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Gebautes wildes Berlin

Haus in der Kleinen Rosenthaler Straße in Mitte zeigt viel Mut zu einer unverfälschten Individualität

Das Scheunenviertel rund um den Hackeschen Markt hat seit den 1990er-Jahren einen extremen... mehr

Das Scheunenviertel rund um den Hackeschen Markt hat seit den 1990er-Jahren einen extremen Wandel hinter sich. In der Gegend, wo heute das von Anne Lampen Architekten gebaute Wohnhaus steht, war damals mit Clubs wie dem „Eimer“ oder „Delicious Doughnuts“ das Zentrum des legendären Berliner Nachtlebens dieser Zeit. Heute ist das Viertel komplett in eine Shoppingzone verwandelt. Entlang der Linienstraße und anderswo sind zahlreiche Neubauten entstanden, meist mit Putzfassade und viel Glas. Das Haus sticht schon aufgrund seiner Materialität aus diesem Einerlei stark heraus. Die Fassade ist komplett aus Holz gefertigt. Man könnte das als Referenz auf das Scheunenviertel interpretieren. Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ im Jahr 1672 tatsächlich in der Gegend 27 Scheunen errichten. Dort sollte das Stroh und Heu entlang der Stadtmauer für den nahen Viehmarkt am Alexanderplatz brandsicher lagern.

Das Wohnhaus ist allerdings nicht wie eine Scheune komplett aus Holz erbaut, sondern ein Hybrid. Der Gebäudekern mit Fahrstuhl und Treppenhaus, ebenso die Geschossdecken sind aus Beton und Mauerwerk gefertigt. Nur die beiden Fassaden zur Straße und zum Garten sind in konventioneller Holzständerbauweise errichtet. Im Erdgeschoss ist eine Gewerbeeinheit untergebracht. In den Geschossen darüber sowie im Staffelgeschoss befinden sich Wohnungen. Dem Staffelgeschoss ist der Dachgarten zugeordnet. Alle Wohnungen sind von der Fassade bis zum Garten durchgesteckt. Teilweise haben die Räume unterschiedliche Levels. Man gelangt über eine Treppenstufe in einen separierten Bereich mit anderer Raumhöhe. Die Wände und Decken der Innenräume sind zum Teil unverputzt geblieben. Die Eigentümerin der Wohnung im dritten Geschoss kombiniert in ihren Räumen diesen rauen Stil mit einem bunten Mix aus verschiedenen Möbeln. Die Bandbreite reicht von Stahlrohr-Freischwingern bis zu den Strandmöbeln von Tord Bontje für Moroso. Diese Mixtur aus rauem Charme und bunter Vielfalt lässt sich als eine Referenz an Berlins wilde Seite deuten. Mit seiner schicken schwarzen Fassade, der unorthodoxen hybriden Bauweise und dem buntgemischten Innenleben knüpft das Haus an der Kleinen Rosenthaler Straße auf seine Art deutlicher an den Ort an, als viele der Neubauten sonst in der Gegend.

www.anne-lampen.de

Architekten: Anne Lampen Architekten www.anne-lampen.de Fotos: Lon Godin mehr

Architekten:

Anne Lampen Architekten
www.anne-lampen.de

Fotos:

Lon Godin