Würdevoller Ort der Begegnung
Ehemalige Trauerhalle in Bochum wird zum Zentrum für Demokratie und Menschenrechte
Die Buxus Stiftung, die Schriften, Dokumente und Bücher zum Thema Menschenrechte bewahrt, wählte die ehemalige Friedhofsgärtnerei mit denkmalgeschützter Trauerhalle am Hauptfriedhof in Bochum als Standort für ihr neues Fritz Bauer Forum. Das mit der Sanierung und dem Umbau beauftragte Bochumer Architekturbüro planplus stellte das Gebäudeensemble in zwei Bauabschnitten fertig. Im Mai 2025 feierte es Eröffnung.
Die Friedhofsgärtnerei und die Trauerhalle waren stark sanierungsbedürftig: Die Sichtbetonfassade war beschädigt, Teile der Bleiverglasung fehlten, das Dach war überwuchert und das Nebengebäude wies Risse, Feuchtigkeitsschäden und Spuren von Vandalismus auf. „Ziel war es, diesen Ort unter Wahrung der Würde seiner ehemaligen Funktion und ergänzt um eine klare und moderne Formensprache zu einem lebendigen Zentrum des gesellschaftlichen Engagements mit neuer Nutzung zu machen“, erläutert Architekt Dietrich Kanke. Die restaurierte Trauerhalle bildet heute das Herzstück und beherbergt die Bibliothek. Eine begehbare, zweigeschossige Regalanlage prägt den Raum; sie nutzt vorhandenen Raum optimal, ohne dessen ursprüngliche Wirkung zu beeinträchtigen. Die Sanierung der denkmalgeschützten Bausub-stanz, insbesondere die energetische Ertüchtigung, erforderte viel Feingefühl. In Abstimmung mit den Denkmalbehörden wurden die Innenwände oberhalb der Fenster gedämmt und mit Wandheizung versehen. Das Betondach wurde gereinigt, konserviert, neu gedämmt und abgedichtet. Um die charakteristische, farbige Bleiverglasung sichtbar zu erhalten, wurde eine zweite Ebene aus Isolierverglasung raumseitig eingesetzt. Die äußere Form des ehemaligen Gärtnereigebäudes blieb weitgehend erhalten, die Innenräume wurden neu organisiert, um flexible, lichtdurchflutete Räume zu schaffen. Materialien wie Sichtbeton, unbehandelter Stahl und Eschenholz verleihen dem Ensemble eine robuste und warme Ausstrahlung. Die helle Sichtbetonfassade der Bibliothek findet ihr Pendant im besenstrichartigen Putz des Hauptgebäudes. Innen verbinden gezunderter Stahl und helles Holz die neue Funktionalität mit dem industriell-nüchternen Charakter des Bestands. Die Böden der Bibliothek bestehen aus Hartbeton, während im Hauptgebäude ein gefärbter Calciumsulfat-Estrich mit matter PUR-Versiegelung eingesetzt wurde – eine zeitgemäße Interpretation der rauen Betonästhetik der Trauerhalle. Akustisch wirksame Holzfaserpaneele verbessern das Raumklima. Besondere Akzente setzen ein Kaminzimmer, ein Café sowie ein technisch ausgestatteter Filmraum für Veranstaltungen. Die Energieversorgung erfolgt über Geothermie; die Bibliothek und das Hauptgebäude werden über eine eigene Lüftungsanlage klimatisiert.
Fotos:
Richard Lensit
www.lensit.photography
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 04|25)

