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Schinkel revisited

Synthese aus Alt und Neu: Die Sankt Elisabeth-Kirche in Berlin-Mitte

Ortstermin in Berlin-Mitte, Invalidenstraße, Februar 2014: An der Sankt Elisabeth-Kirche wird... mehr
Ortstermin in Berlin-Mitte, Invalidenstraße, Februar 2014: An der Sankt Elisabeth-Kirche wird gebaut – wieder einmal oder besser immer noch, wie seit 1991. Damals begannen die Wiederaufbauarbeiten an dem 1835 von Karl Friedrich Schinkel erbauten und 1945 bis auf die Umfassungsmauern zerstörten Gotteshaus. Was sich 1990 als verwunschene, durchaus malerische Ruine präsentierte, wird seitdem vom Berliner Architekten Klaus Block in enger Abstimmung mit Kirchengemeinde und Denkmalamt zu einem Ort umgebaut, der Raum sowohl für Gottesdienste als auch für Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Tanzperformances oder Ausstellungen zur Verfügung stellt.

Gerade sind die Handwerker dabei, im Kirchenschiff die 2009 bis 2011 neu errichteten Treppenhaustürme mit Akustikpaneelen aus Holzwolle-Leichtbauplatten zu bekleiden. Er wolle Konstruktion und Material möglichst klar zeigen, sagt Klaus Block im Gespräch. Deswegen bleibt die Stahlkonstruktion der neuen Treppenhaustürme auch weitestmöglich sichtbar. Sie wurde nur mit einer dünnen Wachsschicht überzogen, die als Oberflächenveredelung und Korrosionsschutz dient. Damit die erforderliche Feuerwiderstandsklasse ohne weitere Maßnahmen erreicht wird, ließ der Architekt die Stahlprofile stärker bemessen als statisch notwendig. Dennoch wirken die neuen Einbauten keinesfalls schwerfällig und korrespondieren mit ihren rauen Oberflächen reizvoll mit dem Bestand, insbesondere dem rohen Mauerwerk, das seit den Ruinenjahren frei liegt und die Atmosphäre des Innenraumes bestimmt. Mit Blick auf die kulturellen Nutzungen wurde der transluzent abgegrenzte Dachraum für die Aufnahme von Konzert- und Bühnentechnik vorbereitet.

Über die neuen Treppenhäuser erreichen die Techniker heute diese Dachebene sowie die ebenfalls bis 2011 am Ort der einstigen Orgel neu errichtete Empore. Ebenfalls in Stahl ausgeführt mit einer offenen Brüstung aus kaltgezogenem, scharfkantigem Werkzeugstahl beeindruckt sie durch ihre klare Formensprache und monumentale Anmutung – passend zur Architektursprache Schinkels. Diese Anmutung verleihen ihr die vier, unter der Empore auf den historischen Sandsteinplinthen angeordneten Kreuzstützen. Mit dem Schaft aus symmetrisch über Eck gestellten Winkelprofilen und der ausgreifenden, oberen stählernen Abschlussplatte sind sie eine gelungene Neuinterpretation des klassischen Säulenbildes. Hinter den Stützen, Kirchenschiff und Vorhalle voneinander trennend, befindet sich der ebenfalls 2011 fertig gestellte, neue Windfang. Auch hier setzt Klaus Block erfolgreich auf eine reduzierte und dennoch die Sinne ansprechende Gestaltung - durch den Kontrast zwischen kühlem Stahlrahmen mit großflächiger Verglasung und warm wirkenden Türgriffen aus Kirschholz.

Viel fehlt nun nicht mehr, um die Kirche ganzjährig als Veranstaltungsort nutzen zu können. Die Gebäudehülle aus historischen Außenmauern, neuem Stahl-Glas-Dach und neu verglasten, historischen Fensterkreuzen war bereits 2006 geschlossen worden. Neben dem Einbau der Akustikpaneele wird im laufenden Bauabschnitt die Neuerrichtung eines weiteren Treppenturms vorbereitet. Er wird ebenfalls als Stahlkonstruktion ausgeführt und soll im abschließenden, finanziell noch nicht abgesicherten Bauabschnitt u. a. die Lüftungsanlage aufnehmen. Zuletzt soll die Ausstattung des Veranstaltungsorts mit einer Fußbodenheizung und weiterer Bühnentechnik komplettiert werden.

Schon jetzt wird St. Elisabeth im Sommerhalbjahr rege genutzt. Das tempelartige Gotteshaus ist das wohltuende Beispiel eines Wiederaufbaus, welcher historischen Bestand mit neuen Nutzungsanforderungen in Einklang bringt und auf Authentizität anstatt falscher Patina setzt.

www.klausblock.de
Architekten Klaus Block www.klausblock.de   Fotos Ulrich Schwarz... mehr

Architekten

Klaus Block
www.klausblock.de 

Fotos

Ulrich Schwarz
www.architektur-fotografie.net