Über den Dächern Wiesbadens

Eine Aufstockung in Holzbauweise schafft hochwertigen Wohnraum

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Wie viele andere Städte braucht auch die hessische Landeshauptstadt dringend mehr Wohnungen. Eine Möglichkeit, diesen Wohnraum zu schaffen, ist, bereits vorhandene Gebäude aufzustocken. So geschehen auch im Wiesbadener Rheingauviertel. Im Zuge von Sanierungs- und Nachverdichtungsmaßnahmen der GWW Wiesbadener Wohnungsbaugesellschaft wurde in verschiedenen Siedlungsstrukturen der 1950er- und 1960er-Jahre auch der Geschosswohnungsbau an der Niederwaldstraße 46–48 in Wiesbaden saniert und aufgestockt. Gebäude aufzustocken, um neuen Wohnraum zu schaffen, ist auch ökologisch sinnvoll, weil keine Flächen versiegelt werden müssen. Wie die Aufstockung des Architekturbüros grabowski.spork zeigt, kann der so gewonnene neue Wohnraum auch Qualität schaffen, die zur architektonischen Aufwertung des Gesamtgebäudes beiträgt.

Für die Aufstockung wurde der frühere Dachstuhl abgetragen und das Haus um ein Vollgeschoss in Holzbauweise ergänzt. So entstanden auf der vormals ungenutzten Dachfläche zusätzliche Wohneinheiten als Wohneigentum mit großzügigen und offenen Grundrissen. „Die baulichen Rahmenbedingungen, die Wohnhäuser in der Niederwaldstraße um ein Geschoss aufzustocken, waren außerordentlich gut“, erläutert Jan Spork vom Wiesbadener Architekturbüro, „denn die Struktur der Gebäude ließ es zu, nachträglich noch Aufzugsanlagen einzubauen.“ Das war eine wesentliche Voraussetzung, um die beiden sechsgeschossigen Gebäude jeweils um ein Stockwerk zu ergänzen. Dadurch konnten insgesamt sechs neue Wohnungen geschaffen werden.

Eine umlaufende Rahmung aus bronzefarben beschichteten Metallschindeln setzt das neue Geschoss deutlich vom Bestand ab. Zusammen mit den angeschnittenen Seitenflächen und den Auskragungen der Terrassen sorgen sie für eine deutliche Trennung zum Bestand und verleihen den Häusern so eine neue, außergewöhnliche Ansicht, die an aufgesetzte Guckkästen erinnert.

Farblich abgestimmt auf die Aufstockung erhielten beide Häuser zudem neuen Vollwärmeschutz und die Balkone neue Brüstungen oder vollverglaste Loggien. Für den nachträglichen Einbau der Fahrstühle mussten die Erschließungskerne komplett neu organisiert werden. Anschließend wurden auch die Zugänge zu den Treppenhäusern neu gestaltet. Alle Mietwohnungen wurden zusätzlich auf einen technisch zeitgemäßen Stand gebracht.

www.gs-architektur.de

Fotos:

Jean-Luc Valentin

(Erschienen in CUBE Frankfurt 03|20)

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