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Refugium des Wissens

Die Akademie des Jüdischen Museums Berlin zog in eine alte Blumenmarkthalle ein

Mit dem Akademie-Neubau an der Kreuzberger Lindenstraße gewinnt das Jüdische Museum Berlin mehr... mehr
Mit dem Akademie-Neubau an der Kreuzberger Lindenstraße gewinnt das Jüdische Museum Berlin mehr als 6.000 m² für einen großen Veranstaltungssaal, eine öffentliche Bibliothek, sein Archiv sowie dringend benötigte Flächen für die Bildungsabteilung und ihre Programme. Gleich gegenüber des stark frequentierten Museums fand die Akademie in der Halle des ehemaligen Blumengroßmarktes Platz. Daniel Libeskind implementierte die neue Nutzung mit unverwechselbarer Handschrift in das bestehende Gebäude.

Alleine das Museumsarchiv zählt mit inzwischen rund 2.000 Nachlässen und Sammlungen zu den größten Archiven zur deutsch-jüdischen Geschichte – diese Dinge waren in dem gezackten, seit 2001 von acht Millionen Menschen besuchten Libeskind-Bau nicht mehr vernünftig unterzubringen. Die 6.000 m² große Stahlbetonhalle mit Sheddach wurde 1965 nach Plänen des Architekten Bruno Grimmek errichtet.

Libeskind überformt den Zweckbau mit relativ sparsamen Eingriffen in dekonstruktivistischer Manier. Als einzige größere, äußerliche Veränderung fügte der Architekt dem Baukörper an der Stirnseite einen hölzernen Quader an. Durch eine Öffnung in diesem nach vorne geneigten, holzbeplankten Baukörper betreten die Besucher die Akademie. Der beplankte Kubus symbolisiert laut Büro Libeskind jene Transportkisten, in denen die erworbenen Nachlässe im Museum eintreffen. Seine Formensprache schafft ein visuelles Pendant zum Jüdischen Museum Berlin vis-à-vis und findet sich sowohl im „Garten des Exils“ als auch in den Achsen des Museumsneubaus wieder. In die schräge Holzdecke des Eingangskubus sind Oberlichter in Form der hebräischen Buchstaben Alef und Bet eingesetzt. Es sind die beiden ersten Buchstaben des Alphabets, die hier Lernen und die Wissenschaft symbolisieren.

Akademie, Auditorien und Bibliothek nehmen rund ein Drittel der verfügbaren Fläche ein. Weitere 800 m² entfallen auf den im Zentrum der Halle vom Landschaftsarchitekturbüro Atelier le balto angelegten „Garten der Diaspora“. In seinen vier stahlgefassten, 4 x 14 m großen Hochbeeten wachsen Pflanzen mit einem Bezug zum jüdischen Leben und zu jüdischen Bräuchen, unter ihnen etwa eine bodendeckende Rankepflanze mit Namen „Der wandernde Jude“. Schüler werden dort in kleinen Arbeitsgruppen pflanzen und kultivieren, Hintergründe recherchieren, sich an kulturelle Kontexte herantasten und sich dem Thema Diaspora nähern.

Die in den Baukörper eingefügte Haus-in-Haus-Nutzung konzentriert sich auf das erste Drittel der Halle. Hier entstanden auf asymmetrischem Grundriss zwischen horizontal und vertikal geneigten Wänden einladende, von großzügigen Verkehrsflächen erschlossene Räume. Unterhalb der verglasten Deckenebene werden die geneigten Volumina von einem asymmetrischen Netzwerk einander kreuzender Träger durchdrungen. Sie nehmen die Beleuchtung auf und knüpfen an das beziehungsreiche Spiel von Achsen und Linien im Haupthaus an. Die größten räumlichen Einheiten bilden die Freihandbibliothek mit Lesesaal sowie ein Auditorium mit 199 Sitzplätzen.

Weitere Informationen zu diesem Objekt 
finden Sie auf unserer Website: 
www.cube-magazin.de/berlin

www.jmberlin.de
www.daniel-libeskind.com

Architekten Daniel Libeskind www.daniel-libeskind.com Fotos Jens Ziehe Linus... mehr

Architekten

Daniel Libeskind
www.daniel-libeskind.com

Fotos

Jens Ziehe
Linus Lintner 
www.linus-lintner.de