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Acht Kilometer Hainbuchengrün

Die Fassade des Kö-Bogen II gibt neue Antworten zum Erhalt des Mikroklimas europäischer Städte

Über 30.000 Einzelpflanzen bilden die Außenhaut des weitgehend fertiggestellten Kö-Bogen II des... mehr

Über 30.000 Einzelpflanzen bilden die Außenhaut des weitgehend fertiggestellten Kö-Bogen II des Düsseldorfer Architekturbüros ingenhoven architects. Das Geschäfts- und Bürogebäude, das städtebaulich eine wichtige Scharnierfunktion zwischen Schadowstraße, Schauspielhaus und Hofgarten einnimmt, besitzt damit Europas größte Grünfassade. Dort, wo bis 2013 die Hochstraße des Tausendfüßlers den Stadtraum dominierte, rückt heute der Hofgarten wieder in das Zentrum der Stadt.

Kompositorisch sind die begrünten, zueinander abgeschrägten Fassaden des Kö-Bogens der Land Art entlehnt. Sie lassen den neuen, topografisch konzipierten Gebäudekomplex in einer bewussten Unbestimmtheit zwischen Stadt und Park changieren. Indem sie einen dynamischen Zugang zum Gustaf-Gründgens-Platz bilden, eröffnen sie den freien Blick auf die Ikonen der Nachkriegsmoderne – die klare Strenge des Dreischeibenhauses von HPP und die beschwingte Leichtigkeit des Schauspielhauses von Bernhard Pfau, welches ingenhoven architects erst jüngst saniert hat. Der Kö-Bogen II antwortet mit zeitgenössischen Mitteln selbstbewusst, jedoch ohne in Konkurrenz zu den Nachbargebäuden zu treten.

Mit den zu allen Jahreszeiten laubhaltenden Hainbuchen wurde bewusst eine heimische Pflanzenart ausgewählt. Zusammen mit dem Botaniker Prof. Dr. Strauch von der Berliner Beuth Hochschule für Technik wurde ein umfassendes phytotechnologisches Konzept für die Gebäudebegrünung entwickelt. Die Pflanzen, die wie die Hecken eines neuzeitlichen Labyrinthgartens dicht an dicht über die Gebäudefassade und das Dach verlaufen, beeindrucken nicht nur allein wegen ihres ästhetischen Effekts – sie sind vielmehr integraler Bestandteil des Gebäudes und beeinflussen das Mikroklima der Stadt: So schirmt das Grün im Sommer die Sonnenstrahlen ab und reduziert somit den innerstädtischen Wärmeeffekt. Es bindet zudem Kohlendioxid, speichert Feuchtigkeit, dämpft Lärm und in der Luft befindlichen Staub und fördert auch die Biodiversität. Der ökologische Nutzen der Hainbuchen lässt sich mit dem von rund 80 ausgewachsenen Laubbäumen äquivalent setzen. Die ambitionierte Gebäudebegrünung stellt somit eine zeitgenössische Antwort der Städte auf den Klimawandel in den hiesigen Breiten dar.

www.ingenhovenarchitects.com


Fotos:

HG Esch
www.hgesch.de

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 02|20)

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