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Alles hat seine Zeit

Jürgen Patzschke, der über die Grenzen Berlins hinaus bekannte Protagonist klassisch-traditioneller Architektur ist tot

Der Berliner Architekt Jürgen Patzschke, der Zwillingsbruder von Rüdiger Patzschke, ist am 10. September 2020 in seinem Haus in Berlin-Wannsee im Kreis der Familie gestorben. Er wurde 81 Jahre alt. Als Architekt war Jürgen Patzschke seit dem Ende des zwanzigsten Jahrhunderts einer der bedeutendsten Vertreter der neuen Traditionalisten. Seit er als junger Mann mitbekommen hatte, dass der Stuck der Fassaden der Gründerzeithäuser abgeschlagen wurde, wollte er einer Architektur, die eine Stadt unpersönlich macht, etwas entgegensetzen. Mit weltweit mehreren hundert Projekten haben sich Patzschke Architekten inzwischen international einen Namen gemacht; gut ein Drittel davon in der Hauptstadt Berlin. Ihre klassisch-traditionelle Architektur drängt sich nicht in den Vordergrund, sondern fügt sich mit dezenter Selbstverständlichkeit in das Stadtbild ein.
Nach dem gemeinsamen Architekturstudium in Berlin und gründete Jürgen Patzschke zusammen mit seinem Zwillingsbruder Rüdiger 1968 im Alter von 29 Jahren ihr Planungsbüro in Berlin-Grunewald, wo sich noch heute eines der Büros befindet. Seit Ende der 1990er Jahre ist das Büro Patzschke als Protagonist einer klassisch-traditionellen Architektur über die Grenzen Berlins hinaus bekannt. In ihren Bauten spürt man die Schönheit klassischer Vorbilder. Mit seinen Entwürfen im klassischen Stil machte sich der 1938 in Radebeul bei Dresden geborene Architekt Jürgen Patzschke unter Architekturkritikern nicht nur Freunde. Als die Brüder im Auftrag der Kempinski-Gruppe das Hotel Adlon im Stil des historischen Vorbilds neu entworfen hatten, entfachten sie Ende der 1990er Jahre eine große Debatte. Mittlerweile betrachtet man die Stadtbildentwicklung im Sinne Patzschke dagegen als stilprägend.
Schon Vater und Großvater waren Architekten, auch seine Kinder Till-Jonathan, Tatjana und Thaddäus sind in die väterlichen Fußstapfen getreten und führen heute gemeinsam mit seinem Neffen Robert Patzschke, Michael Mohn und Prof. Christoph Schwebel zwei große Planungsbüros mit rund 60 Mitarbeitern.
Robert Patzschke, geschäftsführender Gesellschafter von Patzschke Architekten: „Wer uns kennt weiß, dass meine Cousinen, Cousins, mein Bruder und ich bei Jürgen und Rüdiger immer von unseren Vätern sprechen. Einer unserer Väter ist nun nicht mehr bei uns. Was aber bleibt, ist der Respekt, die Freude und auch der Stolz darauf, wie er sein Leben gestaltete, welches er eng mit Rüdiger teilte, sowohl beruflich als auch privat. Gemeinsam haben sie gestalterische Ideen verwirklicht, die den Menschen dienen. Für unsere Väter war und ist unsere Architektur nachhaltig, weil mit ihr nicht dieser ständige Wechsel auf der Suche nach der künftigen Architekturmode stattfinden muss.“
www.patzschke-architektur.de