Haus mit zwei Gesichtern

Drei schmale Satteldächer prägen ein Doppelhaus für zwei Parteien

Es führt Ankommende ganz schön in die Irre, das neue Haus mit dem Namen „Casa L“: Seine Frontseite erweckt den Eindruck, es handele sich um drei schmale Bootshäuser. Mitten in einer Wohnsiedlung? Wohl kaum. Die Längsseite löst den Sachverhalt auf: Casa L ist ein Doppelhaus für zwei Parteien, aufgeteilt in eine Ost- und eine Westhälfte. Der optische Schein entsteht durch das Dach, das aus drei schmalen Satteldächern besteht und die Dreiteilung der Fassadenlinie durch zwei Dachrinnen, jeweils am Scheitel des Dachs, noch betont wird.

Entworfen und gebaut wurde das Haus von IFUB-Architekten. Durchdachte Aufteilung, dient sowohl der Nachverdichtung im Stadtteil Gauting, als auch der Optimierung des Wohnraums auf einem knappen Grundstück. Theoretisch können hier zwei fünfköpfige Familien auf je 119 m² komfortabel leben.

Die beiden Doppelhaushälften haben gespiegelt den gleichen Grundriss, doch in der individuellen Aufteilung unterscheiden sich Haus West und Haus Ost. Die erstaunliche Größe auf drei Ebenen wird dadurch erreicht, dass das Untergeschoss als Wohnebene ausgebaut ist. Jeweils ein breiter Lichtschaft bringt Tageslicht nach unten. Hier findet das Elternschlafzimmer samt zugehörigem Bad seinen Platz. Im Erdgeschoss darüber liegt die Wohnebene mit einem offenen Grundriss, um Kochen, Essen und Relaxen flexibel anordnen zu können, an die Bedürfnisse der Bewohner:innen angepasst. Bodentiefe Verglasung mit Schiebetüren öffnet sich zu den Terrassen, wodurch der Wohnraum nach außen erweitert wird. So ist die Aufteilung bei einem der Häuser, während die andere Familie ihre Küche und den Essplatz hierhin verlegt hat. Im Obergeschoss formt die eigenwillige Dachform spannende Räume, die als drei Kinderzimmer oder alternativ auch zum Arbeiten genutzt werden können. So fungiert bei einer der Haushälften das größte der drei Räume als Arbeitszimmer. Eine halb gewendelte Treppe mit sanfter Drehung, mal aus Fichte, mal aus Eiche, verbindet die Ebenen. Die Stufen verschwinden auf der Außenseite in der Wand, innen werden sie von einer Regalkonstruktion gehalten und stabilisiert.

Das Doppelhaus ist in Holzständerbauweise errichtet, gedämmt mit Zellulose und Holzfasern und abgeschlossen mit leimfreien Holzfaserplatten. Die Außenfassade besteht aus schwarz lasierten, horizontalen Fichtenholzbrettern, rhythmisch unterbrochen durch gelbe Sonnenschutzmarkisen vor den Fenstern. Dank einer Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht das Gebäude den KfW-55-Standard.

www.ifub.de

Fotos:
Sorin Morar
www.sorinmorar.de

(Erschienen in CUBE München 01|26)

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