Nachhaltiger Hochhausbau

Was ein Hochhaus der Stadt wiedergeben kann

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CUBE: Das Büro Ingenhoven hat bereits 1997 den RWE-Tower gebaut. Es war eines der ersten Gebäude weltweit, welches eine hinterlüftete Fassade bekam. Wie kam man bei Ingenhoven auf die Idee?

Martin Reuter: Das ist natürlich ein Meilenstein in der Hochhausgeschichte. Ganz einfach, weil es eine Auseinandersetzung damit war, wie Hochhausbau ökologisch, energiesparend und sinnvoll umgesetzt werden kann. Die Doppelfassade, die man hierfür entwickelt hat, ist ein wesentlicher Bestandteil des ganzen Systems. Sie ist die natürliche Belüftung eines Hochhauses.

Können Sie bitte 25 Jahre später resümieren: Hat sich in dieser Zeit viel geändert?

Ich denke schon, denn Hochhausbau ist für die Problematik, die wir auf der Erde erleben, eine Schlüsseltechnologie. Der gesteigerte Flächenbedarf möchte nicht immer weiter in die Horizontale getragen werden. Stattdessen möchte man Zentren verdichten, was in sich erst einmal nachhaltig ist. Wenn wir uns ansehen, was wir mit diesen Hochhäusern machen, was wir bei der Planung und Konzeption für wichtig erachten, ist da eine klare Weiterentwicklung in der Evolution sichtbar. Von der reinen Energieoptimierung, über Energieproduktion, stellen wir uns heute die Frage, was ein Hochhaus der Stadt wiedergeben kann.

Sieht man sich die Grundstückspreisentwicklungen an, den Zuzug von Menschen in die Großstädte und die steigenden Preise, ist die Tendenz zum Hochhausbau eindeutig. Könnte dies zum Bild beitragen, was in der ehemaligen DDR mit den Plattenbausiedlungen entstand?

Die Sorge teile ich nicht. Wir sehen diese Typologien zwar, wenn wir nach Hong Kong oder China blicken. In Mitteleuropa werden wir das nicht erleben. Wir haben es selbst in der Hand, etwas Anderes zu produzieren. Standards fordern heute, allein durch die Gesetzgebung, ganz andere Dinge ein. Öffentliche Räume müssen sich auf den Geschossen des Hauses wiederfinden. Grün muss hineingebracht werden. Das allein wird den Hochhausbau positiv verändern.

Wenn man an nachhaltigen Hochhausbau denkt, gehören die Towers von Stefano Boeri sicher dazu. Jetzt ist es aber so, dass diese Bepflanzung nicht nur Vorteile bietet, sondern es auch durch Wildwuchs und Bewirtschaftung schwierig sein kann. Welche Kriterien erachten sie als federführend für den nachhaltigen Hochhausbau?

Es liegt nicht primär im sichtbaren Grün. Es geht darum, ein Haus zu bauen, das kompakt ist und einen minimierten Energieverbrauch hat. Auch die Mischnutzungen eines Gebäudes sind relevant. Hiermit ermöglicht man eine nachhaltige Weiternutzung. Zuletzt untersuchten wir Konzepte, die sich selbst beim Hochhausbau über Geothermie und PV-Anlagen mehr oder weniger CO₂-neutral abbilden lassen. Das muss das Ziel sein.

Herr Reuter, wir danken Ihnen für das Gespräch. Das Interview führte Kelly Kelch.

Sehen Sie das gesamte Interview, das hier als Auszug abgedruckt ist, als Video!

Martin Reuter

Dipl.-Ing. Architekt, Vorsitzender der Geschäftsführung der ingenhoven associates

Nach dem Abschluss an der RWTH Aachen im Jahr 1998 begann er bei ingenhoven associates und ist mitverantwortlich für die Architektursprache des Büros. 2006 folgte die Position des Project Directors und seit 2010 das Amt des Managing Directors. Sein Tätigkeitsschwerpunkt umfasst überwiegend internationale Projekte, mit einer Spezialisierung auf Großprojekte im asiatischen und australischen Raum. Martin Reuter ist unter anderem Projektverantwortlicher für Marina One in Singapur, 1 Bligh in Sydney sowie dem Breezé Tower in Osaka.

Ingenhoven assiciates wurde 1985 gegründet. Jedes Vorhaben wird nach der im Haus ausgearbeiteten und geschützten supergreen® Entwurfs-Philosophie entwickelt. Unter diesem Konzept werden soziale, ökologische, und ökonomische Nachhaltigkeit zusammengeführt.

(Erschienen in CUBE Düsseldorf 04|23)

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