Ein kontemplativer Ort
Reduzierte Formen schenken einem Privatgarten Ruhe und korrespondieren mit der Architektur
Eine sanfte Hanglage öffnet den Blick in die Landschaft, Weite und Ruhe liegen spürbar in der Luft. Als die Bauherren das Büro Wewer Landschaftsarchitektur mit der Planung ihres Privatgartens beauftragten, war die Architektur des Wohnhauses bereits definiert. Was noch fehlte, war das landschaftsarchitektonische Gegenüber. Früh kristallisierte sich eine klare Leitidee heraus: Es sollte ein Ort der Kontemplation entstehen, ein Garten, der Ruhe ausstrahlt und dennoch vielfältige Nutzungen zulässt, die zugleich auch den Außenraum strukturieren. Der große Tisch auf der Terrasse fungiert als Erweiterung des Wohnbereichs und als sozialer Mittelpunkt; Liegemöglichkeiten am Pool laden zum Rückzug ein, während kleine Leseinseln im Garten intime Momente abseits des Geschehens schaffen.
Die Landschaftsarchitekten mussten Offenheit und Geborgenheit in ein ausgewogenes Verhältnis bringen. Der ursprünglich vorgesehene Standort des Pools wurde im Zuge der Konzeptarbeit neu gedacht und schließlich so positioniert, dass er ein selbstverständlicher Teil der Gesamtkomposition wurde. Klare Geometrien ordnen den Garten, reduzierte Formen schenken ihm Ruhe, Architektur und Landschaftsplanung greifen ineinander. Hauptakteure sind durchaus etwas eigenwillige, knorrige, mitunter fast bizarre Bäume. Gräser ergänzen sie mit Leichtigkeit und Bewegung; Grün- und Weißtöne dominieren, im Vordergrund stehen Blattstrukturen, Kontraste und das Spiel im Wind. Auch das Licht folgt dieser zurückgenommenen Haltung.
Es entstand ein präzise komponierter Außenraum, der Nutzung und Rückzug gleichermaßen ermöglicht. Bei den Bauherren entfaltet der Garten genau die gewünschte Wirkung: „Bei Sonnenschein dominiert der strahlend helle, fast weiß wirkende Travertin im kontrastreichen Zusammenspiel mit dem satten Grün der Ziergräser. Die Geometrie der Gartenanlage reflektiert dann eindrucksvoll die geradlinige Architektur des Hauses. In der Abenddämmerung übernehmen dann die über die Gartenbeleuchtung angestrahlten mehrstämmigen Gehölze im Zusammenspiel mit den Holzelementen der Fassade. Man fühlt sich warm und geborgen.“
Fotos:
Lennart Wiedemuth
www.lennartwiedemuth.com
(Erschienen in CUBE Frankfurt 01|26)