Maison Miroir

Ein Haus im Metallkleid spiegelt die Natur

Erst 9 x 9, dann 11 x 11 und nun konsequenterweise 10 x 10: Der Augsburger Architekt Titus Bernhard hat seine Serie Aufsehen erregender Wohnhäuser um ein weiteres überraschendes Werk erweitert: Haus „10 x 10“ glitzert in der Sonne. Es hat einen „Mantel“ aus silbern glänzendem Metall. Wie seine Vorgänger, ist es ein skulpturales Unikat. Haus „9 x 9“ (2003) war aus Stein, sein Nachfolger „11 x 11“ (2011) aus Holz – und das neue Wohngebäude ist in Holzrahmenbauweise mit einer sehr dünnen Edelstahlhülle konstruiert. Es liegt in einer Siedlung mit Einfamilienhäusern am Hang. Leitmotiv seines Entwurfes sei die Idee einer Camouflage gewesen, schildert der Architekt – die Hülle spiegelt ihre Umgebung, alle Jahreszeiten und alle Wetterlagen. Es hebt sich sozusagen selbst auf – wird unsichtbar.

Stufen führen von der Garage hoch zum Haus, dessen Kubatur auf den ersten Blick nicht sofort erkennbar wird. Dieser Umstand ist auf den verdrehten First zurückzuführen, die Erwartung eines „normalen“ Hauses mit Satteldach wird „enttäuscht“. Große Fensteröffnungen auf allen vier Seiten und in den beiden Geschossen sorgen für ein lichtdurchflutetes Inneres. Die Wohnfläche beträgt, verteilt auf drei Ebenen, 216  m² in lockerer, luftiger Raumfolge. Für die Fertigung der komplex-komplizierten Metallfassade fand der Architekt Spezialfirmen in Südtirol und Ingolstadt. Die Oberflächen der Edelstahlpaneele sind gebürstet, gestrahlt und spiegelpoliert, in einem kontinuierlichen Verlauf von Süd nach Nord. Sie schimmern wie eine leicht gekräuselte Wasseroberfläche.

Die Form der „Haut“ entstand mit Hilfe eines 3D-Verfahrens. Die ausgelassenen Fensterflächen sind so arrangiert, dass sie die schönsten Blicke nach draußen einrahmen. Zwischen der Garage aus Sichtbeton und dem Wohnhaus liegt ein Lichthof, der auch im Untergeschoss für Helligkeit sorgt. Ein wahlweise Gast- oder Kinderzimmer, ein Technikraum, ein Bad samt Sauna haben hier Platz. Im Erdgeschoss, im Süden und Westen umfangen von großen Terrassenflächen, findet Kochen, Essen und Wohnen statt. Darüber liegen Schlafzimmer, zwei Arbeitsplätze, die Ankleide und das Masterbad. Die Räume hier haben eine große Höhe durch die asymmetrische Beschaffenheit der Dachflächen. Anhand der Pläne für die Fassadenabwicklung lässt sich erahnen, welche umfangreiche Rechearbeit für die Umsetzung der Metallhülle vonnöten war. Die vier Haus- und zwei Dachflächen werden mit nur 0,8 Millimetern ultradünnen, metallenen Paneelen „verschalt“. Ihre unterschiedliche Oberflächenbeschaffenheit, teils matt, teils aufpoliert, wird entsprechend der Sonneneinstrahlung so angeordnet, dass zu große Aufwärmung vermieden wird und an den schattigeren Seiten der gewünschte Spiegeleffekt entsteht.

Die Metallhaut ist mit einem Abstand von fünf Millimetern vorgehängt, um etwaige witterungsbedingte Verformungen abzufangen. Wie es inzwischen bei Neubauten fast zur Selbstverständlichkeit geworden ist, wird auch hier auf einen minimalen CO₂-Fußabdruck des Hauses geachtet. Die Wärmeversorgung erfolgt mit einer 14-kw Luftwärmepumpe und auch die Fassade mit ihrem geringen U-Wert (Wärmedurchlasswiderstand) von 0,14 W/pro  m² trägt zudem zur positiven Energiebilanz bei. Zurecht ist der Architekt stolz auf dieses nachhaltige Wohngebäude, das zudem zu fast 84 Prozent recycelbar ist.

www.bernhardarchitekten.com

Wohnfläche: 206  m²
Grundstücksgröße: 620  m²
Bauzeit: 2022–2023
Bauweise: Holzrahmenbauweise
Energiekonzept: Luftwärmepumpe, KfW 40

Fotos:
Christina Dragoi
Titus Bernhard

(Erschienn in CUBE München 04|24)

Architektur:
Titus Bernhard Architekten
www.bernhardarchitekten.com

Generalunternehmen:
Lifestyle House
www.lifestyle-house.de
Studio AH
www.andreasherzig.com

Partner Generalunternehmen:
BSB Systembau
www.bsb-systembau.de

Fenster, Montage Fassade:
Hannes Huber
www.hanneshuber.it

3D-Bleche:
Fielitz
www.fielitz.de

Schreinerarbeiten:
Schreinerei Mezger
www.schreinerei-mezger.de

Nothing found.

PLASTISCH eingefügt

Plastisch eingefügt

Eine Wohnanlage in Nippes vermittelt zwischen Straße und Stadtrandgrün

DEN BESTAND NEU ERZÄHLEN

Den Bestand neu erzählen

Ein Bungalow wird behutsam aufgestockt, neu geordnet und minimalistisch gestaltet

HH_0425_AndLichtdesign für eine Galerie

Lichtdesign für eine Galerie

Zeitgenössische Kunst trifft jahrhundertealte Architektur

Arbeitswelten mit Teehaus

Arbeitswelten mit Teehaus

Funktionaler Minimalismus nach der Japandi-Philosophie

Nothing found.

16_OUTD_Haus-vorne_15_700pixel

Aus einem Guss

Minimalistisches Wohnhaus aus Beton, Stahl und Glas

19001005-B_21_700pixel

Dem Münchner Himmel so nah

Gelungene Penthouse-Aufstockung eines Gebäudes aus den 1950er-Jahren

Edel verpackt

Ein neues Wohn- und Arbeitsgebäude beeindruckt durch eine Lärchenholzfassade

Gartenlandschaft Virtuos

Auf einem Grundstück wurden mehrere Gartenbereiche verschiedenster Art geschaffen

Mit begrüntem Dach

Ein Flachdachanbau begeistert mit besonderen Extras

Grünes Design & Zero Waste

Das Koos Hotel&Apartments in der Innenstadt setzt den Fokus auf Nachhaltigkeit

Vom Gewerbe- zum Wohnland

Vorbildliche neue Wohnsiedlung in Feldkirchen