Architektur in Artikel
Kategorie
Themen
Interior in Artikel
Themen
Kategorie
Garten in Artikel
Themen
Kategorie
Spezial in Artikel
Kategorie

Lob der Bescheidenheit

Das Interieur des Concrete Hauses tritt in ein stimmiges Verhältnis zum Purismus der Architektur

Das Projekt „Concrete“ haben wir bereits in der ersten Ausgabe des Jahres von CUBE Berlin... mehr

Das Projekt „Concrete“ haben wir bereits in der ersten Ausgabe des Jahres von CUBE Berlin vorgestellt. Das von den Architekten designyougo geplante Gartenhaus am Prenzlauer Berg ist mit seinen Sichtbetonwänden und -decken, den geschliffenen Terrazzoböden sowie den hellgrau lackierten Einbauelementen konsequent minimalistisch gestaltet. Bei dem Projekt blieb die Frage unbeantwortet: Wie lässt sich in einer solch spartanischen Umgebung wohnen? Die Antwort gibt das Büro „Loft Kolasinski“. Die Innenarchitekten erhielten von den Bauherrn den Auftrag, das Wohnhaus einzurichten und so zum Leben zu erwecken.

Die Möbel, die die Gestalter auswählen, sind in Teilen eigene Entwürfe. Dazu gehören der Esstisch und Sitzbank im Erdgeschoss, ebenso Bank und Bett im Schlafzimmer. Die Objekte sind aus naturbelasenem Eichenholz gefertigt und von einer klösterlichen Schlichtheit. Die selbstentworfenen Möbel ergänzen die Innenarchitekten mit Designklassikern aus der Midcentury Ära. Darunter zum Beispiel ein äußerst rarer Lounge Sessel, den 1949 bis 1952 der Tscheche Miroslav Navratil entworfen hat. Miroslav Navratil ist eine der Ikonen der noch zu entdeckenden osteuropäischen Moderne. Am Esstisch finden sich Holzstühle des Schweizers Willy Guhl für den legendären Hersteller Horenglarus. Bei einem Betonhaus darf ein Entwurf nicht fehlen: Auf der Terrasse steht Willy Guhls „Loop Chair“, in neuer Ausführung aus Faserzement. Die Textilien – Vorhänge, Polsterbezüge oder Bettüberwurf – ergänzen in ihren Farben das Hellgrau der Architektur unaufgeregt durch ein Dunkelgrau. Als einzigen farblichen Akzent leisten sich die Ausstatter einen Teppich in unterschiedlichen Grüntönen im Wohnzimmer. Die Kunst ist zeitgenössisch oder stammt ebenfalls aus den fünfziger und sechsziger Jahren, darunter Bilder des polnischen Künstlers Stanisław Dawski oder des Brasilianers Aecio Sarti.

Die Innenarchitekten von Loft Kolasinski setzen auf unverfälschte Naturmaterialien, ebenso auf handwerkliche Fertigung der Möbel und Deko-Objekte. Beim Möbeldesign verwenden sie zeitlose Klassiker, ohne dabei große Namen zu bemühen. Viele Designklassiker sind heute vor allem Statussymbole, was der bescheidenen Grundhaltung des Concrete-Hauses entgegenwirken würde. Die Einrichtung leistet sich keine modischen Extravaganzen, sondern nimmt die Ruhe des Gebäudes auf. Architektur und Interieur gehen so eine harmonische Verbindung ein. Das Konzept erinnert an die Wabi-Sabi Ästhetik in der japanischen Kunst, die eng verbunden ist mit dem Zen Buddhismus. Dort geht es nicht um vordergründige Schönheit, sondern wird das Einfache und Stille in Szene gesetzt. Sabi bedeutet auch über eine gewisse Reife und Patina zu verfügen. Deshalb finden sich im Concrete-Haus viele Vintage-Möbel. Das Gestaltungsprinzip erinnert ebenso an die Entwürfe von Jasper Morrison oder Naoto Fukasawa. Das Credo der beiden Designer lautet „Supernormal“. Morrison und Fukasawa verzichten auf den Showeffekt an der Oberfläche. Sie setzen stattdessen Formen und Materialien unverfälscht in Szene. Deren bewusst schlicht gehaltenes Design setzt einen Kontrapunkt zur reizüberfluteten Konsumwelt.

www.loft-kolasinski.de

Innenarchitekten: Loft Kolasiński www.loft-kolasinski.com Küche: Tisch und Bank:... mehr

Innenarchitekten:

Loft Kolasiński
www.loft-kolasinski.com

Küche:

Tisch und Bank:

Loft Kolasiński (Design)
www.loft-kolasinski.com

Esszimmerstühle:

Willy Guhl (Design)
Horgen Glarus (Hersteller)
www.horgenglarus.ch

Hocker:

Jean Prouvé (Design)
Vitra (Hersteller)
www.vitra.com

Wohnzimmer:

Sessel und Couchtisch:

Miroslav Navratil (Design)

Teppich:

Antonin Kybal (Design)

Schlafzimmer:

Bett und Sitzbank:

Loft Kolasiński (Design)
www.loft-kolasinski.com

Gästezimmer:

Sessel:

Michael Thonet (Design)
Ton (Hersteller)
www.ton.eu/de/

Stehlampe aus Kupfer:

Josef Hurka (Design)

Fotos:

Karolina Bąk