Spagat gelungen
Aufstockung setzt auf Bauen im Dialog mit dem Bestand aus den 1960er-Jahren
Die Katholische Hochschule Köln setzt mit einer anspruchsvollen Erweiterung ein Zeichen für moderne Lehre auf engstem Raum. Wo einst ein Parkplatz den Blockinnenbereich dominierte, entstand hier ein hybrides Bildungszentrum, das technischen Anspruch mit hoher Aufenthaltsqualität vereint. In der dicht bebauten Kölner Innenstadt ist Raum die kostbarste Ressource. Bereits vor 15 Jahren hatte das für die Planung beauftragte Architekturbüro die Hochschule durch eine zweigeschossige Aufstockung des 60er-Jahre-Bestands um zusätzliche Fläche von rund 1.100 m² erweitert. Das kontinuierliche Wachstum verlangte nun eine weitere Intervention. Die Herausforderung: Das Raumprogramm für neue Bachelor- und Masterstudiengänge – inklusive eines Audimax mit 230 Sitzplätzen und vier großzügigen Seminarräumen (mit jeweils bis zu 84 Sitzplätzen) – musste auf einer Restfläche realisiert werden, die zuvor lediglich 13 Pkw-Stellplätze geboten hatte. Die Transformation des ehemaligen Parkplatzes glich einer Operation am offenen Herzen: Unter Berücksichtigung schiefwinkliger Grundstücksgrenzen und eines geschützten Baumbestands musste ein komplexes Volumen untergebracht werden. Zu den Kernbausteinen des Entwurfs gehörten multifunktionale Flächen, was mit einem Audimax mit 230 Sitzplätze und Seminarräumen für bis zu 84 Personen umgesetzt wurde. Der Fokus lag zudem auf der infrastrukturellen Integration: Eine unterirdische Lüftungs- und Klimazentrale sowie eine Tiefgarage verlagern den ruhenden Verkehr unter die Erdoberfläche. Ein weiterer Aspekt betraf die Freiraumplanung: So sollten ein hochwertiger Innenhof sowie neue Fahrrad- und Entsorgungsflächen entstehen. Der Bauprozess im Bestand offenbarte die typischen Schichtungen der Kölner Stadtgeschichte: Von nicht dokumentierten Öltanks exakt im Gründungsbereich des Krans über Kellerruinen im Untergrund bis hin zu sanierungsbedürftigen Grenzmauern – jede Phase erforderte Ad-hoc-Lösungen. Parallel zur Neuerrichtung verdoppelte sich das Projektvolumen durch Sanierung und Umgestaltung der bestehenden Flächen. So entstanden spezialisierte Räume für den Hebammenstudiengang sowie eine neue Cafeteria. Letztere fungiert mit ihrer angeschlossenen Außenterrasse nun als neues kommunikatives Zentrum der Hochschule. Fazit: Trotz der extremen Herausforderungen durch Materialpreis-Explosionen und den sensiblen Kontext der Nachbarbebauung konnte das Projekt bei laufendem Hochschulbetrieb abgeschlossen werden. Das Ergebnis ist ein Paradebeispiel für gelungene Nachverdichtung: ein moderner Campus, der durch architektonische Disziplin und funktionale Dichte überzeugt.
Fotos:
Maurice Cox
www.coxfoto.de
Marion Koell
www.fotografie-koeln.com
Thilo Krense
(Erschienen in CUBE Köln Bonn 02|26)