Vom Stall zum Wohngebäude
Denkmalgerechter Umbau eines historischen Nutzbaus
Poratz, ein winziges Dorf nordöstlich von Berlin in der Uckermark, liegt mitten in der Poratzer Moränenlandschaft, einem Naturschutzgebiet. Ein Straßendorf mit nur 24 Häusern, davon neun unter Denkmalschutz. Es stellt ein lobenswertes Beispiel dafür dar, wie Denkmalschutz ländliche Dorfstruktur bewahren kann. Die beiden Berliner Architektinnen Ulrike Flacke und Bettina Otto erhielten per Direktauftrag die Aufgabe, ein ebenfalls denkmalgeschütztes Stallgebäude zu einem Wohnhaus umzubauen. Der massive Bau aus Ziegelmauerwerk sollte so weit möglich, originalgetreu erhalten bleiben, ohne grundlegend in die Struktur und die handwerklichen Fassadendetails einzugreifen.
Das zweigeschossige Gebäude musste für die Wohnnutzung umfassend gedämmt werden. Untypischerweise besitzt das Haus ein geneigtes Flachdach, das ausgebessert und leicht angehoben werden musste, um die nötige Raumhöhe im Obergeschoss zu erreichen. Im Erdgeschoss wurde mit Glasschotter gedämmt und ein neuer Fußboden aus Holzdielen verlegt. Eine Altersangabe des Bauwerks existiert nicht eindeutig; es dürfte sich aber um einen Nutzbau aus dem späten 19. Jahrhundert handeln. Die Architektinnen gingen behutsam vor. Bei allen Veränderungen spielte der Denkmalstatus die Hauptrolle. Die gut erhaltene Klinkerfassade wurde gereinigt, sodass die kunstvollen Verzierungen über den Türen und Fenstern wieder zur Geltung kommen. Im Innern konnten die Bedürfnisse und Wünsche der Bauherren, einer Familie mit Kindern, erfüllt werden. Der Umbau ist als Wochenend- und Ferienhaus gedacht, kann aber durchaus auch als ständiger Lebensmittelpunkt dienen. Die Wohnfläche beträgt 142 m². Das Erdgeschoss präsentiert sich als großer offener Raum auf zwei Ebenen. Eine kleine Treppe führt von der Küche mit Essplatz zum Wohnzimmer, das eine große Fenstertür mit Blick in die Natur öffnet. Ein vorhandener Grundofen heizt das gesamte Erdgeschoss. Außerdem befinden sich hier Lager- und Technikflächen, ein Badezimmer mit Dusche sowie ein Schlafraum, der separat erschlossen werden kann.
Im Obergeschoss ist die Nutzfläche um einen Luftraum reduzierter als im Erdgeschoss. Er bringt durch ein Oberlicht zusätzlich Licht nach unten zur Küche. Oben liegen die Schlafzimmer, ein Bad, ein Arbeitsraum und ein Flur mit Galerie. Der innenliegende Schlafraum, der nach oben mit einer transparenten Stahlkonstruktion abschließt profitiert ebenfalls von dem Dachfensterband. Eine wunderschön gestaltete, skulptural anmutende Holzwendeltreppe mit taubenblauem Anstrich verbindet beide Stockwerke.
Fotos:
Lidia Tirri
www.tirri.de
(Erschienen in CUBE Berlin 04|25)