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Authentisch modern

Appartement am Olympiastadium setzt die ursprünglichen Ideen von Le Corbusier neu in Szene

Mit dem Kauf der 80 m² großen Maisonnette Wohnung im Unité d’Habitation Gebäude von Le Corbusier... mehr

Mit dem Kauf der 80 m² großen Maisonnette Wohnung im Unité d’Habitation Gebäude von Le Corbusier am Olympiastadium erfüllte sich der deutsch-amerikanische Architekt Philipp Mohr einen Traum. Das ikonische Gebäude war Corbusiers Beitrag zur Internationalen Bauausstellung (IBA) 1957 in Berlin. Der französische Architekt baute weitere Unité d’Habitation Bauten an vier Standorten in Frankreich.

Le Corbusier führte damals in Berlin einen erbitterten Kampf mit dem Berliner Senat und dem Bauträger. Viele seiner Vorhaben konnte der Architekt nicht durchsetzen. Mohr stellte umfangreiche Recherchen an, um die ursprünglichen Ideen von Le Corbusier wieder hervorzuholen. Im Archiv der Fondation Le Corbusier in Paris fand er Originalpläne. Ebenso besuchte der Architekt die Zwillingswohnung in der Unité d’Habitation in Marseille. Beim Vergleich mit den französischen Pendants wurde deutlich, dass die Dimensionen der Gebäude dieselben waren, die Einbauten jedoch nicht übereinstimmten. Deshalb ließen Mohr und sein Team zuerst sämtliche Ein- und Umbauten der letzten 80 Jahre entfernen. Durch das Abhängen der Decken von 2,50 m auf 2,26 m und das Einziehen von neuen Wänden stellten die Planer das originale Layout mit Corbusiers Proportionen wieder her. Teile der Küche ersteigerte Mohr im Original. Die übrigen Komponenten ließ er genauso wie die Treppe zwischen den Geschossen von einem Schreiner nachbauen. Für Le Corbusier waren Farben genauso wichtig wie Raum und Form. Der Entscheidung für die Farben ging ein intensives Studium der Schriften und Aufzeichnungen des Begründers der architektonischen Moderne voraus. Zum Anstrich verwendeten die Handwerker ausschließlich originale Produkte, die heute bei der Les Couleurs Suisse AG wieder zu kaufen sind.

Bei der Möblierung finden sich neben den berühmten Stahlrohrmöbel Corbusiers ebenso Entwürfe seiner Weggefährten und Zeitgenossen. Darunter Möbel von Pierre Jeanneret, Jean Prouvé, Carlotte Perriand, Hans Wegner oder Ray & Charles Eames. In den Regalen steht eine Sammlung von Corbusierbüchern, zusammengetragen aus Antiquitätengeschäften in Berlin, Paris und Marseille. Eine weitere Referenz an die Giganten der Moderne ist das extra für die Wohnung angefertigte, große Wandgemälde. Die Arbeit ist stilistisch an einem Wandbild orientiert, welches sich im Haus der Designerin Eileen Gray, in Roquebrune-Cap-Martin befindet. Die Neugestaltung der Wohnung setzt die Ideen von Le Corbusier und den Geist der klassischen Moderne als Gesamtkunstwerk authentisch in Szene. Dabei entsteht kein Museum, sondern ein lebendiger Lebensraum mit einem ganz besonderen Charakter. Die Wohnung ist bereits verkauft und wird von einem Paar bewohnt.

www.philippmohr.com

Fotos:

Didier Gaillard-Hohlweg,
© Fondation Le Corbusier/ADAGP