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Denkmuster ändern sich

Der Ausbau der Berliner Ladeinfrastruktur lässt E-Car-Zulassungen steigen

Deutschlands Hauptstadt zählt zum jetzigen Zeitpunkt zu den führenden Regionen für... mehr

Deutschlands Hauptstadt zählt zum jetzigen Zeitpunkt zu den führenden Regionen für Elektromobilität im Land. Der Weg dahin war steinig und erfordert auch heute noch große Anstrengungen, um die Attraktivität zu halten beziehungsweise weiter voranzubringen. Die zögerliche Akzeptanz sahen die Verantwortlichen des Förderprogramms Wirtschaftsnahe Elektromobilität vor allem in der unzureichend ausgebauten Ladeinfrastruktur. Wohnen doch die Menschen in Berlin vornehmlich in Mehrfamilienhäusern und verfügen zu großen Teilen nicht über einen eigenen Stell- und damit Ladeplatz. Aus diesem Grund galt das primäre Ziel dem zügigen Ausbau von Ladepunkten inner- und außerhalb der Stadtgrenzen. Hierbei setzte das eigens gegründete Ladeinfrastrukturbüro unter anderem auf eine innovative Idee, die abseits einer klassischen Ladestation auch in anderen Ländern erfolgreich Anwendung findet – das E-Laden mit Straßenlaternen. Kernstück der Technologie ist eine in der Laterne fest installierte Steckdose. Nur mit einem speziellen Ladekabel vom Hersteller kann der Nutzer dort andocken. Gleichzeitig verfügt das Kabel über einen Stromzähler mit smarter Steuerfunktion, welcher den Ladevorgang startet und beendet. Die dabei übermittelten Verbrauchswerte erreichen den Stromanbieter über Mobilfunktechnik, um die Kosten entsprechend abzurechnen. Nach Beendigung des Ladens wird das Kabel wieder entfernt und im eigenen PKW mitgeführt. Einzig die Ladezeit ist nicht für das Warten vor Ort gedacht, denn mit einer Leistung von lediglich 3,7 kW – gilt ein langsamer Ladevorgang doch als batterieschonend – benötigt der Vorgang je nach Batteriespeicher bis zu 14 Stunden. Der Prozess ist dementsprechend eher als nächtliche Aktion gedacht, bei der der Zeitfaktor eine untergeordnete Rolle spielt. 
Unter dem Projektnamen ‚Aufbau von Mobile Metering‘ werden in Berlin nun sukzessive bis zu 1.000 Ladepunkte in die existenten öffentlichen Straßenlaternen integriert. Der Vorteil liegt hauptsächlich in der Nutzung einer bereits bestehenden Stromversorgung. Die sonst erforderlichen Erdarbeiten entfallen.

Die Testphase begann im letzten Jahr in den Bezirken Marzahn-Hellersdorf und Steglitz-Zehlendorf. Die Intention hinter dem Projektversuch sollte in erster Linie die Frage klären, inwieweit der Aufbau öffentlicher Ladepunkte für Anwohner ohne dauerhaften und gesicherten Zugang zu privaten Parkplätzen nützlich sein kann. Der Blick richtete sich dabei insbesondere nach London. Dort wurde bereits erwiesen, dass die Ladelaternen sehr wohl eine echte Mobilitätsalternative für das Laden ohne eigenen Stellplatz sein können. Diese Erkenntnis erzeugt schon jetzt die gewünschten Synergieeffekte. Im privaten Raum entstehen aktuell über 600 Ladelaternen in der Nähe von Mehrfamilienhäusern und Gewerbeimmobilien. Um eine hundertprozentige Ökobilanz der Ladelaternen zu erzielen, ging ein japanischer Autohersteller noch einen Schritt weiter und integrierte Solarkollektoren auf der Lampenoberfläche. Darüber hinaus nutzen die Entwickler gebrauchte Batteriespeicher von Elektroautos für den Laternen-Stromspeicher – sozusagen im Recycleverfahren. Ein sinnvoller Beitrag zur Schonung des schon jetzt strapazierten Abbaus von Lithium und anderen wertvollen Materialien.

- Berlin: ca. 1,2 Mio. PKW (März 2019, Statista), davon ca. 3.000 rein batterieelektrische PKW (Dez. 2018)
- 83.175 Elektro-Autos deutschlandweit (Jan. 2019, Kraftfahrt-Bundesamt)
- E-Säulen in Berlin: ca. 505 (öffentlich zugänglich inkl. Stromanbieter), entspricht ca. 1.010 Ladepunkten. Bis 2020 sind für ganz Berlin ca. 1.100 Tankstationen geplant
- Berlin ist E-Carsharing Hotspot: Jedes 7. Carsharing-Auto fährt elektrisch
- Fördermaßnahmen: kostenfreies Parken für Fahrzeuge mit einem E-Kennzeichen (bisherige Sonderparkausweise für Elektrofahrzeuge entfallen), 10 Jahre Befreiung von der KFZ-Steuer, Kaufprämie für E-Cars (4.000 Euro für batteriebetriebene Fahrzeuge, ausgeschlossen sind Fahrzeuge über 60.000 Euro)
- Verschiedene Maßnahmen im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017–2020“(BMWi), Förderprogramm Wirtschaftsnahe Elektromobilität (WELMO; 2018 bis Ende 2019,Verlängerung bis 2020 beantragt), be emobil – Das Berliner landeseigene Projekt zum Aufbau von Ladeinfrastruktur
- eMO – zentrale Anlaufstelle für Elektromobilität

Die gängigsten Stecker

- Standard in Deutschland: verschied. CEE-Typ-2 Stecker für Wechselstrom-Ladestationen mit 3, 7, 11 oder 22 kW
- Combo-Stecker Combined Charging System (CCS): als Ergänzung des Typ-2-Steckers gedacht für Schnellladestationen, unterstützt das Laden mit Wechsel-, aber auch Gleichstrom mit bis zu 170 kW
- CHAdeMO-Stecker: in Japan entwickelt, bisherige Kompatibilität mit Citroën, Honda, Kia, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Peugeot, Subaru, Tesla (mit Adapter) und Toyota
- Tesla Supercharger: Eine modifizierte Version des Mennekes-Stecker Typ 2. Diese erlauben eine Aufladung des Model S zu 80 % innerhalb von 30 Minuten bei einer Ladeleistung von bis zu 120 kW (Gleichstrom). Bisher keine Kompatibilität mit anderen Herstellern.

Ladekabel

- Mode 2: zum Anschluss an eine gewöhnliche Haushaltssteckdose. Die Kommunikation zwischen Elektroauto und Ladeanschluss übernimmt dabei eine Box, die zwischen dem Fahrzeugstecker und Anschlussstecker geschaltet ist (ICCB, in-cable control box).
- Mode 3: Verbindungskabel zwischen Ladestation und Elektroauto, üblicherweise mit Typ-2-Stecker (EU-Standard)


(Erschienen in CUBE Berlin 03|19)

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