Behutsam ergänzt

Das Bonner Haus der Geschichte hat auch seine öffentlichen Begegnungsflächen modernisiert

Geschichte ist nichts, das uns zufällig widerfährt – sondern das Produkt menschlichen Handelns. Sie bedeutet Wandel, Rückblick und zugleich Vorausschau. Auch das Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn hat in den vergangenen Jahren eine grundlegende Transformation erfahren: Im Zuge der Neugestaltung der Dauerausstellung, konzipiert und umgesetzt vom Amsterdamer Büro Kossmanndejong, haben Franke Architektur | Innenarchitektur aus Düren sämtliche öffentlichen Begegnungsflächen umfassend modernisiert und neu interpretiert.

Die Innenraumgestaltung entwickelt den Bestand behutsam fort, im Kontext des prägenden Wettbewerbsentwurfs aus den 1990er-Jahren von Architektin Ingeborg und Architekt Hartmut Rüdiger. Bestehende Materialien wie Naturstein, Beton und Stahl werden aufgegriffen und mit neuen Materialien zu einem stimmigen Gesamtbild kombiniert. Der neu konzipierte Empfangstresen erscheint monolithisch aus Mineralwerkstoff gefertigt – kompakt, aber offen zugleich sowie konsequent auf die  Bedürfnisse der Besucher:innen ausgerichtet. Mobile, rollbare Trolleys bieten zusätzlichen Stauraum für Informationsmaterial und fungieren als flexible Servicepoints. Hinter dem Tresen sorgt eine multifunktionale Rückwand für zusätzlichen Stauraum. Für eine bessere, präzisere Ausleuchtung sorgen Spots, die unterhalb der bestehenden Betonstruktur an einem filigranen Stahlrahmen installiert wurden. Die neuen farbigen Sitzmöbel im weitläufigen Foyer nehmen die vorhandene Stützenstruktur auf und unterstreichen so Architektur und Raum.  Im Konferenzraum blieb der hochwertige Schreinereinbau aus Holz erhalten, während neue Regal- und Garderobeneinbauten nachhaltig integriert wurden. Ergänzendes Mobiliar, ein erneuerter Teppichbodenbelag sowie ein farblich darauf abgestimmter Wandanstrich schaffen ein harmonisches Gesamtbild.

Auch das Atelier wurde neu möbliert: Ein raumbildender Ausbau mit Podest, Schrankelementen und Pegboard erweitert funktional den Bestand. Neben dem Foyer zählt das Museumscafé zu den wichtigsten öffentlichen Treffpunkten eines Museums: Es wurde völlig neu konzipiert und bietet nun mehr Raum für die zahlreichen Besucher:innen, mit neuen Tischen und Sitzgelegenheiten. Zudem wurde mit dem sogenannten Rondell ein separater Bereich für größere Gruppen geschaffen. Wie eng die Neugestaltung der Dauerausstellung und die Modernisierung der öffentlichen Begegnungsflächen mit der fortlaufenden Geschichte des Hauses verbunden sind, zeigte sich schnell: Bereits drei Wochen nach der Wiedereröffnung hatten mehr als 40.000 Besucher:innen das neugestaltete Haus der Geschichte besucht.

www.frankearchitektur.de

Fotos:
Jürgen Ritterbach
www.foto-ritterbach.de

(Erschienen in CUBE Köln 02|26)

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