Respektvolle Metamorphose

Das Langersgut in Kalkum wurde modernisiert und behutsam zu einem Wohnatelier umgebaut

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Bis heute hat sich der Düsseldorfer Stadtteil Kalkum seinen ursprünglichen dörflichen Charakter bewahrt. Bauwerke wie die alte Wassermühle, die Kirche Sankt Lambertus und das auf einem ehemaligen Rittergut entstandene Wasserschloss mit dem weitläufigen, von Maximilian Friedrich Weyhe gestalteten Park künden von der langen Geschichte des Ortes. Davon erzählt auch das sogenannte „Langersgut“, das sich organisch entlang der Oberdorfstraße erstreckt: Das idyllische Ensemble aus Wohnhaus, Scheune, Stallungen und Werkstatt war nachweislich seit 1600 die erste Schmiede des Ortes, bevor es ab Mitte des 18. Jahrhunderts als Gartenwirtschaft mit angeschlossener Freiluftkegelbahn genutzt wurde. Das als Beispiel des ortsprägenden, barocken Dorf- und Siedlungsbaus denkmalgeschützte Anwesen sollte nach einem Eigentümerwechsel umfassend saniert und modernisiert werden. Turck Architekten, die hier sowohl Bauherr als auch Planer waren, verfolgten dabei in enger Abstimmung mit der unteren Denkmalbehörde eine umsichtige Umbaustrategie: Heutige Anforderungen an Brandschutz, Energieeinsparung, Komfort und Haustechnik sollten mit dem Respekt vor dem baulichen Erbe harmonisch in Einklang gebracht werden.

Seinen besonderen Charme bezieht das Gut aus der Anordnung der verschiedenen Gebäude, die einen geschützten, teilbegrünten Innenhof mit verschiedenen Zonen von Privatheit und Öffentlichkeit kreieren. Das zentrale Hoftor wird von dem kleinen Kopfgebäude der früheren Kegelbahn und dem Wohnhaus flankiert. Daraus entsteht eine einladende Entreesituation, die den Blick auf eine alte Linde und das gegenüberliegende Gebäude der alten Schmiede lenkt.

Das zweigeschossige Wohnhaus, das noch bis 1908 als Gast- und Schankwirtschaft betrieben wurde, ist dem Verlauf der fast eckigen Straßenkurve nachempfunden. Sein schlechter Bauzustand machte eine umfassende Modernisierung notwendig: So wurde der Dachstuhl ertüchtigt, mit Zellulosedämmung isoliert und neu mit Tonziegeln eingedeckt. Um großzügige, tagesbelichtete Räume zu erhalten, wurden Dachflächenfenster eingebaut, aber auch eine Innenwand herausgenommen sowie Wand- und Deckenbekleidungen entfernt. Dabei wiederentdeckte Fachwerkstrukturen ließ man sichtbar, Wandflächen mit hellen Kalk- und Lehmputzen wurden aufgearbeitet. Im Zentrum des Gebäudes wurde zudem ein Deckenfeld über dem Erdgeschoss geöffnet. Den früheren, nicht originalen Bodenbelag aus braunen Tonfliesen ersetzte man durch einen gedämmten, grauen Sichtestrich mit integrierter Fußbodenheizung – bewusst auch als moderner Kontrast zum alten Stil des Hauses. Die geschlämmten Außenwände wurden schließlich ausgebessert und mit einer Farbe in „Englisch Rot“ gestrichen, komplementär zum Dunkelgrün der Klappläden. Auch das Fachwerk der lange schon ungenutzten Schmiede hatte akuten Sanierungsstau: Wegen einer fehlenden Feuchtigkeitssperre im Sockel und Schädlingsbefall mussten Balken repariert, teilweise auch ganz ausgetauscht werden. Denkmalgerecht wurde ein Teil der Wände von innen gedämmt – mit Ausnahme der Wetterseiten, die wegen starken Witterungsschäden eine Außendämmung mit einer rheinischen, vertikalen Holzschalung erhielten. Die hinter Gipsputz verborgenen Ziegelausfachungen konnten im Inneren freigelegt werden. Zudem wurde auch hier der Dachstuhl ertüchtigt, isoliert und neu eingedeckt – samt Dachflächenfenstern, die für eine ausgewogenere Belichtung sorgen. Der Dachboden konnte zur Hälfte geöffnet werden und wird über eine Stahlwangentreppe erschlossen, die in ihrem gedeckten Blauton einen modernen Akzent setzt. Passend dazu wurde der frühere Stampffußboden durch einen gedämmten Sicht­estrich ersetzt. Genutzt wird der hohe, Alt und Neu bewusst schlicht miteinander verbindende Raum heute als Atelier.

www.turck-architekten.de

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 01|21)

Architekten:

Turck Architekten
www.turck-architekten.de

Holzbau, Lehmbau:

Stöcker NaturBauKonzepte
www.naturbaukonzepte.de

Dachdecker:

BSB Beck und Schumacher Bedachungen
Telefon: 02173 960977

Estrich:

GMS
www.gmsgmbh.net

Trockenbau:

Alem Ausbau
www.alem-ausbau.de

Elektro:

Elektro Schürhoff
Telefon: 0211 400601

Sanitär:

Sanitär Volquarts
www.volquarts.de

Maler:

Siegfried Wild Malerarbeiten
Telefon: 0211 287651

Außenfarbe:

Keim Farben
www.keim.com

Schlosser:

H&T Treppen- und Metallbau
www.ht-treppen.de

Schreiner:

Tischlerei Clemens
www.tischlerei-clemens.de
Tischlerei Wolfgang Schiffer
www.tischlerei-schiffer.de

Fliesen:

Robert Szalyga
www.szalyga-bau.de

Fotos:

Sigurd Steinprinz

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