Thermohaus mit Klimahülle

Drei auf einen Schlag: Bestand erhalten – Platz verdoppelt – energetisch saniert

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Eine Win-Win-Situation in jeglicher Hinsicht erreichten die Bauherren aus Guben in der Niederlausitz, als sie dem Vorschlag des Büros Praeger Richter Architekten aus Berlin zustimmten: Die Idee war, ein kleines Backsteinhaus aus den 1930er-Jahren energetisch zu ertüchtigen, indem man ihm eine zweite Hülle überstülpte und es so in ein energetisch wirksames Gebäude umbaute. Ergebnis: Der Grundriss wurde verdoppelt und der Heizbedarf auf ein Minimum reduziert. Das Material der Wahl waren Polycarbonatplatten, die nun als zweite Haut fungieren.

Der Bestand blieb bis auf die Dachziegel erhalten. Der Originaldachstuhl bildet das Tragwerk für die Außenhaut. Mit der Klimahülle wurde das Haus an der Giebelseite um die Hälfte verlängert, sodass sich ein Wintergarten im Erd- und Obergeschoss ergibt. Der Zwischenraum zwischen den Bestandswänden und den neuen Klimahülle wird durch die Verknüpfung vom Erdgeschoss bis ins Dach zu einem Energieraum. Die Hülle erfüllt die Funktion eines Luftkollektors: In diesem bildet sich eine Luftschicht, die zusammen mit den Speichermassen der Bestandswände die Grundversorgung des Hauses mit passiver, solarer Energie sichert. Die erwärmte Luft sammelt sich in der Dachspitze unterhalb des Firstes, wo sie ihre höchste Temperatur erreicht und den Lowtech Kollektor für die Heizung und Trinkwassererwärmung erwärmt. Fast das gesamte Jahr kommt man so ohne zusätzliche Heizung aus. Im Sommer können die Dachfenster geöffnet werden, damit die Hitze entweichen kann. Für die kalten Tage im Winter gibt es einen Kaminofen im Wintergarten. Dank dieser Lowtech-Sanierung wurde der KfW-Standard 55 erreicht. Der Boden des Wintergartens im Erdgeschoss wurde erstmal naturbelassen. Er kann dann, wenn weitere Ausbauten folgen, nachträglich eingesetzt werden.

Mit dieser Klimahülle, zeigt das Haus eine Möglichkeit für klimagerechte und kostengünstige Sanierung älterer Häuser. Wegen seines innovativen Ansatzes wurde das Objekt sogar für die „Häuser des Jahres 2020“ des Deutschen Architekturmuseums nominiert. Dort heißt es in der Begründung: „Die Integration der vorhandenen Bausubstanz stellt eine optimal nachhaltige Bauweise dar. Sie schafft eine Verbindung von Tradition und Innovation, die gerade in strukturarmen Gebieten als bezahlbare Wohnsanierung überzeugt.“

www.praegerrichter.de

Fotos:

Naumann | Friedel

(Erschienen in CUBE Berlin 01|22)

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