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Neue Linie in der Platte

Frischzellenkur für Plattenbauwohnung: WBS 70 im Relaunch 2014

Uniforme Optik, kleinliche Struktur, schematischer Grundriss – das sind nur ein paar der... mehr

Uniforme Optik, kleinliche Struktur, schematischer Grundriss – das sind nur ein paar der Vorstellungen, die sich gemeinhin mit Plattenbauwohnungen der DDR-Zeit verbinden. Doch diese Vorurteile müssen nicht zutreffen, wie die Büros Fingerle & Woeste und Ludwig Heimbach Architektur mit ihrem Gestaltungskonzept für eine Plattenbauwohnung in Berlin-Mitte beweisen.

Bei der Wohnung handelt es sich um eine 1986 errichtete Vier-Zimmer-Wohnung der in der DDR sehr verbreiteten Bauserie WBS 70. Ursprünglich fassten die Planer eine Grundrissänderung und eine Verlegung der Küche ins Auge. Dann aber nahmen sie aus zwei Gründen davon Abstand: Zum einen sollte die Umgestaltung der 87 m² großen Wohnung möglichst kostengünstig erfolgen; zum anderen zeigte sich, dass die vier relativ kleinen Zimmer den Bedürfnissen der Bauherren, einer jungen, dreiköpfigen Familie gut entsprechen. Allerdings erweckt das additive Raumkonzept der WBS-70-Serie leicht ein Gefühl der Beengung. „Deshalb entwickelten wir ein Gestaltungskonzept, das diesen additiven Charakter einerseits betont, andererseits aber hin zu einem großzügigeren Raumfluss verändert“, erklärt Ludwig Heimbach. Zusammen mit Kay Fingerle und Eghard Woeste entschied er sich, die eher öffentlichen Bereiche der Wohnung klar von den intimeren Räumen abzugrenzen. Die beiden Schlafzimmer sind als monochrome Farbkapseln konzipiert – das eine ist in einem dunklen Violett, das andere in einem hellen Farngrün gehalten. Farblich abgesetzt sind auch die Küche und die Loggia, die einen melonengelben Akzent erhalten haben. Ganz anders gestaltet ist die Raumfolge Flur - Esszimmer - Bibliothek. Ungewöhnlich für den WBS-70-Typ erstreckt sie sich über eine Länge von fast 14 m durch die volle Tiefe der Wohnung. Die ungewöhnlich weitläufigen Abmessungen erklären sich dadurch, dass das Gebäude räumlich in den vorhandenen Stadtgrundriss eingepasst wurde.

Gedanklich geleitet von einer sich durch die Wohnung ziehenden Linie, gestalteten die Architekten eine Zeichnung, die sich, ausgehend vom Boden, über Wände und Decken erstreckt. Diese Grafik überlagert gleichsam als zweidimensionale Raumebene den Grundriss, so dass die Raumfolge an Dynamik gewinnt. Farblich entschied sich das Planungstrio für ein warmes Grau in vier Abtönungen. Diese Graustufen treten in Dialog mit dem Beton der Plattensegmente, der an einzelnen Deckenabschnitten sichtbar geblieben ist. Der alte Beton und die neuen Grautöne kontrastieren jetzt nicht nur farblich, sondern auch haptisch: Während die Betonabschnitte an der Decke einen rauen Charakter aufweisen, sind die grau angelegten Flächen verspachtelt und fein geschliffen. Unterstrichen wird die unkonventionelle Raumgestaltung durch ein Beleuchtungskonzept, das weitgehend auf Hängeleuchten verzichtet. Eine Ausnahme stellt eine aus den siebziger Jahren stammende Dinnebier-Leuchte über dem Esstisch dar. Ansonsten sind die Leuchtsysteme in die Möbel integriert, beispielsweise in das CD-Regal im Wohnzimmer. Und auch die Bedenken, die Küche könnte zu klein sein, entkräfteten die Planer: Sie gestalteten die Küche in U-Form und schufen so eine von zwei Seiten aus zugängliche Theke.

www.fingerle-woeste.de
www.ludwig-heimbach.com

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Innenarchitekten

Fingerle & Woeste
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Fotos

Kay Fingerle