Das Wohnzimmer im Freien
Komplette Umgestaltung eines Villengartens
Mit umfassenden Anforderungen und Wünschen sahen sich die Landschaftsarchitekten bei der Aufgabe konfrontiert, den Garten einer klassischen Villa in Berlin völlig neu anzulegen und den vielfältigen Bedürfnissen einer sechsköpfigen Familie anzupassen. Ein zentrales Ziel war dabei, auch die Architektur des Bauwerks in Szene zu setzen, sie sozusagen zu „rahmen“ und sichtbar zu machen. Zudem sollten verschiedene Aktivitätszonen geschaffen werden: zum Ausruhen, für Sport und Spiel, zum Essen und für geselliges Zusammensein. Die Aufgabe lag in den Händen der Landschaftsarchitekten Jochen Gemp Gartendesign aus Hamburg. Von Beginn an stand fest, dass die gewünschten Ziele nur durch eine komplette Umstrukturierung des Gartens erreicht werden konnten.
Der ursprüngliche Garten war stark terrassiert, verfügte über mehrere Zugänge auf verschiedenen Ebenen und beherbergte einen alten, schützenswerten, aber sehr dominanten Baumbestand. Dadurch boten sich kaum Nutzungsmöglichkeiten. Das Gelände war zu verwinkelt und parzelliert und es gab kaum eine größere Fläche mit Aufenthaltsqualität. Nur die Terrasse am Haus bot eine Fläche als Essplatz oder Leseecke. Erschwerend kam hinzu, dass die Villa Konturen mit Ausbuchtungen, Einschnitten und Anbauten aufwies, die eine Bepflanzung erschwerten. In Abstimmung mit den Familienmitgliedern entstand ein Nutzungskonzept, das darauf abzielt, eine neue Atmosphäre und einen Raum mit hoher Aufenthaltsqualität für alle zu schaffen – gewissermaßen ein „Wohnzimmer im Freien“.
Unterschiedliche Bereiche sollten die Bedürfnisse und Gewohnheiten der älteren und jüngeren Nutzer:innen berücksichtigen und Anreize schaffen, sich draußen aufzuhalten. Zunächst empfängt ein üppig bepflanztes Entrée die Besucher:innen und führt sie in die Gartenwelt. Es entstanden mehrere Themengärten mit inhaltlichen und praktischen Nutzungsmöglichkeiten. So fungiert der Wohngarten mit Außenküche, Feuerstelle und großzügigen Sitzbereichen als lebendiges Zentrum des Außenraums. Er bietet ideale Voraussetzungen für geselliges Beisammensein an langen, warmen Abenden – zum Essen, für Gespräche oder gar Spieleabende. Der Freizeitgarten kann allein oder zu mehreren genutzt werden, um zu entspannen und die Natur zu genießen. Eine Basketballfläche und ein Rasenbereich bilden den Treffpunkt für Bewegung, Spiel und gemeinsame Aktivitäten – den sogenannten Sportgarten. Weitere Aufenthaltsräume sind der Wald- und der Feuergarten, die lichtungsartige Räume unter den Bäumen für beliebige Nutzungen bereitstellen. Ein ruhiger Gegenpol findet sich im Yoga-Garten – ein Ort für Konzentration, Achtsamkeit und Entspannung. Schließlich überrascht der versteckte Garten mit einer besonders intimen Atmosphäre und neuen Sichtachsen innerhalb des Grundstücks.
Jedem Bereich ist eine eigene charakteristische Bepflanzung zugeordnet, um eine immergrüne Welt zu schaffen, die sich fast über das gesamte Jahr hinweg genießen lässt.
Fotos:
Frank Böttner
www.boettner-foto.de
(Erschienen in CUBE Berlin 01|26)