Raus aufs Land
Geländemodulation inszeniert Neubau des Landratsamtes in Essenbach
Nach dreijähriger Planungs- und Bauzeit wurde im September vergangenen Jahres das neue Landshuter Landratsamt eingeweiht und in Betrieb genommen. Der Standort liegt nicht in der Stadt selbst, sondern etwa zehn Kilometer nordöstlich in der Gemeinde Essenbach. Das Vorgängergebäude in der Stadt war den Anforderungen nicht mehr gewachsen; zahlreiche Abteilungen mussten ausgelagert werden. Ein Neubau, der alle Funktionen und Mitarbeitenden wieder unter einem Dach vereint, war daher konsequent. Zugleich erleichtert er Bürger:innen den Zugang zu Dienstleistungen und schafft die Grundlage für eine moderne, digital ausgerichtete Verwaltung.
Im Rahmen eines aufwändigen Bewerbungsverfahrens – berücksichtigt wurden unter anderem Grundstückspreis, Lage, Erreichbarkeit, Topografie und ÖPNV-Anbindung – setzte sich Essenbach deutlich gegen andere Standards durch, selbst gegen ein von der Stadt Landshut angebotenes Grundstück. Der Neubau basiert auf den Plänen von dasch zürn + partner aus Stuttgart, die 2019 den nichtoffenen Wettbewerb für sich entscheiden konnten. Die Größe und Randlage des Grundstücks ermöglichten es, den Baukörper frei in die umgebende Landschaft einzufügen und prägnant zu formen. Die Architekten entwarfen einen sogenannten „Schmetterlingsbau“, benannt nach den eingekerbten Flügeln, die an die Silhouette des Insekts erinnern. Der viergeschossige Verwaltungsbau wird von durchgehenden Fensterbändern gegliedert, die von horizontalen Keramikbändern akzentuiert werden. „Es war uns wichtig, dass das neue Landratsamt sich mit Geländemodellierungen in seine Umgebung einfügt und die Landschaft für Mitarbeiter und Besucher erlebbar wird“, so Architekt Helmut Dasch. Nachhaltigkeits- und Klimaschutz waren zentrale Leitmotive der Planung. Dazu gehören ein Energiekonzept, das großflächige Photovoltaikanlagen auf dem zur Regenwasserpufferung extensiv begrünten Dach umfasst, sowie ein Eisspeicher zur weitgehend autarken Energieversorgung. Durch diese Maßnahmen erreicht das Gebäude einen KfW‑40‑Standard. Gemeinsam mit benachbarten Einrichtungen wie einer Musikschule und einer Veranstaltungshalle entsteht am neuen Standort ein lebendiges Quartier. Der Haupteingang befindet sich an der Josef‑Neumeier‑Allee mit großzügigem Vorplatz. Im Inneren öffnet sich eine lichtdurchflutete, viergeschossige Halle, die das Zentrum des Gebäudes bildet. Sämtliche Nutzungsbereiche sind über Luftstege erschlossen, was die Orientierung unterstützt. Das Materialkonzept konzentriert sich auf Beton, Glas und Holz und folgt dabei einer klaren funktionalen Logik: Beton steht für Dauerhaftigkeit, Glas für Transparenz, während Holz zu einer ruhigen Grundstimmung beiträgt.
Fotos:
Henrik Schipper
www.henrikschipper.de
Landratsamt Landshut
Bernhard Tränkle
www.architekturimbild.de
(Erschienen in CUBE München 02|26)