Zwischen Fokus und Wärme
Flexibles Lichtdesign für das ehemalige „Tacheles“ setzt Alt und Neu in Kontrast
Wer das denkmalgeschützte „Tacheles“ noch aus Nachwendezeiten kennt, weiß um seine Bedeutung für die damalige Kunst- und Designszene, die sich unter anderem durch luftige Ateliers mit fehlender Außenwand auszeichnete – in teils schwindelnder Höhe. Heute residiert hier das Fotografiska Berlin als Museum für zeitgenössische Fotografie, Kunst und Kultur.
Über drei Etagen erstreckt sich die Ausstellungsfläche mit wechselnden Exponaten. Um dem Kuratorenteam maximale Flexibilität bei gezielter Ausleuchtung zu ermöglichen, entwickelten die Berliner Lichtdesigner von jack be nimble eigens ein ausgeklügeltes System aus Primär- und Sekundärschienen. Auch für den Museumsshop wurden mehrere Komponenten eingesetzt, während die dunklen Stromschienen optisch vor der schwarzen Decke „verschwinden“.
Die Zirkulationsflächen des geschichtsträchtigen Gebäudes stehen im Kontrast zu den Orten zum Verweilen. In den Treppenhäusern und Fluren werden originale Kunst- und Graffitispuren aus den wilden Neunzigern und den Nullerjahren durch ein industriell geprägtes Beleuchtungskonzept hervorgehoben, während das Lichtdesign der neu hinzugefügten Einbauten und Möbel den neu entstandenen, eher wohnlichen Charakter untermalt. Den heutigen Ausbau könnte man insgesamt als Alt vs. Neu bezeichnen: Einerseits trifft das historische Haus auf einen modernen und minimalistischen Ansatz – andererseits will auch die jüngere Geschichte der alternativen Kunstszene der Nachwendezeit geehrt sein. Diffuse Rohrleuchten führen deshalb die Besucher:innen als Wiedererkennungsmerkmal durch alle Zirkulationsflächen mit erhaltenen Graffiti, inklusive eines eigens angefertigten Sonderobjekts im Treppenauge. Additive Strahler ergänzen die Rohrleuchten um brillantes, gerichtetes Licht. So entstand ein Baukastensystem, mit dem optimal auf die historische Substanz und die lichttechnischen Anforderungen eingegangen werden kann. Restaurant und Bar „Veronika“ befinden sich im vierten und fünften Obergeschoss und sind fassadenseitig über einen zweigeschossigen Luftraum miteinander verbunden. Minimalistische Strahler an der Decke tauchen dezent und gerichtet die Tische und Bartresen in brillantes Licht. Hervorzuheben ist vor allem die möbelintegrierte und dekorative Beleuchtung, die primär in den Abendstunden für eine besondere, behagliche Atmosphäre sorgt. In der Rooftopbar „Clara“ im sechsten Geschoss wurde die Stromschiene direkt in die neue, pyramidenförmige Decke integriert. Das Licht der Strahler erreicht so den gesamten Barraum, ohne Streiflicht auf der schrägen Decke zu verursachen.
Fotos:
Koy & Winkel
www.koy-winkel.com
(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)
