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Wie das zu schaffen ist, erklärt Architekt Martin Jasper in diesem Podcast

CUBE: Sie reisen zwischen Ihren vielfältigen Projekten und ihren Büros hin und her. Welches ist... mehr
CUBE: Sie reisen zwischen Ihren vielfältigen Projekten und ihren Büros hin und her. Welches ist der Hauptstandort?

Martin Jasper: Berlin ist auf jeden Fall der größte Standort. In Buenos Aires fingen wir 2008 an, dann folgte 2012 die Niederlassung in Wien und 2016 dann in Berlin.

Furore gemacht hat Ihr Projekt „UP!“ In Berlin. Es handelt sich um ein ehemaliges Kaufhaus in Ostberlin. Das Besondere an diesem Entwurf ist die vollständig verglaste Fassade und die Einschnitte in die Tragstruktur.

Wir haben analysiert: Was birgt das Gebäude für ein Potenzial an Flächen und was braucht die Stadt Berlin gerade? 2016 war der Hype um die Start-Ups in der Hauptstadt ganz groß. Also kamen wir zu dem Entschluss, dass das ganze eine Art Start-Up-Hub werden sollte. Wie kann man so einen Block von 80 mal 80 Metern bis in die Tiefe beleuchten? Daraus entwickelte sich das Konzept, von außen Kerben in den Kubus zu schlitzen.

Es muss eine Bauwende geben. Wie kann sie in Ihren Augen gelingen?

Es wird starke Veränderungen im Bereich der Planung geben. Die Digitalisierung wird weiter fortschreiten und viele Prozesse automatisieren. Bei uns im Büro nutzen wir jetzt Virtual Reality-Brillen, damit wir uns mit den Kunden in einer virtuellen Welt treffen können. Das Thema CO2 ist wahnsinnig brisant. Viele Bauweisen von früher sind nicht mehr machbar. Dadurch wird ein großer Schwenk in Richtung Holzbau passieren. Wir arbeiten gerade an einem großen Holzbau-Projekt, einem 11.000 m² Hostel in Hohenschönhausen. Zudem gibt es noch die Digitalisierung des Bauens auf der Baustelle durch BIM. Und auch der 3D-Druck von Gebäuden wird meiner Meinung nach auf jeden Fall den Hausbau revolutionieren.

Befürchten Sie nicht, dass gerade bei BIM die Gestaltung auf der Strecke bleibt?

Es ist tatsächlich so, dass die Werkzeuge im Bereich BIM oft ein bisschen steif sind, wenn es darum geht dem Gestaltungswillen freien Lauf zu lassen. Da muss man ein wenig aufpassen. 

Könnten Sie den Vortrag, den Sie auf der Leitmesse BAU 23 gehalten haben, kurz zusammenfassen? Was war Ihr Thema?

Es ging um Nachhaltigkeit. Deshalb ging der Vortrag hauptsächlich um das „Projekt UP!“. Das Ganze war eingebettet in unseren Werdegang als Büro und Unternehmen. Wo kamen wir her und wie war der Weg da hin. In dem Vortrag wurde unsere Methodik vermittelt. Was bedeutet es, wenn man in solch kontrastreichen Kontexten arbeitet? Ich gehe immer davon aus, dass Qualität entsteht, wenn man sich zunächst in den Kontext vertieft und einarbeitet. Daraus entwickeln sich über die Parameter vor Ort eine Art von Regelset, welches beim Entwerfen leitet wie ein roter Faden. Das Entwerfen ist dann ein Entstehungsprozess. Es bedeutet nicht, dass sich jemand hinsetzt und etwas einfach nur designt, weil er es für richtig hält. Es ist ein Spiegelbild von Ansätzen und Lösungsversuchen, die man umsetzen will, um die ergebenen Parameter in Einklang zu bringen.

Wir sprachen über die Zukunft es Bauens. Wie schätzen Sie die Zukunft des Wohnens ein?

Die Leute wollen einen effiizienten Wohnraum. Nicht unbedingt viel Fläche, aber eine qualitative Fläche. Sie soll einen Außenbereich bieten, Pflanzen beherbergen, die Materialien sollten natürlich sein und man braucht Tageslicht. Der Markt verlangt einfach nach dieser hohen Qualität. Ich bin ein großer Verfechter von Mischnutzung. Beispiele wie die berühmte Berliner Mischung, wo überall kleine Innenhöfe waren, ist doch fantastisch. Man wohnt oben, geht runter und trinkt einen Kaffee. Das hat ein bisschen was Südländisches. Das bringt Lebendigkeit in die Städte.

Martin Jasper

Jasper Architects wurde 2008 vom Architekten Martin Jasper gegründet und hat Niederlassungen in Berlin, Buenos Aires und Wien. Das Team arbeitet an Projekten in Deutschland, Polen, Österreich, Spanien, Ecuador, Argentinien, Chile, Peru, Panama und der Karibik.

Das Portfolio umfasst verschiedene Projekte von der Innenarchitektur über die Gebäudegestaltung bis hin zur Stadtplanung, die alle einer gemeinsamen Methodik folgen: Die Projekte passen sich an das lokale Milieu, die Geschichte und den Kontext an und die Entwurfskonzepte werden aus einer tiefgreifenden Analyse und dem Verständnis dieser Parameter heraus entwickelt.

Mehr zu Martin Jaspers Einschätzung der Bauwende und des zukünftigen Wohnens hören Sie in unserem Podcast-Gespräch, das Christina Haberlik mit Martin Jasper geführt hat.

(Erschienen in CUBE Berlin 02|23)