Grüne Achse von Ost nach West

Eine einzigartige Vitalisierung durch die Kombination innerstädtischer Flächen

Der Döberitzer Grünzug markiert die Umsetzung eines Freiraumprojekts, das bereits rund drei Jahrzehnte zuvor für den Innenstadtbereich in Berlin geplant war. Die behutsame Entwicklung der Fläche wurde von Beginn an durch eine transparente Kommunikation und regelmäßige Beteiligung unterschiedlicher Anwohnergruppen begleitet. Die Freianlage eröffnet die Chance, eine lange brachliegende und mehrfach überformte Fläche zu neuen Nutzungen als Transit- und Erholungsort für Pendler:innen und Anwohnende zu entwickeln. Notwendige neue Verkehrsachsen für Radfahrende und Fußgänger:innen vernetzen so die zuvor durch die Bahntrasse getrennten Quartiere zwischen Lehrter Straße und Heidestraße (Europa-City). Im dichten, urbanen Raum bietet der Grünzug vielfältige, hochwertige Aufenthaltsorte und Lebensräume für Menschen und Tiere gleichermaßen. Es entstand eine einzigartige Kombination aus ökologisch wertvollen und zugleich robusten Flächen im innerstädtischen Bereich, ergänzt durch Strategien zur langfristigen Pflege und Weiterentwicklung. Die Entwurfs- und Umsetzungsphasen waren von einer umfassenden und transparenten Information der Anwohnenden und der in der Nachbarschaft ansässigen Verbände geprägt. Die Landschaftsarchitekten legten besonderen Wert darauf, den ökologischen Schwerpunkt der Planung verständlich zu vermitteln. Über mehrere Leistungsphasen hinweg wurden beispielsweise Vor-Ort-Begehungen organisiert, bei denen die Qualitäten der Fläche gemeinsam mit Anwohner:innen und späteren Nutzenden transparent abgestimmt wurden. Gleichzeitig brachte die bewegte Geschichte des Ortes erhebliche Herausforderungen mit sich. Die Fläche war von gewerblicher Nutzung, Bahnbrache und großen infrastrukturellen Eingriffen geprägt worden. Während das Areal oberflächlich mit einer robusten Ruderalvegetation und einem dichten Bewuchs aus typischen Robinien und Sanddornsträuchern im „Dornröschenschlaf“ lag, traten unterhalb dieser Schicht u. a. komplette Autowracks sowie Gebäude- und Schienenreste zutage, die fachgerecht entsorgt werden mussten.

Heute dient der Döberitzer Grünzug in erster Linie den Quartiersbewohner:innen, die sich zum Teil seit Jahrzehnten für die Schaffung eines öffentlichen Freiraums einsetzen. Nach Abschluss aller Bauabschnitte bietet die Fläche vielseitige Aufenthaltsmöglichkeiten und Erholungsangebote – von Sport- und Bewegungsflächen bis zu ruhigen Bereichen für Naturbetrachtung. Gleichzeitig profitieren die Nutzer:innen gleichermaßen von den neuen, autofreien Verbindungen in Ost-West-Richtung: Der Grünzug dient der Vernetzung der Quartiere östlich und westlich der Bahntrasse und der großen Verkehrsachsen nördlich des Hauptbahnhofs. Gemeinsam mit den bestehenden Kleingärten und dem ruhigen und introvertierten Geschichtspark „Ehemaliges Zellengefängnis“ entsteht ein reizvolles Ensemble, in dem komplementäre Atmosphären entstehen können.

www.atelier-loidl.de

Fotos:
Leonard Grosch

(Erschienen in CUBE Stuttgart 01|24)

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