Denkmal mit viel Potenzial
Transformation des Essener Colosseums in einen modernen und in die Zukunft gerichteten Ort
Die markante Industriehalle am Rand des Weststadtviertels in der Essener Innenstadt spiegelt die Transformation der Region wider. In den Jahren 1900 und 1901 erbaut, wurden in dem Backsteingebäude einst Lokomotivrahmen und Kurbelwellen für Schiffe gefertigt. Nach Jahren des Leerstands erfolgte in den 1990er-Jahren schließlich der Umbau des seit 1991 unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes in das Colosseum Theater, in dem ab 1996 bis zur Pandemie 2020 Musicals und Veranstaltungen durchgeführt wurden. Die jetzigen Eigentümer – die RAG-Stiftung und Dr. Marcus Kruse – entwickelten das historische Bauwerk nun für die Projektgesellschaft Weststadt unter Mitwirkung von RKW Architektur + zu einem zeitgemäßen Ort des Aufbruchs weiter, der 2025 in Betrieb genommen werden konnte.
Der Umbau erfolgte im respektvollen Umgang mit der historischen Substanz. Im Vordergrund stand das Zusammenspiel von Rückbau und Erhalt vorhandener Bausubstanz in Kombination mit zeitgemäßen Komponenten. Ein interdisziplinäres Netzwerk aus Planenden, Architekt:innen, Ingenieur:innen und Gutachtern entwickelte Ideen, die die ehemaligen Werkstätten, Umkleiden, Technikräume, Probebühnen sowie Verwaltungs- und Produktionsflächen in ein zukunftsorientiertes Arbeitsumfeld transformierten. Entstanden sind rund 4.100 m² Geschossfläche für bis zu zehn flexibel kombinierbare Mieteinheiten. Das geschichtsträchtige Mauerwerk und die alten Stahlfenster wurden saniert und das Glasdach erhielt eine neue Fenster- und Fassadenkonstruktion, die den Wärmeschutz und die Energieeffizienz verbessert. Ein besonderes Highlight bildet eine maßgeschneiderte Holztribüne, die in den Raum hineinentwickelt wurde und zwei Ebenen miteinander verbindet. In Kombination mit historischen Details ist dieser neu entstandene Treffpunkt für die Mieter identitätsstiftend und funktional zugleich. Das historisch eng mit dem Ort verbundene Material Stahl findet sich unter anderem in Form einer über zwei Geschosse gehenden neuen (Flucht-)Treppe wieder. Ebenso wurden die Decken der Eingangsbereiche mit Gitterrosten aus Stahl abgehängt. Die Farben Grün und Rostrot in den öffentlich zugänglichen Bereichen stellen ebenfalls eine Reminiszenz an die industrielle Geschichte dar. Die moderne Arbeitswelt wird durch eine zukunftsorientierte Gebäudetechnik ergänzt. Sämtliche Sanitärbereiche wurden erneuert, bestehende Technikstrukturen weitergenutzt und um neue Infrastruktur entsprechend der künftigen Nutzung ergänzt. Die zuvor klimatisch unversorgten Nebenflächen erhielten eine neue energieeffiziente Lüftungs- und Heiztechnik. Mit der angestrebten DGNB-Gold-Zertifizierung unterstreicht das Projekt seinen Anspruch an Nachhaltigkeit, Energieeffizienz und verantwortungsvollen Umgang mit dem Bestand.
Fotos:
krischerfotografie
www.krischerfotografie.de
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 02|26)