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Das Schatzhaus ist wiedereröffnet

Das Amsterdamer Rijksmuseum lockt durch einen spektakulären Umbau

Amsterdam ist eigentlich immer eine Reise wert. In diesem Jahr noch mehr als sonst, vor allem für... mehr
Amsterdam ist eigentlich immer eine Reise wert. In diesem Jahr noch mehr als sonst, vor allem für Architekturfans: Die niederländische Hauptstadt, die mit dem ICE International in nicht einmal zweieinhalb Stunden zu erreichen ist, feiert den 400. Geburtstag ihres Grachtensystems. Ein anderes Highlight ist die langerwartete Wiedereröffnung des Rijksmuseums. Am 19. April eröffnete Königin Beatrix in einer letzten Amtshandlung das in neuem Glanz erstrahlende Haus mit einem gigantischen Feuerwerk. Die zehn Jahre andauernden Umbaumaßnahmen, die nach Entwürfen der Architekten Cruz y Ortiz aus Sevilla vorgenommen wurden, haben sich sehr gelohnt: Wer heute den wuchtigen Backsteinkomplex von 1885 am Museumplein besucht, der entdeckt ein von außen restauriertes, im inneren aber völlig verwandeltes Museum: Die zwei, aus Platzmangel in den 1950er und 1960er Jahren mit Ausstellungsräumen angefüllten Foyers wurden vollständig wieder freigelegt und als Eingangshallen wieder in ihre alte Funktion gesetzt. Dazu musste das Bodenniveau um eine Etage abgesenkt werden – eine konstruktive Meisterleistung, die darin endete, dass Tauchermannschaften die Bodenplatte gossen. Ein Abpumpen des Grundwassers hätte ansonsten den sicheren Tod der Pfahlgründungen des Gebäudes bedeutet. Beide Foyers wurden miteinander durch eine Unterführung unterhalb der zentralen Ehrengalerie verbunden; gigantische, weiße Käfigstrukturen hängen in beiden Eingangshallen von den Glasüberdachungen wie riesige Kronleuchter herab. Einerseits um eine angenehme Akustik in dem veränderten Raum zu gewährleisten, andererseits aber auch um die eintretende Sonneneinstrahlung zu brechen. Gerade bei Sonnenlicht ergibt das eine wunderbar minimalistische Komposition, die mit der neuen Auskleidung der Hallen mit portugiesischem Marmor und den Backsteinfassaden des Bestands ausgezeichnet harmoniert.

Auch die Ausstellungssäle erstrahlen in ganz neuem Glanz: Die berühmte Ehrengalerie, die die erlesensten Ölgemälde von Rembrandt, Frans Hals, Ruysdael, Vermeer, Pieter de Hoog und einigen anderen Meistern des Goldenen Zeitalters des 17. Jahrhunderts beherbergt, ist wieder nahezu vollständig rekonstruiert worden. Die von dem Architekten des Bestandsgebäudes Pierre Cuypers als „Kathedrale der niederländischen Kunst“ ersonnene Raumfolge, hat wieder ihr Originaldekor zurückbekommen, das über die Jahrzehnte einfach weiß übergemalt worden war. Auch die Oberlichter der kapellenartigen Kabinette und des chorartigen Zentralraumes, in dem wie eh und je Rembrandts legendäres Meisterwerk der „Nachtwache“ hängt, wurden wieder hergestellt. Der Pariser Innen- und Ausstellungsdesigner Jean-Marie Willemotte, der schon bei der Szenografie des Louvres Pate stand, hat das nach Originalzeichnungen rekonstruierte historistische Dekor mit einem monochromen Anthrazitton kombiniert – das erzeugt trotz aller theatralischen Inszenierung eine kontemplative Atmosphäre, in der die Gemälde im Fokus stehen.

Auf den insgesamt vier Etagen des Museums befinden sich indes 80, mit einer neuen, herausragenden Klimatechnik ausgestattete Ausstellungssäle und –kabinette, in den rund 8.000 (!) Exponate aus acht Jahrhunderten niederländischer Geschichte gezeigt werden – von den minimalistisch inszenierten Spezialsammlungen (Waffen-, Modellschiffe, Mode u.a.) über Malerei, Skulptur, Grafik bis hin zu Werken der Angewandten Kunst, kostbarem Mobiliar, Porzellan, Gebrauchsgegenstände der gewöhnlichen und skurrilen Art. Selbst ein Flugzeug aus holländischer Produktion hat einen Platz unter dem Dach gefunden. Die chronologisch über vier Etagen angeordneten Exponate wurden dabei so arrangiert, dass der Museumsbesuch zu einem wirklichen Erlebnis des Schauens und detektivischen Aufspürens wird: Allein über das Vergleichen der Bilder und visuellen Zeichen, in welchen Medien sie auch immer sich ausdrücken, lernt der Besucher etwas über die holländische Geschichte, die Menschen und ihren Alltag kennen. Diese Präsenz des Visuellen kommt sicher nicht von ungefähr: Schließlich hingen im Goldenen Zeitalter selbst in einer bescheidenen holländischen Handwerkerwohnung Bilder an der Wand!

www.rijksmuseum.nl
Architekten Cruz y Ortiz www.cruzyortiz.com Fotografie Rijksmuseum www.rijksmuseum.nl... mehr

Architekten

Cruz y Ortiz
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Fotografie

Rijksmuseum
www.rijksmuseum.nl Iwan Baan Photography
iwan@iwan.com Jannes Linders Erik Smits Fotografie