Neue Schulen braucht das Land

Offene Strukturen für neue Raum- und Lernqualitäten

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An unseren Schulen erleben wir gerade einen grundlegenden, pädagogischen Paradigmenwechsel. Weg vom belehrenden Frontalunterricht, hin zur lernenden interaktiven Schule. Weg von geschlossenen, auf spezifische Fächer festgelegten Räumen, hin zu offenen, flexibel nutzbaren Strukturen. Auch der Neubau der Albert-Schäffle-Schule in Nürtingen von asp Architekten und Michel + Wolf Architekten bringt frischen Wind in die (Schul-)Landschaft.

Der Neubau ersetzt ein in die Jahre gekommenes Schulgebäude aus den 1960er-Jahren. Exponiert auf einer Anhöhe oberhalb der Nürtinger Kernstadt gelegen, war es den Planern wichtig, den Baukörper in die Höhenentwicklung des Geländes einzubinden und gleichzeitig den freien Blick in die Landschaft von allen Klassenzimmern aus zu ermöglichen. Im Zusammenspiel mit dem benachbarten beruflichen Gymnasium und der Sporthalle erzeugt der Neubau einen räumlich klar gefassten Schulcampus als neue Mitte. An der Ostseite zweigeschossig ausgebildet, entwickelt sich der Baukörper mit dem Geländeverlauf zur Straße hin auf drei Geschosse. Der Haupteingang orientiert sich mit einem offenen, dreigeschossigen Atrium zum Campus und bildet eine neue Achse. Sie dient als Rückgrat und bindet die Bushaltestelle und die Parkplätze an.

Das Atrium ist das Herzstück der Schule und zentrales Gestaltungselement. Ein Oberlichtband versorgt es mit Tageslicht und lässt einen hellen und angenehmen Innenraum entstehen. Die Verbindungsstege im Atrium sind als breite Raumzonen ausgebildet und bieten Platz für den Aufenthalt, für Lerninseln und Ausstellungen. Vom Haupteingang aus führt eine große Treppe mit Sitzstufen in die untere Ebene. Hier befindet sich eine flexibel nutzbare Veranstaltungsfläche. Ein Innenhof belichtet die Mittelzone des Verwaltungs- und Ganztagesbereichs. Über einen Aufzug sind alle Ebenen barrierefrei erreichbar. Im kompletten Haus ist eine innovative digitale Technik integriert und alle Klassenzimmer sind mit modernen Medien ausgestattet und vernetzt. Die räumliche Nähe aller Funktionsbereiche schafft ein lebendiges und einladendes Haus für Schüler und Lehrer mit neuen Raum- und Lernqualitäten. Auch Nachhaltigkeit wird hier erlebbar: Die Schule wird über die umgebenden Flächen in die Landschaft eingebunden. Streuobstwiesen werden in ihrer landschaftlichen Eigenart wiederhergestellt und umgeben den Neubau von Norden und Westen. Die gesamten Freiflächen sind dazu geeignet, das anfallende Regenwasser zu absorbieren und zurückzuhalten. Zur Aufnahme und Zurückhaltung des restlich anfallenden Regenwassers dienen die Dachbegrünung der Gebäude, das Sickerpflaster sowie grasbewachsene Mulden und Gräben mit unterirdischen Schotterrigolen.

www.michelwolfarchitekten.de
www.asp-stuttgart.de

Fotos:

Philipp Mürdter
www.philippmuerdter.de
Achim Birnbaum
www.achimbirnbaum.eu

(Erschienen in CUBE Stuttgart 04|20)

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