Preziose unterm Dach
Ein Spitzboden in einem Mehrfamilienhaus in Essen-Rüttenscheid wird zum Vorzeigeprojekt
Wie viel ungenutzter Wohnraum unter Dächern schlummert, kann man nur erahnen. Dieses Potential angesichts der Wohnungsnot zu heben – vor allem im innerstädtischen Raum – wird eine der Herausforderungen der Zukunft sein. Schließlich kann dadurch die weitere Versiegelung von Flächen eingedämmt werden, was dem Stadtklima und der Umwelt zugutekommt. Der Essener Architekt Jens Backes hat ein solches Projekt geplant und die Umsetzung bis zum letzten Pinselstrich begleitet. Das Ergebnis: Es entstand nicht nur neuer Wohnraum, sondern eine Preziose mit Aussicht.
Zunächst war aber bei Bauherrschaft und Architekt viel Vorstellungskraft nötig, um sich den Bereich, der zuvor als Trockenboden mit Waschküche gedient hatte, in saniertem Zustand vorstellen zu können. Backes Architekten hatten in dem denkmalgeschützten Gebäude aus dem Jahr 1910 bereits zwei weitere Wohnungen sowie den Dachstuhl saniert. In Abstimmung mit der Denkmalbehörde wurde beim Umbau des Spitzbodens sogar eine Loggia realisiert. „Bei allen Maßnahmen galt es, dem Haus gerecht zu werden und dessen Geschichte weiterzuerzählen, ohne dabei den Charakter des Hauses zu verändern“, erläutert Jens Backes seinen Ansatz. Entstanden ist eine behagliche Zweizimmerwohnung mit Loggia, deren Grundriss sich automatisch aus der Konstruktion und Größe des Daches ergeben hat. Über einen kleinen Flur im Eingangsbereich gelangt man in einen Raum mit großzügigem Grundriss, der als Wohn-Esszimmer mit Küchenzeile genutzt wird. Details, die die Wohnung besonders machen, fallen sofort ins Auge. Verkleidete Balken und Nischen des Dachstuhls, die geradezu skulptural wirken, nutzen jede Ecke sinnvoll.
Ein Highlight ist zudem die maßgefertigte, grau lackierte Stahltreppe, die schwungvoll zu einer Empore führt, deren Dachfenster für viel natürlichen Lichteinfall sorgen. In den Schrägen wurden Dachflächenfenster mit Rollläden zum Wärmeschutz eingebaut. Die neuen Fenster der Küche und der Loggia sind zweifachverglast und aus Kunststoff gefertigt. Ein bereits vorhandenes Fenster im Zwerchgiebel, ein sogenanntes Ochsenauge, blieb erhalten und wurde aufgearbeitet. Alle Wände wurden gespachtelt und mit Malervlies tapeziert. Vinyl in Eichenoptik in Fischgrätmuster und das mit großformatigen Fliesen gestaltete Bad komplettieren die hochwertige Ausstattung.
Fotos:
Dr. Lutz Krammenschneider
(Erschienen in CUBE Ruhrgebiet 04|25)