Wohnen im Komponistenviertel
Junges Wohnquartier in alter Nachbarschaft in Weissensee
Viele Komponisten von Weltruhm – Mahler, Bizet und Meyerbeer – säumen den Weg zum neuen Wohnquartier in der nach Georges Gounod benannten Straße in Weissensee. Hier verbergen sich hinter einem straßenseitigen Neubau, der eine Baulücke schließt, sechs weitere Wohnhäuser im ehemaligen Innenhof. Was unvorstellbar klingt, wurde von Bollinger + Fehlig Architekten auf eine Weise gelöst, die kein Engegefühl aufkommen lässt. Im Auftrag der Gesobau planten die Architekten 20 Wohnungen auf dem nur 2.214 m² großen Grundstück. Trotz mehrjähriger Bauverzögerung, die durch Einwände der Nachbarschaft verursacht wurde, konnte das Vorhaben erfolgreich abgeschlossen werden. Die Befürchtung, die Neubauten könnten im Innenhof eine erdrückende Baumasse bilden, erwies sich bei Fertigstellung als unbegründet.
Das Besondere an diesem Projekt ist die kleinteilige Bauweise: Die Architekten haben das Wohnungsprogramm auf mehrere kleine, zweigeschossige Gebäude verteilt. Vier dieser Häuser stehen in einer Reihe, ähnlich wie Zinnsoldaten, und sind durch viel Grün und offene Flächen voneinander getrennt. Ergänzt werden die Häuser durch zwei Doppelhäuser, die als Remisen am westlichen und östlichen Rand des Grundstücks fungieren. Das sogenannte „Torhaus“ mit Durchgang zum halböffentlichen Hinterhof ist mit vier Geschossen gestaltet und passt sich in der Traufhöhe an die traditionelle Umgebung an. Die weiß verputzten Baukörper heben sich positiv von den meisten Nachbarhäusern ab, die oft grau und wenig differenziert wirken. Die Kleinteiligkeit der Neubauten vermittelt ein Gefühl von Großzügigkeit, das sonst eher auf dem Land zu finden ist, wo es üppigen Platz gibt. Insgesamt bieten die sieben Gebäude 20 Ein-, Zwei- und Dreizimmerwohnungen. Zehn dieser Wohnungen sind gefördert und nur mit einem Berechtigungsschein WBS zugänglich. Großzügige Fensterfronten sorgen für helle, freundliche Räume, die durch die Abstandsflächen zwischen den Gebäuden zusätzlich profitieren. Die Häuser sind unterkellert, verfügen jedoch nicht über eine Tiefgarage, sondern über Kellerabteile für die Bewohner:innen sowie Abstellflächen für Fahrräder und Rollstühle. Im Gartenbereich laden Sitzgelegenheiten und Spielmöglichkeiten für Kinder zum Verweilen ein.
Dieses Projekt zeigt, wie eine familienfreundliche Nachverdichtung – großzügig ausgeführt inmitten einer dichtbebauten innerstädtischen Umgebung gelingen kann.
Fotos:
Marcus Ebener
www.marcus-ebener.de
(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)