseits den Hofgarten in die City. Andererseits werden aber auch Gebäude und Plätze miteinander eng verschränkt. Durch die Nutzung des Markthallen-Pavillons als begehbarer Liegefläche entsteht eine öffentliche Zuschauertribüne des Verweilens an Jan-Wellem-Platz und Schadowstraße. Gleichzeitig stört der Bau durch seinen angeschrägten Zuschnitt und die Transparenz der Fassade aber auch nicht die Sichtbezüge zwischen Schau- und Dreischeibenhaus auf der einen und Libeskind- und Richard Meyers P&C-Bau auf der anderen Seite. Mit seinem skulpturalen Ansatz gelingt es Ingenhoven mit Abstand am besten, sich in den komplexen Kontext einzufinden. Dabei wird – wie manch einer fürchtet - kein neuer, konkurrierender Solitär gezeugt, sondern eine Landschaft, die die Platzräume tatsächlich neu miteinander verklammert.

Wie das Rennen um die neue Mitte ausgeht, was ausgeführt und was nur Papier bleibt, wird am 10. April der Rat entscheiden. Bis dahin sind die Entwürfe aller Parteien, die aufgefordert oder unaufgefordert über den Kö-Bogen nachgedacht haben, noch im Info-Pavillon auf der Kö zu sehen.