Klar gefasste Einheit
Der Erweiterungsbau führt das bestehende Schulensemble räumlich und funktional weiter
Das heutige Gymnasium Lerchenfeld auf der Uhlenhorst wurde 1910 als eine der ersten staatlichen höheren Mädchenschulen gegründet. Die beliebte Schule verzeichnete in den vergangenen Jahren stetig wachsende Anmeldezahlen, sodass die vorhandenen Räumlichkeiten für die über 1.000 Schüler:innen nicht mehr ausreichten. Der Erweiterungsbau von Winking Froh Architekten bündelt diese gestiegenen Raumbedarfe der fünfzügigen Schule in einem eigenständigen Baukörper und ergänzt das bestehende Schulensemble räumlich und funktional.
Durch seine Anbindung an einen Bau von Albert Erbe aus dem Jahr 1910 sowie die Verknüpfung mit den nordöstlich gelegenen Sporthallen entsteht eine klar gefasste städtebauliche Einheit. Die Reaktivierung der historischen Wegebeziehung zwischen Birkenau und Finkenau stärkt die Einbindung des Areals in den Stadtraum und schafft einen großzügigen Vorbereich am neuen Eingang der Schule. In Volumen und Höhenentwicklung orientiert sich der Neubau an der Maßstäblichkeit des Bestandsbaus, wobei die Höhe des historischen Gebäudes am Lerchenfeld aufgegriffen wird. Eine gestaffelte Gebäudekubatur vermittelt zu den niedrigeren Sporthallen. Die kubische Grundform wird durch eine regelmäßige Fassadengliederung präzisiert. Mit rotem Ziegel und hellen Fenstereinfassungen knüpft der Neubau an die Materialität und Farbigkeit des Bestands an und übersetzt diese in eine zeitgemäße Architektursprache. Alt- und Neubauten treten so in einen dialogischen Bezug, der die jeweiligen Entstehungszeiten respektiert.
Der Neubau erfüllt energetisch den Standard eines Effizienzhauses 40 und wurde vollständig barrierefrei konzipiert. Neue Verbindungen erschließen zudem Teilbereiche des Bestands und binden sie in das inklusive Raumgefüge ein. Die innere Organisation folgt einem klar strukturierten Erschließungskonzept: Am Grundriss ausgerichtet, bilden das zentrale Treppenhaus und die Haupterschließungsachse im Erdgeschoss das räumliche Rückgrat des Gebäudes. Entlang dieser Achse ordnen sich die gemeinschaftlich genutzten Funktionen an: Südlich befinden sich Schulmensa und Cafeteria, nördlich die zweigeschossige Aula mit Bühne.
In den oberen Geschossen teilt das Treppenhaus den Grundriss in zwei kompakte Lernbereiche, die jeweils um einen gemeinschaftlichen Aufenthaltsbereich mit angeschlossenem Gruppenraum organisiert sind und von vier Klassenräumen ergänzt werden. Die Struktur unterstützt sowohl konzentriertes Lernen als auch informellen Austausch und entspricht somit aktuellen pädagogischen Anforderungen an flexible Lernlandschaften. Die Erweiterung erfolgte bei laufendem Schulbetrieb.
Fotos:
Stefan Josef Müller
www.stefanjosefmueller.de
(Erschienen in CUBE Hamburg 01|26)